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Mittwoch, 17.06.2015

Elbe-Mulde-Radweg fehlen vier Millionen Euro

Planer haben die Strecke zwischen Strehla und Trebsen genau unter die Lupe genommen. Geld allein kann die Probleme der Route aber nicht lösen.

Von Axel Kaminski

Vor fast genau neun Monaten unterzeichneten Bürgermeister und Vertreter der beteiligten Landratsämter in Wermsdorf eine Rahmenvereinbarung zur Mulde-Elbe-Radroute. Mitarbeiter des Kemmlitzer Planernetzwerkes „Planet“ erläuterten kürzlich an gleicher Stelle, was passieren müsste, damit die im Jahr 2000 erstmals ausgeschilderte Strecke, die zwischen Strehla und Trebsen eine Verbindung vom Elbe- zum Melderadweg schafft, zu einem attraktiven Radwanderweg wird.

Legt man rund 200 Euro Ausbaukosten pro Meter zugrunde, seien Investitionen in Höhe von vier Millionen Euro erforderlich. Zu diesem Fazit kam Claudia Glöckner von „Planet“. Mit den Kosten für die Beschilderung, den Bau neuer und die Nachrüstung bestehender Rastplätze sowie einer Vorprüfung hinsichtlich der Flora-Fauna-Habitate komme man auf reichlich vier Millionen Euro. Halte man sich an die Ausbaustandards des Freistaates Sachsen, könne man dafür eine Förderquote von 90 Prozent erwarten.

Gegenüber der bereits ausgeschilderten Strecke enthält der Entwurf wesentliche Veränderungen. Dazu gehöre unter anderem, dass der Radweg in mehreren Abschnitten auf den alten Trassen der Schmalspurbahnen Neichen-Wermsdorf und Oschatz-Strehla verlaufen soll. Die größten Brocken bei den Investitionskosten hätten Grimma mit 1,5 Millionen und Oschatz mit reichlich einer Million Euro zu tragen. In Strehla soll der Radweg von der Elbe aus über die Lindenstraße in Richtung Ortsausgang führen.

Falsche Streckenführung in Strehla

Hans-Jochen Gramann, ehrenamtlicher Kreiswegewart im Landkreis Meißen, macht diese Wahl nicht glücklich. „Diese Strecke umgeht das Stadtzentrum und die Sehenswürdigkeiten Strehlas“, sagte er. Nach seiner Ansicht müsse der Radweg über den Marktplatz geführt werden.

Planer Holger Schilke räumte ein, dass einige Behörden aus naturschutzrechtlichen Gründen teils schwere Bedenken gegen Teile der Trassenführung signalisiert hätten. Der Oschatzer Stadtchef Andreas Kretschmar betonte, dass er nicht wissen wolle, wo etwas nicht geht, sondern wann er wo Fördermittelanträge stellen könne. Die Stadt habe für dieses und nächstes Jahr Mittel für Planungsleistungen und Bauarbeiten in den Haushaltsplan aufgenommen. Auch Kretschmars Wermsdorfer Amtskollege Matthias Müller warb dafür, Bedenken zum Naturschutz nicht überzubewerten. Gramann hatte hier ebenfalls Bedenken angemeldet. Seine Erfahrung mit der „Meißner Acht“ besage, dass es keinen Sinn habe, mit dem Bau zu beginnen, ehe alle naturschutzrechtlichen Belange geklärt sind. „Ohne Klarstellung der FFH-Gebiete wird es die Radroute nicht geben“, sagte er. Im Ergebnis der Prüfung müssten möglicherweise Teilstücke auf anderen als den geplanten Trassen errichtet werden. Dann sei das gesamte Wegweisungs- und Informationssystem zu überarbeiten.