erweiterte Suche
Dienstag, 10.02.2009

Eine Blitzkarriere auf Bayerisch

Von Karin Schlottmann, Berlin

Karl-Theodor Maria Nikolaus Johann Jakob Philipp Franz Joseph Sylvester Buhl-Freiherr von und zu Guttenberg – so heißt der neue Wirtschaftsminister mit vollem Namen. Der 37-jährige Jurist stammt aus einer uralten fränkischen Adelsfamilie aus dem gleichnamigen Ort Guttenberg. Der kometenhafte Aufstieg des Freiherrn begann nach der traumatischen Niederlage der CSU bei der bayerischen Landtagswahl im vorigen September und dem nachfolgenden Wechsel in der CSU-Spitze.

Der neue Chef Horst Seehofer machte zu Guttenberg damals zum CSU-Generalsekretär. Etwa 100 Tage übte der sich als Lautsprecher der Partei. Er wolle als Generalsekretär nicht nur in Bierzelten verbal „draufhauen“, sondern auch erklären und argumentieren, beschrieb er seine Aufgabe. Den Beweis dafür, dass das geht, muss er nicht mehr erbringen. Denn der Abgang von Michael Glos am Wochenende bescherte Gutenberg einen weiteren, überraschenden Karrieresprung. Er wird heute zum – bisher jüngsten – Bundeswirtschaftsminister ernannt. „Eine sehr gute Wahl“, schwärmt der JU-Vorsitzende Philipp Mißfelder.

Guttenbergs Fachgebiet war bisher allerdings nicht die Wirtschafts-, sondern die Außen- und Verteidigungspolitik. Die transatlantischen Beziehungen und die Kaukasuskrise waren ihm näher als Abwrackprämie und Mindestöhne. Dass die Entscheidung dennoch auf ihn fiel, liegt an seinem Ruf, ein politisches Talent zu sein. Entscheidend dürften aber der bayerische Regionalproporz und Seehofers Bemühen gewesen sein, die Führungsriege der CSU zu verjüngen. Parteifreunde beschreiben Guttenberg als weltoffen, aber konservativ. Er votierte im Bundestag gegen den Gesundheitsfonds und ist erklärter Gegner der geplanten Erbschaftssteuerreform. Leistung und Eigentum müssen seiner Meinung nach gestärkt werden.

Vor seiner politischen Karriere arbeitete er in dem Unternehmen seiner Familie, einem Fachgroßhandel für Trockenbau, Isoliertechnik und Dämmstoffe. Sein Vater war der Dirigent Enoch zu Guttenberg, sein Großvater war ebenfalls Politiker und einer der Architekten der ersten Großen Koalition in der Bundesrepublik. Guttenberg ist verheiratet mit Stephanie Gräfin von Bismarck-Schönhausen, einer Nachfahrin Otto Fürst von Bismarcks. Das Paar hat zwei Töchter.