erweiterte Suche
Freitag, 05.08.2011

Ein unmögliches Glück

Promi-Beziehungen sind selten von Dauer und füllen dafür die Klatschblätter. Warum Jennifer Lopez nicht Steffi Graf ist.

Von Henry Berndt

Es kam, wie es fast immer kommt. In einer gemeinsamen Erklärung gaben Jennifer Lopez und Marc Anthony vor einigen Tagen ihre Trennung bekannt – sieben Jahre nach ihrer Hochzeit. „Wir haben entschieden, unsere Ehe zu beenden”, war da mal wieder zu hören, und „dies war eine sehr schwierige Entscheidung”. Das Liebesaus bei einem der sogenannten Traumpaare Hollywoods sorgte für einigen Wirbel. Dabei war das Überraschendste an dieser Meldung doch wohl, dass die fällige Schlammschlacht um Geld und Kinder zunächst ausblieb.

Beziehungen zwischen Prominenten tragen in der Regel schon beim ersten Kuss den Keim des Unglücks in sich – vorausgesetzt sie sind nicht sowieso nur als PR-Gag inszeniert. Während eine durchschnittliche Ehe in Deutschland zumindest etwa 14 Jahre hält, sieht es bei den Promis ganz düster aus mit der ewigen Treue. Ohne all die Trennungsgerüchte, Versöhnungen und Rosenkriege hätte so manches bunte Magazin große Probleme, seine Seiten zu füllen.

Wenn schon J.Lo nicht anständig über ihren Verflossenen herzieht, dann ist wenigstens auf Arni, den Gouvernator verlass. Nachdem Maria Shriver nach immerhin 25 Jahren Ehe die Scheidung eingereicht hatte, entbrannte der offene Kampf um Schwarzeneggers Unterhaltszahlungen. Wenigstens etwas.

Unüberbrückbare Differenzen

Meist sind es die vielzitierten „unüberbrückbaren Differenzen“, die einer Promi-Ehe früher oder später den Gar ausmachen. Aber keine Sorge, der nächste Heiratskandidat kann für einen echten Star nicht weit sein. Jennifer Lopez stand mit ihren 42 Jahren schon drei Mal vor dem Traualtar. Die ersten beiden Ehen hielten nicht einmal ein Jahr. Und dann war da ja auch noch die Beziehung mit Ben Affleck, der seinerseits schon mit Gwyneth Paltrow liiert war und derzeit mit Jennifer Garner verheiratet ist. Wer will da noch durchsehen.

Der Grat zwischen privatem Glück und öffentlicher Maskerade ist schmal. Treue macht uninteressant, wie nicht nur Lothar Matthäus und Boris Becker wissen. Für die Country-Sängerin Dolly Parton, die selbst seit 44 Jahren mit einem Mann ohne Wikipedia-Eintrag verheiratet ist, sind lange Promi-Ehen auch deshalb fast unmöglich. „Wenn ich jemanden mit dem gleichen Beruf geheiratet hätte, hätte es nie gehalten“, sagt sie.

Bestes Beispiel für diese Theorie war die im März gestorbene Hollywood-Diva Elizabeth Taylor. Neben ungezählten Romanzen und Verlobungen war sie in ihrem Leben acht Mal verheiratet, davon zwei Mal mit Richard Burton.

„Viele Stars leben auf der Überholspur“, sagt der TV-Psychologe Michael Thiel. „Man dreht einen Film zusammen, dann verliert man sich wieder aus den Augen. Sie sind gewöhnt, dass nichts lange hält.“ Baywatch-Star Pamela Anderson etwa reichte 2008 schon zwei Monate nach der Hochzeit mit Rick Salomon die Scheidung ein. Den Kurz-Ehen-Rekord hält jedoch Britney Spears, die 2004 für rund 55 Stunden mit ihrem Jugendfreund Jason Alexander verheiratet war.

Nicht ganz hoffnungslos

Ist der Promi also solcher einfach ein unfähiger Partner? Ganz hoffnungslos ist es dann doch nicht, sagt Michael Thiel: „Auch sie haben die Sehnsucht nach einer lange dauernden Beziehung. Und sie leiden wie jeder andere sehr darunter, wenn ihre Liebe zerbricht.“

Es sind Paare wie Steffi Graf und André Agassi, die stellvertretend für des Volkes Wunsch nach der großen öffentlichen Liebe stehen. Seit zehn Jahren sind die früheren Tennisstars ein Paar, ziehen in Las Vegas zwei Kinder groß und gehören bis heute auch ohne jeden Skandal zu den Lieblingen des Boulevards. Von so viel Harmonie kann Jennifer Lopez nur träumen. „In jungen Jahren denkt jede Frau, dass Liebe ganz einfach ist“, sagte sie vor einigen Monaten in einem Zeitungsinterview. „Unsere Eltern lesen uns Märchen vor, und uns wird eingetrichtert, dass irgendwann der charmante Prinz um die Ecke kommt. Aber so ist es nicht.“