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Dienstag, 07.08.2018 Aus dem Gerichtssaal

Einfach Unterschrift draufgestempelt

Mit dem Autogrammstempel ihres Lebensgefährten soll die Angeklagte Verträge gekündigt haben. Dahinter steckt mehr.

Von Jürgen Müller

Die Angeklagte soll ohne Wissen ihres Lebensgefährten Verträge gekündigt und mit dem Autogrammstempel des Mannes „unterschrieben“ haben.
Die Angeklagte soll ohne Wissen ihres Lebensgefährten Verträge gekündigt und mit dem Autogrammstempel des Mannes „unterschrieben“ haben.

© SZ-Archiv/Thomas Lehmann

Meißen. Das Verfahren beginnt ohne die Angeklagte. Sie wartet in einem Nebenraum. Denn ein Zeuge, es ist ihr Ex-Lebensgefährte, darf sich ihr laut Gerichtsbeschluss nach dem Gewaltschutzgesetz nur auf eine bestimmte Entfernung nähern. Die 45-jährige Coswigerin und ihr 59-jähriger Ex liefern sich seit längerer Zeit einen erbitterten Rosenkrieg. Etliche Zivilverfahren gab oder gibt es, nun treffen sich die beiden auch vor dem Strafgericht.

Der Frau wird Urkundenfälschung vorgeworfen. Sie soll mit dem Autogrammstempel ihres ehemaligen Lebensgefährten in dessen Namen, und ohne sein Wissen Verträge beim Energieversorger und beim Wasserversorger gekündigt haben. Die Sache hat natürlich eine Vorgeschichte. Beide leben in dem Haus, das einst dem Mann gehörte, aber zwangsversteigert wurde. Der Vater der Angeklagten kaufte die Immobilie und vermietete sie wieder dem Mann. Weil dieser in der Schweiz arbeitete und nur selten nach Hause kam, habe sie seine Post bearbeitet, sagt die Angeklagte. Deshalb habe sie auch auf Schreiben von Behörden geantwortet und dabei den Unterschriftsstempel benutzt. So sei das auch diesmal gewesen. Weil der Mann beim Energieversorger und bei der Wasserwirtschaft ein säumiger Zahler gewesen sei, habe sie in Absprache mit ihm die Verträge umgemeldet, damit Abschaltungen verhindert würden, sagt die Angeklagte. Die Stromkosten schrieb sie auf sich um, das Wasser sollte ihr Vater, der ja der Eigentümer des Hauses ist, bezahlen.

Alles Lüge, sagt der Ex. Er habe nie Zahlungsrückstände gehabt, beim Wasser habe es sogar mal eine Überzahlung gegeben. Von einem Umschreiben der Verträge sei nie die Rede gewesen. Er sei nur dahintergekommen, weil er vom Wasserversorger plötzlich keine Jahresabrechnung mehr erhielt. Er habe der Frau auch nicht erlaubt, den Unterschriftsstempel zu benutzten, sagt der Zeuge.

Das stimmt allerdings nicht ganz. Der Verteidiger legt ein Schreiben vor, in welchem der Zeuge die Frau auffordert, ein Schreiben an die Arbeitsagentur mit dem Unterschriftsstempel zu versehen und abzuschicken. Den Stempel habe er sich mal vor vielen Jahren anfertigen lassen, weil er 5 000 Bücher signieren sollte. Der Grund der Aktion ist wohl ein ganz anderer. Während der Mann in der Schweiz arbeitet, legt sich die Frau einen Liebhaber zu, den sie inzwischen geheiratet hat. Das war mal der beste Freund des Mannes. Den wollte sie nun aus dem Haus haben.

Der 59-Jährige ahnt nichts, ist Weihnachten 2016 zu Hause, er herrscht Friede, Freude, Eierkuchen. Erst als er wieder zurückfährt, eröffnet ihm die Frau beim Gehen, dass alles aus ist, dass sie sich von ihm trennen wird. Der Mann fällt aus allen Wolken. Und ist noch mehr überrascht, als ihm kurze Zeit später die Kündigung des Mietvertrages ins Haus flattert. Angeblich hat er 21 000 Euro Mietschulden. Auch das sei eine Lüge. Er habe immer pünktlich die Miete überwiesen, allerdings ohne Betreff. „Die wollten das so“, sagt er, und meint damit seine Ex und deren Vater. Der sitzt im Publikum, ist als Zeuge geladen, macht aber von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch. Immer, wenn es um ihn geht, spricht der Zeuge von „dem da hinten“.

Nicht nur vor Gericht machen sich die beiden gegenseitig das Leben so schwer wie möglich. Ein Urteil fällt noch nicht. Das Gericht will noch weitere Zeugen hören.