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Montag, 14.05.2018

Eine Vase für den stärksten Heber

Auch nach dem Umzug lebt der Pokal der Blauen Schwerter von der Stimmung in der Halle.

Von Thomas Riemer

222 Kilo stieß Arkadiusz Michalski und bekam teures Porzellan. Foto: Claudia Hübschmann
222 Kilo stieß Arkadiusz Michalski und bekam teures Porzellan. Foto: Claudia Hübschmann

© Claudia Hübschmann

Kein Regisseur hätte es besser inszenieren können: Als der Pole Arkadiusz Michalski 222 Kilogramm für seinen dritten Versuch im Stoßen auflegen lässt, geht es um die große Vase aus Meissener Porzellan. Es ist der allerletzte Versuch eines Gewichtheber-Wettkampfes, der an Dramatik nicht zu überbieten ist. Mucksmäuschenstill ist es in der mit knapp 400 Zuschauern ausverkauften Halle. Michalski stemmt die Hantel tatsächlich nach oben, verdrängt den Letten Ritvars Shuarevs von der Spitze.

Es ist der Höhepunkt beim Turnier um den Pokal der Blauen Schwerter in Meißen, das seit seiner Neuauflage 2012 erstmals in einer umgebauten Schwimmhalle ausgetragen wird. 30 Heber aus zehn Nationen stellen zahlreiche persönliche Bestleistungen auf – und sorgen für ein dramatisches Finale. Lange hatte es nach dem ersten Gesamtsieg einer Frau ausgesehen. Rebeka Koha, schon in den beiden Vorjahren Gewinnerin der kleinen Vase, legte einen großartigen Wettkampf hin. Die 58 Kilogramm leichte Lettin schaffte 98 Kilo im Reißen und 118 Kilo im Stoßen. Das reichte für den Sieg in der Frauen-Wertung, doch vier Männer waren besser.

Aus deutscher Sicht avancierte Jon Luke Mau zum Publikumsliebling. Der 20-Jährige erfüllte nicht nur die Norm für die Junioren-WM, sondern bewies mit einem perfekten Rückwärtssalto nach gestoßenen 156 Kilogramm auch sein turnerisches Talent. Dabei war er vor dem Wettkampf noch skeptisch. „Beim Warmmachen hat es heute nicht funktioniert“, erklärte er. Applaus gab es für ihn wie für die Veranstalter, die den Wettkampf vor sechs Jahren wieder ins Leben gerufen hatten. Traditionell besticht das Turnier durch seinen Modus, wonach der Sieger in der Relativwertung ermittelt wird. So kommt es, dass Athleten mit einem Körpergewicht von 49,Kilo (Anis Michel/Frankreich) bis 157 Kilo (Peter Nagy/Ungarn) im gleichen Wettkampf starten können.

Und so soll es auch 2019 wieder sein. „Die Hälfte der Starter von heute hat schon zugesagt“, erklärte Peter Petzold vom Organisationsteam. Sicher ist zudem: Der Umzug von der alten Wellblechhalle in die frisch sanierte Schwimmhalle hat sich bewährt, der Funke sprang auch hier sofort über. „Meißen war das Wimbledon des Gewichthebens“, erklärte Ehrengast Ronny Weller, der 49 internationale Medaillen gewonnen hat.

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