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Mittwoch, 16.05.2018

Eltern ringen um Natur- und Umweltschule

Ein Gutachter ist empört, weil seine Beurteilung falsch ausgelegt worden sei. Nun soll der Kultusminister helfen.

Von Nora Domschke

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Bis zu den Sommerferien dürfen die Kinder der Natur- und Umweltschule noch in der Dresdner Heide lernen. Danach müssen sie in andere Schulen.
Bis zu den Sommerferien dürfen die Kinder der Natur- und Umweltschule noch in der Dresdner Heide lernen. Danach müssen sie in andere Schulen.

© Sven Ellger

  • Bis zu den Sommerferien dürfen die Kinder der Natur- und Umweltschule noch in der Dresdner Heide lernen. Danach müssen sie in andere Schulen.
    Bis zu den Sommerferien dürfen die Kinder der Natur- und Umweltschule noch in der Dresdner Heide lernen. Danach müssen sie in andere Schulen.
  • Bildungsexperte Rainer Winkel wird oft zurate gezogen, wenn es um freie Schulen geht. Über das Gerichtsurteil zur Natur- und Umweltschule sei er entsetzt.
    Bildungsexperte Rainer Winkel wird oft zurate gezogen, wenn es um freie Schulen geht. Über das Gerichtsurteil zur Natur- und Umweltschule sei er entsetzt.

Es sollte nur eine Anregung sein. In seinem Gutachten zum Konzept der Natur- und Umweltschule Dresden hatte Professor Rainer Winkel lediglich empfohlen, die strikte Aufteilung – eine Hälfte des Unterrichts im Freien, die andere im Klassenzimmer – noch einmal zu überdenken. „So viel im Schulgebäude stattfindender Unterricht wie notwendig und so viel außerschulisches Lehren und Lernen wie sinnvoll und möglich“, schreibt Winkel in seinem Gutachten vom 23. März dieses Jahres.

Das Oberverwaltungsgericht (OVG) in Bautzen interpretiert diese Aussage anders: Demnach könne die Konzeption der Schule nicht sinnvoll umgesetzt werden. Weil damit wiederum das besondere pädagogische Interesse fehle, könne die Natur- und Umweltschule nicht genehmigt werden, teilte OVG-Sprecher Thomas Tischer am vergangenen Freitag mit.

Winkel ist empört. „Es entspricht nicht den Tatsachen, dass ich an irgendeiner Stelle des Gutachtens dem pädagogischen Konzept der Schule das besondere pädagogische Interesse abgesprochen hätte. Das Gegenteil ist der Fall.“ Fast 30 Jahre lang leitete der gebürtige Dresdner den Lehrstuhl für Erziehungswissenschaften an der Berliner Universität der Künste, heute ist seine Expertenmeinung insbesondere bei Konzepten von Alternativschulen gefragt. Drei Tage hospitierte Winkel in der Natur- und Umweltschule, befragte Lehrer, Schüler und Eltern. Sein Fazit: „Ich habe dem Konzept in Theorie und Praxis ein Höchstmaß an pädagogischer Bedeutung bescheinigt.“ Das habe er auch vor dem OVG getan, als er in eineinhalb Stunden sein Gutachten erläutern musste.

Genutzt hat das nichts – die Natur- und Umweltschule wird zum Ende des Schuljahres schließen. Bis dahin soll sich für die Kinder dort nichts ändern. Sie werden weiterhin im Wald der Dresdner Heide lernen, wenn es nötig ist, findet der Unterricht in den Räumen am Manfred-von-Ardenne-Ring statt. Nach diesem Konzept betreibt der Verbund Sozialpädagogischer Projekte (VSP) seine Schule im Dresdner Norden bereits seit 2011. Die Eltern von 108 Grundschülern haben sich seitdem vor allem aufgrund des Waldunterrichts für die Natur- und Umweltschule entschieden. Nun verschwindet dieses besondere Angebot aus der Dresdner Schullandschaft.

Seit sieben Jahren ringen Lehrer, Eltern und der Förderverein um die Genehmigung, allerdings ohne Erfolg. Das Landesamt für Schule und Bildung lehnte die Genehmigung ab, denn das Lernen in der Natur sei zu gefährlich. Daran änderte auch das 2015 vom Verwaltungsgericht Dresden gefällte Urteil nichts, dass das Konzept neu bewertet werden soll. Das Landesamt blieb bei seiner Meinung. Der Förderverein bezeichnet den Umgang mit ihrer Schule als Willkür. Die Eltern seien entsetzt, wie die Schulbehörde mit ihren Kindern umgeht – obwohl das Konzept funktioniert. „59 Kinder sind erfolgreich für den Übergang an die weiterführenden Schulen vorbereitet worden. Darauf sind wir sehr stolz“, teilt VSP-Geschäftsführerin Katrin Förster mit. Nun stehe es im Vordergrund, allen Schülern einen guten Abschied von der Natur-und Umweltschule und zugleich einen geordneten Übergang zu einer anderen Schule zu ermöglichen.

Zweite Petition wird vorbereitet

Während der Schulträger keine weiteren Rechtsmittel bemühen will – eine endgültige Entscheidung falle aber erst nach der Urteilsbegründung in sechs Wochen – wollen Eltern und Förderverein in den nächsten Tagen eine Expertenpetition an Kultusminister Christian Piwarz (CDU) übergeben.

Dieser fühlt sich dafür allerdings nicht zuständig. Für die Übergabe einer Petition müssten sich die Eltern an den Landtag wenden, teilt Dirk Reelfs, Sprecher des Kultusministeriums, auf SZ-Anfrage mit. Ähnlich verhalte es sich mit der Genehmigung und Ablehnung freier Schulen. „Das ist Aufgabe des Landesamtes für Schule und Bildung – Standort Dresden“, führt Reelfs aus. Weil die Urteilsbegründung noch aussteht, könne das Ministerium derzeit noch keine Stellung zum Gerichtsurteil nehmen.

Leser-Kommentare

Insgesamt 4 Kommentare

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  1. Bildungsland Sachsen

    Kurzer Dialog zum Thema: A: Interessant. Vor allem auch wie der Minister sich wegduckt. B: Ja, man sieht ihn gar nicht, so sehr duckt er. Wo ist er? Unter seinem Schreibtisch? A: Kann ihn auch nicht sehen, Hm. Dieses Verweisen auf Zuständigkeiten / Nicht-Zuständigkeiten wie jetzt im Falle des sächsischen Kultusministers ist wohl eine sächsische Tradition, die bewahrt werden soll! A: Nun ja. Seine Vorgängerin, Frau Kurth, hat sich in der Sache schon aus Prinzip immer "tot" gestellt. Mann nennt das Politik nach Art einer Wagenburg. Wenn der MP dann zu seinen "Bürgergesprächen" die Provinzen besucht, oder Regierungsmitglied Dulig zu "Küchentischtouren" aufbricht, ist das konterkarierte Wagenburg. Man kann aber auch von Doppelmoral sprechen...

  2. Dresdner Bürger

    Zum kotzen, diese Arroganz, nicht zuständig usw.! Sparen bis der Arzt nicht mehr kommt... Abwählen die Verantwortlichen! Kein Wunder das in DD sehr stark auch "Alternativen" gewählt werden!

  3. Tom Zink

    Sachsen soll mehr „Klimaschulen“ bekommen, zitiert SZ-Online den sächsischen Umweltminister Thomas Schmidt (CDU), der am Mittwoch bei den Annaberger Klimatagen in Annaberg-Buchholz meinte: „Das Thema Klimawandel muss im Fokus bleiben, insbesondere auch bei der Wissensvermittlung an Schüler“. Aha! Sollte der Freistaat deshalb nicht noch einmal über die Schließung der Natur- und Umweltschule durch seine Behörden neu nachdenken? Ministerpräsident Michael Kretschamen (CDU) hob am 15.5.2018 während einer Preisverleihung die Bedeutung einer engagierten Gesellschaft hervor: „Demokratie lebt vom Mitmachen - ... Mein Dank gilt ... allen, die sich wie sie mit Ideen, Herz und Courage für unsere Demokratie, das Miteinander und unser Land engagieren.“ Liebe CDU: bitte nicht soviel hohle Absichtserklärungen, weniger "Politsprech" - dafür mehr konkrete Taten. Stoppt das Landesamt für Bildung, ringt Euch zur Rettung der Schule durch. Es ist manchmal so einfach!

  4. Eltern

    Seltsam, für die Verhinderung der Unischule am Standort Johannstadt hat sich Herr Piwarz durchaus seitens der Dresdner CDU instrumentalisieren und zu einem Schulbesuch bewegen lassen...

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