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Donnerstag, 16.07.2015

Eine Entscheidung mit enormer Symbolkraft

Erstmals in der Geschichte der Makkabiade finden die jüdischen Sportwettbewerbe in Deutschland statt.

Von Jörg Soldwisch

Der Makkabi-Verein Deutschland ist Gastgeber der Spiele.
Der Makkabi-Verein Deutschland ist Gastgeber der Spiele.

© Th. Bockelmann

Bundeskanzlerin Angela Merkel spricht von einer „historisch und politisch großen Bedeutung“, Bundespräsident Joachim Gauck gibt höchstpersönlich den Startschuss, und 2 500 jüdische Athleten freuen sich auf ein Sportfest der Versöhnung: 70 Jahre nach dem Holocaust finden erstmals auf deutschem Boden die European Maccabi Games statt – und das auch noch in Berlin. Eine Entscheidung mit enormer Symbolkraft.

Dort, wo die Shoa, der nationalsozialistische Völkermord an Juden, ihren Ausgangspunkt hatte, wird ab dem 27. Juli die größte jüdische Sportveranstaltung abgehalten. Im Olympiapark der Sommerspiele 1936, von denen jüdische Athleten durch die Nazi-Diktatur ausgegrenzt wurden, kämpfen etwa 2 500 Juden aus 36 Ländern um Medaillen.

„Das sind die Spiele der Versöhnung“, sagt Alon Meyer, Präsident von Makkabi Deutschland. Doch nicht für alle Juden ist die Zeit dafür bereits reif. „Es gab Bedenken, ob es richtig ist, die Spiele nach Berlin zu bringen, solange es noch Überlebende des Holocaust gibt, solange es noch Menschen mit einer Nummer auf dem Unterarm gibt“, sagt Meyer. Diese Vorbehalte soll die Makkabiade auflösen: „Wir wollen mit diesen Spielen Deutschland ins richtige Licht rücken.“

Dafür haben die Veranstalter die volle Unterstützung der Bundesregierung. Bundeskanzlerin Merkel schrieb in ihrem Grußwort im offiziellen Magazin: „Der von Deutschland begangene Zivilisationsbruch der Shoa steht tief in unserem Gedächtnis eingeschrieben. Angesichts der Vergangenheit kann Deutschland für die wiedererstarkte Vielfalt jüdischen Lebens unter uns und das neu gewachsene Vertrauen der Gäste aus dem Ausland nur zutiefst dankbar sein.“

Doch die Sicherheitsvorkehrungen sind hoch, vor allem auf dem Olympiagelände und rund um das Hotel Estrel, in dem fast alle Athleten und Funktionäre unterkommen. Einen nicht unerheblichen Teil des Fünf-Millionen-Euro-Etats mussten die Organisatoren für Maßnahmen der Sicherheit bereitstellen. Wegen der erhöhten Gefahr wurde auch davon abgesehen, die Eröffnungsveranstaltung im Herzen von Berlin vor dem Brandenburger Tor stattfinden zu lassen. Stattdessen eröffnet Bundespräsident Gauck die Spiele in der Waldbühne vor rund 15 000 Besuchern.

Alle Seiten betonen zwar, dass es keine erhöhte Sicherheitsgefährdung gebe. Doch die Erinnerung an die Vergangenheit macht vorsichtig. „Ich denke an 72 in München, so etwas will niemand mehr erleben“, sagt Meyer und erinnert an den Terroranschlag auf israelische Sportler bei den Olympischen Spielen 1972.

Als Polizeifestspiele sollen die 14. European Maccabi Games aber nicht in die Geschichte eingehen, dafür wollen auch die Athleten sorgen. Mit etwa 2500 Sportlern wird es ausgerechnet in Berlin eine Rekordbeteiligung geben. Bekannteste Teilnehmer aus Deutschland sind die ehemalige Hockey-Nationalspielerin Rebecca Landshut und Fechter Mark Perelmann. (sid)

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