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Freitag, 09.03.2018

Elektroautos ziehen nicht

E-Golf, BMW i3 und Co. machen bei den Neuzulassungen weniger als ein Prozent aus – trotz des Umweltbonusses von 4 000 Euro.

Von Michael Rothe

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VW produziert seit Montag zweischichtig in Dresden. Die Nachfrage nach dem e-Golf zieht an, hinkt in Deutschland für Elektroautos insgesamt aber hinterher.
VW produziert seit Montag zweischichtig in Dresden. Die Nachfrage nach dem e-Golf zieht an, hinkt in Deutschland für Elektroautos insgesamt aber hinterher.

© Ronald Bonß

Die wenigsten Autofahrer sind so elektrisiert wie Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP). Das Stadtoberhaupt hatte im Juni 2017 als erster Sachse seinen Dienst-Phaeton gegen einen e-Golf eingetauscht. Mehr noch: In einem Kooperationsvertrag zwischen Landeshauptstadt und VW sagt das Rathaus zu, den Fuhrpark bis 2020 schrittweise auf Elektro-Fahrzeuge umzustellen. In der Stadtverwaltung sind derzeit acht Elektro-Pkw und fünf Elektro-Nutzfahrzeuge in Betrieb, hieß es auf Anfrage. Demnächst kämen fünf Elektro-Pkw hinzu. Hilbert setze „ein klares Signal Richtung Elektromobilität“.

Allerdings findet die Botschaft nur wenige Nachahmer. Das Kraftfahrt-Bundesamt in Flensburg registrierte im vergangenen Jahr 620 Elektroautos in Sachsen – bei insgesamt 123 984 neu zugelassenen Pkw. Damit liegt der Elektroanteil im Freistaat noch unter dem schwachen Bundesschnitt von 0,7 Prozent. Immerhin hat sich im Januar die Zahl solcher Neuzulassungen in Deutschland gegenüber dem Vorjahresmonat auf 2 764 mehr als verdoppelt, in Sachsen waren es 69 . Damit hinkt die Modellregion für Elektromobilität, die sich mit Bayern auch als „Schaufenster“ zum Thema ausgibt, weiter hinterher. Nur 2,5 Prozent aller Neuzulassungen von Elektroautos in Deutschland entfielen auf Sachsen, bei Pkw mit Benzinmotor sind es 3,6 Prozent.

Dabei hätte die Diskussion um Dieselskandal und Fahrverbote in einigen Städten den Absatz von Elektroautos befördern können. Als Grund für die zwar anziehende aber weit unter den Erwartungen liegende Nachfrage nennen Experten neben fehlender Ladeinfrastruktur und langen Wartezeiten auch die hohen Preise.

Die Bundesregierung will Deutschland bis 2020 als Leitmarkt mit mindestens einer Million Elektrofahrzeuge etablieren. Im Rahmen eines Förderpakets bezuschusst beispielsweise das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) den Kauf eines elektrisch betriebenen Fahrzeugs mit einer Prämie, dem Umweltbonus. Gesamtumfang: 1,2 Milliarden Euro.

Der Bonus beträgt 4 000 Euro für Elektroautos, 3 000 Euro für Plug-in-Hybride, deren Akkus über den Verbrennungsmotor und über das Stromnetz geladen werden können. Die Hälfte der Förderung übernimmt die Autoindustrie. Es gibt rund 140 zuschussfähige Modelle, der Tesla „S-Base“ war im November von der Förderliste gestrichen worden. Er ist mit gut 60 000 Euro zu teuer. Das Bafa zählte bis Ende Februar gut 54 000 Anträge (1 565 aus Sachsen), über 31 000 (829) davon für Elektroautos. Es deutet einiges darauf hin, dass der Fördertopf bei Weitem nicht ausgeschöpft wird.

Das war 2009 bei der „Abwrackprämie“ anders, mit welcher der Bund die Finanzkrise für hiesige Autobauer abmilderte. Die Deutschen kauften vor allem Kleinwagen, und bereits im September war der auf fünf Milliarden Euro erhöhte Etat alle. Mit Blick auf die Luftverschmutzung in den Städten hatten CDU/CSU und SPD in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart, speziell für Taxis und leichte Nutzfahrzeuge die Kaufprämie zu erhöhen. Noch gibt es keine konkrete Summe, aber die Sozialdemokraten hatten zuletzt 8 000 Euro ins Spiel gebracht.

Leser-Kommentare

Insgesamt 4 Kommentare

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  1. Radebeuler

    Natürlich zieht es so nicht. Ein Blick nach Norwegen zeigt, wie es geht. Dort sind E-Autos steuervergünstigt, dürfen Busspuren nutzen, in sämtliche Umweltzonen hineinfahren und, ganz wichtig, es gibt die notwendige Infrastruktur. Per Gesetz sollten jede Tanzstelle, jeder Supermarkt/Baumarkt und jedem Wohngebiet (Parkfläche größer 50 Autos) zu 4 oder 5 Ladesäulen verpflichtet werden. Und wenn es per Gesetz nicht geht (Verwaltungsbauten, Bildungszentren, Universitäten usw.) dann per Baugenehmigungsbedingung. Auch die Städte müssen angehalten werden, nur noch Parkflächen da ausweisen zu dürfen, wo entsprechend 20 oder 30 Prozent der Stellflächen mit Ladesäulen zu bedienen sind. Es mangelt also weder an der Kaufkraft noch am Kaufwillen, sondern an den nicht vorhanden Mindeststandards/-vorausetzungen.

  2. Der Schweißer

    @Radebeuler: Klar geht das, in den Städten als Zweitwagen, um sein grünes Gewissen zu beruhigen. Ist in Norwegen nicht viel anders, schauen Sie mal dort in die ländlichen Gebiete.

  3. PS

    Na wenigstens wird das vernünftige Elektroauto - der Plugin-Hybrid - auch gefördert. Allerdings, soweit ich sehe, einen Hybrid-Kombi untere Mittelklasse - also ein Hybridauto mit dem man vernünftig etwas transportieren kann, gibt es nicht. Schon gar nicht zu akzeptablem Preis.

  4. GLIWICE

    Die Leute wollen ja Elektroautos kaufen, aber es gibt sie schlicht und einfach nicht. Was nicht existiert kann nicht angemeldet werden! Es gibt quasi kein Fahrzeug auf das man nicht mindestens 6 Monate warten müsste. Die geringen Zulassungszahlen haben daher nichts mit dem Interesse des Bürgers zu tun, sondern mit den Produktionskapazitäten der Hersteller. Es wird nur gerne behauptet, dass die Nachfrage gering sei um ein schlechtes Licht auf die E-Fahrzeuge zu werfen. Den Autoherstellern wiederum kommt das zu gute. Jedes nicht gebaute E-Auto ist ein gutes Auto.

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