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Samstag, 09.04.2016

Eine Lösung für die Bahnsteiglücke?

Ein Dresdner Bauingenieur hat einen Vorschlag für den neuen Haltepunkt Bischofsplatz. So könnte er sicherer werden.

Von Peter Hilbert

Solche ausfahrbaren Trittstufen gibt es an einigen Elektrotriebwagen. Damit wird die Lücke an Bahnsteigkanten geschlossen. Die S-Bahnen am Bischofsplatz haben diese Technik nicht, sodass Fahrgäste vor der Lücke stehen.
Solche ausfahrbaren Trittstufen gibt es an einigen Elektrotriebwagen. Damit wird die Lücke an Bahnsteigkanten geschlossen. Die S-Bahnen am Bischofsplatz haben diese Technik nicht, sodass Fahrgäste vor der Lücke stehen.

© Peter Hilbert

Seit knapp drei Wochen ist der neue S-Bahn-Haltepunkt Bischofsplatz in Betrieb. Bei allen Vorteilen für den Nahverkehr hat er einige Defizite. Die niedrigen Geländer sollen ersetzt werden, Fahrradbügel fehlen und an der Bahnsteigkante klafft eine große Lücke. Denn der Haltepunkt liegt im Bogen. Eine Lösung wären ausfahrbare Trittstufen. Die gibt es an einigen Elektrotriebwagen, jedoch nicht an denen, die auf dieser Strecke eingesetzt werden. Daran wird sich auch in absehbarer Zeit nichts ändern, teilt die Deutsche Bahn mit.

Der Laubegaster Eberhard Kunte hat eine Idee, wie das Problem zu lösen wäre. Denn an der Lücke im Bahnbogen könnte baulich nichts geändert werden, ist dem erfahrenen Bauingenieur klar. „Unterhalb der Bahnsteigkante ist bei stehenden S-Bahn-Wagen ein freier Lichtraum“, erklärt der 72-Jährige. Dort müssten in mehrere Abschnitte geteilte Hubbalken mit Hydraulikantrieb installiert werden. „Sie könnten aus sechs bis acht Zentimeter starkem Riffelblech mit darunterliegenden Trägern bestehen“, sagt er. Ist die S-Bahn eingefahren, müsste der Zugbegleiter den Hubbalken ausfahren lassen, sodass die Lücke geschlossen wird.

„Technisch ist so etwas durchaus vorstellbar“, sagt Professor Wolfgang Fengler. An der TU ist der 63-jährige promovierte Bauingenieur Spezialist für die Gestaltung von Bahnanlagen. Im Bereich der zehn Türen an den maximal fünf S-Bahn-Wagen könnten solche – wegen der Bremsungenauigkeit – jeweils 6,50 Meter lange bewegliche „Spezialbahnsteigkanten“ angebracht werden. Die müssten aber auch wetterfest sein – ob im Winter bei Kälte und Eis oder bei starker Hitze im Sommer – und zudem allen Regelwerken der Deutschen Bahn entsprechen. „Das wäre sehr teuer“, ist sich Fengler sicher.

Bei der Deutschen Bahn sei die Sicherheit ohnehin schon recht groß. Wenn der Zugbegleiter diese Technik dann noch bedienen müsste, könnte er auch die vorhandene Überfahrbrücke im ersten S-Bahn-Wagen ausfahren. Für Behinderte oder Eltern mit Kindern gebe es somit auch ohne den großen Zusatzaufwand eine sichere Zustiegsmöglichkeit. Und er fügt hinzu: „Das eingesparte Geld könnte für die weitere Beseitigung unbeschrankter Bahnübergänge ausgegeben werden – das wäre sinnvoller.“ Die SZ hatte auch die Deutsche Bahn mit dem Vorschlag konfrontiert. Die Antwort steht aber noch aus.