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Dienstag, 15.05.2018

Eine neue, alte Feuerwehr für Käbschütztal

Die Stadt Coswig stellt ein ausrangiertes Fahrzeug zur Verfügung. Auch andere helfen der Gemeinde.

Von Jürgen Müller

Mit diesem Auto wollen die Coswiger den Käbschütztalern helfen.
Mit diesem Auto wollen die Coswiger den Käbschütztalern helfen.

© Feuerwehr

Coswig/Käbschütztal. Der klammen Gemeinde Käbschütztal wird geholfen. Nicht von Freistaat oder Landkreis, sondern von der Stadt Coswig. „Nachdem wir die Berichte in der SZ über die Situation der Gemeinde und speziell der Feuerwehren gelesen hatten, fragten wir uns, wie wir der Gemeinde helfen könnten“, sagt Olaf Lier, der Fachbereichsleiter Ordnungswesen in der Coswiger Stadtverwaltung. Unter anderem war berichtet worden, dass zwei Käbschütztaler Feuerwehrfahrzeuge auf Reifen fahren, die schon mehr als 25 Jahre alt sind. Die haben zwar noch Profil und kommen damit regelmäßig durch die technische Untersuchung, doch derart alte Reifen stellen ein erhebliches Sicherheitsrisiko dar.

Coswig stellt der Gemeinde nun ein ausrangiertes Feuerwehrfahrzeug zur Verfügung, das Ende vergangenen Jahres aus Dienst genommen und durch ein neues ersetzt wurde. Der Mercedes hat einen Restwert von ungefähr 8 000 Euro. Allerdings ist die Pumpe kaputt. Sie zu erneuern, würde rund 11 000 Euro kosten. Das Fahrzeug ist jedoch zusätzlich mit einer transportablen Pumpe ausgerüstet, sodass eine Reparatur der anderen defekten Pumpe nicht zwingend notwendig ist.

Die Modalitäten sind nun in einem Nutzungsvertrag festgehalten. Demnach bleibt das Feuerwehrauto zwar im Eigentum der Stadt Coswig, kann von der Feuerwehre der Gemeinde Käbschütztal aber kostenlos genutzt werden. Für notwendige Reparaturen ist die Gemeinde zuständig. Einige strittige Punkte, welche die Gemeinderäte ansprachen, wurden von der Stadt Coswig noch nachgebessert. So war ursprünglich vorgesehen, dass der Vertrag von beiden Seiten jederzeit mit einer Drei-Monatsfrist gekündigt werden kann. „Dann stünden wir bei einer Wehr ohne Fahrzeug da, die Feuerwehr wäre nicht einsatzbereit“, so Bürgermeister Uwe Klingor.

Endet der Vertrag, muss die Gemeinde durch einen Sachverständigen ein Wertgutachten erstellen lassen. Liegt der Wert unter dem jetzigen, muss die Gemeinde der Stadt Coswig die Differenz erstatten. Auch wenn dieses Fahrzeug auch schon mehr als 20 Jahre auf den Reifen hat, hilft es der Gemeinde. Irritationen gab es auch, weil das Fahrzeug mit Originalbereifung ausgestattet ist. Einige Gemeinderäte interpretierten das so, dass dies noch die ersten Reifen seien. Cathleen Witecy, in der Gemeinde Käbschütztal für die Feuerwehren zuständig, stellt klar: „Das Fahrzeug wurde schon einmal neu bereift. Originalbereifung heißt lediglich, das die Reifen aufgezogen wurden, die der Hersteller vorschreibt“.

Wo es eingesetzt wird, ist inzwischen auch geklärt. In Kleinkagen, wo eines der beiden Autos mit den uralten Reifen steht, kann es jedoch nicht genutzt werden. Der Grund ist einfach. Das dortige Feuerwehrgerätehaus ist schlicht zu klein für dieses Fahrzeug. Deshalb soll das Coswiger Fahrzeug jetzt in Krögis eingesetzt, der dortige Robur ausgemustert und an einen Liebhaber verkauft werden. Der Robur wurde zwar erst kürzlich neu bereift, doch verloren ist das Geld nicht. Denn dadurch werde ein höherer Verkaufserlös erzielt, so Klingor.

Auch was die alten Reifen an den zwei Fahrzeugen betrifft, könnte es nun bald eine Lösung geben. Animiert durch den SZ-Artikel hat sich der Meißner Unternehmer Holger Hempelt, Inhaber eines Karosserie- und Fahrzeugbaus, angeboten, neue Reifen zu besorgen. „Ich bin selbst in der Feuerwehr. Wir können doch nicht die Kameraden während der Ausbildung und der Einsätze einem vermeidbaren Risiko aussetzen“, sagt Hempelt.

Mit Reifen ist die Gemeinde nun offenbar gut versorgt. Auch ein Nossener Bürger hat zugesagt, Reifen für das Kleinkagener Feuerwehrauto zu besorgen. Da diese jetzt nicht mehr benötigt werden, sollen diese Reifen für Feuerwehranhänger genutzt werden.