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Eleganter Ausdauersport fordert den ganzen Körper

07.08.2018
Von Andreas Kirschke

 Ausdauersport fordert den ganzen Körper
Eine intensive Sommer-Trainingswoche erlebten Kinder und Jugendliche des Wassersportvereins „Am Blauen Wunder“ Dresden am Dreiweiberner See. Zu den Teilnehmern gehörten Ansgar Strauch (13/v.li.), Arved Meier (13) und Antonio Doebelt (15), der sich auch im Jugendvorstand mit engagiert. Foto: Andreas Kirschke

Mit Popgymnastik starten sie in den Tag. „Es hüpfen noch nicht alle. Los geht’s“, muntert Übungsleiter Maximilian Burkhardt am Sonnabendmorgen am Bootshaus Nordstrand Dreiweiberner See gemeinsam mit Tim Halmel die Kinder und Jugendlichen auf. Schultern kreisen im Rhythmus. Beine schwingen im Takt. Der Kniehebelauf fordert die Oberschenkel.

Kurz nach der Morgengymnastik geht es aufs Wasser. 75 Teilnehmer vereint das Sommer-Trainingslager 2018 der „Kanukids“ des Wassersportvereins „Am Blauen Wunder“ Dresden. Davon sind 50 Kinder und Jugendliche im Alter von acht bis 18 Jahren. Der Rest sind Übungsleiter, Betreuer und Eltern. Sonnabend, am letzten Trainingstag, geht es um Ausdauer. „Damit beginnt und endet traditionell unser Trainingslager. Die Jüngeren bis zwölf Jahre paddeln je nach Alter gestaffelt 6 000 oder 8 000 Meter. Die Älteren ab zwölf Jahre paddeln 10 000 Meter“, sagt Organisator Marco Fischer, seit über 20 Jahren Übungsleiter.

Gute Technik als Voraussetzung

Das einwöchige Sommer-Trainingslager festigt die Gemeinschaft. Es bereitet gezielt auf die restlichen Wettkämpfe vor. Die Regatta-Saison ist lang. Von April bis September dauert sie an. „Wir legen viel Wert auf Technik. Das beginnt bei der Armführung, reicht weiter über die Rumpfdrehung und endet bei der Beinarbeit“, erklärt Marco Fischer. „Nur mit guter Technik kommt ein Kanut zügig voran und kann sein ganzes Leistungsvermögen effektiv abrufen und einsetzen.“

Eine intensive Woche liegt hinter den Teilnehmern. Die ersten vier Tage dienten ausschließlich dem Training. Die Jüngsten übten vor allem Sicherheit und Technik. Die mittlere Altersklasse vertiefte Grundlagen und fuhr Strecken. Die Größeren bereiteten sich auf die Deutsche Meisterschaft vor. Mit einem speziellen Punktesystem werden die Sportler in jeder Trainingseinheit bewertet. Zum Ende, so der Organisator, gibt es stets eine Gesamtauswertung mit kleinen Sachpreisen.

Zwischendrin gab es am Mittwoch einen Pausen- und Spaßtag. Der Jugendvorstand organisierte ihn mit. Das Motto hieß dieses Jahr „Berühmte Pärchen“. Lustige Paare und Gruppen wie die „Teletubbies“, „Dick und Doof“ sowie die „Musketiere“ entstanden. Und bei den Spaßspielen bildeten kleine und große Kanuten Teams und konnten sich dabei näher kennenlernen.

Wie Handball auf dem Wasser

„Am Freitag war traditioneller Triathlon“, sagt Marco Fischer. „Je nach Alter ging es über vier Distanzen um Schwimmen, Paddeln und Laufen. Unsere Teilnehmer gaben alles, zum Teil kämpften sie über zwei Stunden. Am Nachmittag waren wir – zur Erholung – im Hochseilgarten am Stausee Bautzen.“ Für Freude sorgte in der Trainingswoche immer wieder das Spiel „Kanu-Polo“. Eigens dafür dient ein Wasserspielplatz unweit des Bootshauses am Dreiweiberner See. „Kanu-Polo“, so erläutert Übungsleiter Cornelius Pflicke, ist wie Handball auf dem Wasser. Das Spiel dient den Rennkanuten als Ausgleich und Trainingsergänzung. Es macht viel Freude und gibt Ansporn.

„Sehr dankbar sind wir unseren Eltern. Sie versorgten unsere Kinder die ganze Woche mit Frühstück, abwechslungsreichem Abendbrot und leckeren Zwischenmahlzeiten, zum Teil mit selbst gebackenem Kuchen“, sagt Marco Fischer. „Dankbar sind wir ebenfalls Jörg Berndt mit Hipos Imbiss. Er sorgte täglich für schmackhaftes Mittagessen. Ebenfalls aus Lohsa unterstützten uns vor Ort tatkräftig Diana Polpitz und Heiko Keller bei Organisatorischem und bei der Betreuung des Objektes.“

„So eine Trainingswoche ist cool. Mir gefällt vor allem das Sicherheitstraining“, meint Julius Birnbaum (8) am Sonnabendmorgen. Marc Farell (10) erzählt begeistert vom Triathlon, vom Spaßtag und von der Nachtwanderung. Seit einem halben Jahr gehört er zum Verein. Stetig lernt er von den Größeren. Ansgar Strauch (13), Arved Meier (13) und Antonio Doebelt (15) mögen an der Sommer-Trainingswoche die Abwechslung. „Das ist nicht nur stures Training. Wir können auch Volleyball spielen und schwimmen“, erzählen sie. Am Kanu-Sport mögen sie die Wettkämpfe. Im Verein spüren sie starke Hilfsbereitschaft. Sie reicht weit über das Training hinaus.

Gerade beim Sommer-Trainingslager, so schildert Julius’ Vater André Birnbaum (49), reift die Gemeinschaft. „Die älteren Kinder unterstützen die jüngeren Kinder. Sie führen sie nach und nach an größere Aufgaben heran“, erläutert er. „Wir Eltern wiederum helfen beim Transport, beim Zelt-Aufbau, beim Kochen und beim Grillen.“ André Birnbaum war selbst von der 2. bis zur 8. Klasse begeisterter Kanut. Die frühere Regatta-Strecke am Knappensee kennt er noch von den Zeltlagern in seiner Jugendzeit. Seit April 2017 ist der Wassersportverein „Am Blauen Wunder“ Dresden jetzt am Dreiweiberner See in der Gemeinde Lohsa angesiedelt.

Sicherheitstraining auf dem See

„Gerade beim Sommer-Trainingslager ist ein klares Ziel zu spüren“, meint Antje Fritzsche. „Zwar ist jeder am Ende erschöpft, doch fit und geschult für die nächsten Wochen.“ Sohn Alexander (11) trainiert im Verein in der Altersklasse Schüler B, Sohn Albert (15) in der Altersklasse Jugend. Antje Fritzsche und ihr Mann Steffen betreiben den Kanusport als Freizeitsport. „Ein sehr zeitintensives Hobby ist das“, schildert die Dresdnerin. „Kanu ist eine sehr elegante Sportart. Sie fordert den ganzen Körper. Die Balance zu halten, ist eine Herausforderung.“ Die Kinder lernen frühzeitig Ausdauer, Kraft und Körperstabilität. Vor allem, so betont sie, muss ein Kanut gut schwimmen können. „Zum Trainingslager gehört auch das Sicherheitstraining auf dem See“, sagt Katrin Kurschat. „Die Kinder lernen, (wenn sie ins Wasser fallen) einen kühlen Kopf zu bewahren, Vertrauen zu bewahren, das Paddel festzuhalten.“

Sohn Jakob Kurschat (19) gehört im Verein mit Benedikt Bachmann (21) zu den Hoffnungsträgern für die Zukunft. Am 27. Juli erreichten sie zusammen bei der U23-Weltmeisterschaft in Plowdiw (Bulgarien) im K2 (Zweier-Kajak) über 1 000 Meter den 3. Platz. Voriges Jahr wurde Jakob zusammen mit Jakob Thordsen aus Hannover Junioren-Weltmeister ebenfalls im K2 über 1 000 Meter im rumänischen Pitesti. Gern nimmt er ein paar Tage am Sommer-Trainingslager am Dreiweiberner See teil. Dabei kann er Wettkampf-Stress abbauen.

Ein starker Wille ist nötig

Am Kanu-Sport liebt Jakob Kurschat die Nähe zum Wasser und zur Natur sowie das gezielte Heranführen an Ausdauer. „Ohne Biss, ohne starken Willen geht nichts. Das wächst nur über viele Jahre durch beständiges Training heran“, erzählt der 19-Jährige am Sonnabend zum Abschluss der Sommer-Trainingswoche. „Das Gute in unserem Verein ist: Sowohl Freizeitsport als auch Leistungssport sind möglich. Jeder kann sich frei dafür entscheiden.“

Der Wassersportverein „Am Blauen Wunder“ Dresden hat am Dreiweiberner See bereits eine Nachwuchs-Trainingsgruppe Lohsa gebildet. Diese trifft sich in der Schulzeit (nicht in den Ferien) immer dienstags und donnerstags von 16 bis 18 Uhr am Bootshaus. Ansprechpartner sind Heike Gusser, Marcel Fechner und Diana Polpitz. Interessierte sind willkommen.

www.wsv-am-blauen-wunder.de.