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Donnerstag, 08.03.2018

Eklat bei Amtseinführung

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Milos Zeman, Präsident von Tschechien, unterzeichnet den Präsidentschaftseid während seiner Vereidigung auf der Prager Burg.
Milos Zeman, Präsident von Tschechien, unterzeichnet den Präsidentschaftseid während seiner Vereidigung auf der Prager Burg.

© dpa

Prag. Bei der Vereidigung des tschechischen Präsidenten Milos Zeman ist es zu einem Eklat gekommen. In seiner Rede auf der Prager Burg griff Zeman am Donnerstag die liberale Presse, namentlich die Zeitung „Hospodarske noviny“ und das Magazin „Respekt“, sowie das öffentlich-rechtliche Fernsehen an. Er warf ihnen „Manipulation der tschechischen Öffentlichkeit“ vor. Mehrere konservative Abgeordnete, darunter Ex-Außenminister Karel Schwarzenberg, verließen daraufhin aus Protest den Saal.

Knapp sechs Wochen nach seiner Wiederwahl legte der 73-Jährige vor einer gemeinsamen Sitzung der beiden Parlamentskammern seinen Amtseid ab. Der weithin als russlandfreundlich geltende Zeman hatte sich in der Stichwahl mit 51,4 Prozent der Stimmen knapp gegen seinen liberalen und proeuropäischen Herausforderer Jiri Drahos durchgesetzt. Damit wurde er in seine zweite, fünfjährige Amtszeit eingeführt. In Tschechien hat der Präsident überwiegend repräsentative Aufgaben.

Zeman hatte sich zuletzt als harter Gegner der Aufnahme von Flüchtlingen und scharfer Kritiker des Islams profiliert. Er hält weiter zu Regierungschef Andrej Babis, obwohl der Gründer der populistischen ANO-Partei Mitte Januar die Vertrauensfrage im Parlament verloren hatte. Dahinter stehe eine „nationalistische Kehrtwende“ des einstigen Sozialdemokraten, sagte der Politologe Stanislav Balik im tschechischen Fernsehen CT.

Die feierliche Zeremonie wurde live im Fernsehen übertragen. Sie fand im Wladislaw-Saal aus dem 15. Jahrhundert statt, in dem einst die Krönungsfeierlichkeiten der böhmischen Könige abgehalten wurden. Die Nationalhymne erklang, Soldaten feuerten 21 Ehrensalven ab. (dpa)

Leser-Kommentare

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Insgesamt 10 Kommentare

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  1. Dräsdnor

    Er griff die liberale Presse an und deshalb verließen konservative Abgeordnete den Saal. Verstehe ich nicht. Hätten da nicht liberale Abgeordnete gehen müssen?

  2. DaW

    @1: Wieso sollte das ein Widerspruch sein? Auch konservative Abgeordnete können Meinungs- und Pressefreiheit als hohen Wert empfinden, der dann selbstverständlich auch anderen zukommt.

  3. Rico Roos

    Wir bekommen, da wir keine eigenen Schlüsse ziehen können, alles geliefert: Eklat, weil einer seine Meinung sagt, russlandfreundlich (igitt!), nationalistische Kehrtwende (geht ja gar nicht). Dafür erfahren wir si gut wie nicht Inhaltliches. Sehr viele Lücken, Presse!

  4. Fritz

    Das ist doch das gleiche wie in Deutschland...........die Presse Manipuliert auch die Menschen. Was da so in Deutschland alles unter den Tisch gekehrt wird ist schon sehr erstaunlich.

  5. DDler

    @1: Das ist doch kein Widerspruch. Liberale Presse heißt doch nicht zwangsläufig, daß dort nur Meinungen von Parteien zum Zuge kommen, die das Wort "liberal" als Aushängeschild benutzen. Liberale Presse heißt aus meiner Sicht doch vor allem, daß verschiedene Meinungen dargestellt werden, die aber alle die Grundwerte der Demokratie und Freihet respektieren. Das können wirtschaftsliberale, sozialliberale, konservative, progressive Ansichten sein. Und welche Ansicht ist die nun richtige? Das bedafr eben einer ständigen Diskussion.

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