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Donnerstag, 02.08.2018

Ein Trio mit Ambitionen

Von Daniel Klein

Drei auf einem Brett: Louisa Stawczynski, Timo Barthel und Tina Punzel (v.l.) freuen sich auf die Europameisterschaften in Edinburgh.Foto: Kairospress/Th. Kretschel
Drei auf einem Brett: Louisa Stawczynski, Timo Barthel und Tina Punzel (v.l.) freuen sich auf die Europameisterschaften in Edinburgh. Foto: Kairospress/Th. Kretschel

© kairospress

Das Quartett ist zum Trio geschrumpft. Nach der verletzungsbedingten Absage von Martin Wolfram, den Rückenschmerzen plagen, reisen mit Tina Punzel, Louisa Stawczynski und Timo Barthel drei Wasserspringer aus Dresden zur Europameisterschaft nach Edinburgh.

Die ist nicht nur, wie alle zwei Jahre, in eine Schwimm-EM integriert, sondern Teil der ersten European Championships. Sechs Sportarten tragen ab Donnerstag an zehn Tagen ihre Titelkämpfe in Glasgow aus, die Leichtathleten in Berlin. Die Wasserspringer müssen nach Edinburgh, weil im 75 Kilometer entfernten Glasgow die Schwimmer die Halle blockieren und es keine zweite geeignete Halle gibt. „Das ist schade, weil wir dadurch kaum etwas von den anderen Wettbewerben mitbekommen werden“, findet Punzel. „Die Zeit, nach Glasgow zu fahren, haben wir sicher nicht.“ Vor allem sie nicht.

In allen vier Brettdisziplinen, die es bei den Wasserspringern inzwischen gibt, wird die Dresdnerin, die am Mittwoch ihren 23. Geburtstag gefeiert hat, antreten. „Mit einer Medaille möchte ich gerne zurückkehren, am liebsten im Einzel von drei Metern“, erzählt sie. „Das ist eine olympische Disziplin, außerdem wäre ich da mal wieder an der Reihe.“ Mit 17 hatte sie 2013 völlig überraschend EM-Gold gewonnen, vor drei Jahren dann Bronze. Seitdem stand sie noch zweimal in Synchron-Entscheidungen auf dem Podium.

Ebenfalls eine Medaille möchte DSC-Kollegin Louisa Stawczynski mitbringen, allerdings hat sie dafür nur eine Chance – und ein Problem: Die 21-Jährige tritt lediglich vom Einmeter-Brett an, von dieser Höhe hatte sie 2017 EM-Bronze gewonnen, und seit drei Wochen zwickt es bei ihr im Rücken. „Inzwischen kann ich aber wieder ordentlich trainieren“, sagt sie. Zudem sattelt sie gerade um. Da die Einmeter-Konkurrenz nicht zum olympischen Programm gehört und sie von drei Metern national nicht zu den beiden Besten zählt, klettert sie nun auf den Zehnmeter-Turm. „Dort ist die Konkurrenz auch nicht so groß wie vom Brett“, sagt sie. Die Teilnehmerzahl sei übersichtlicher. Drei Sprünge hat sie im vergangenen halben Jahr bereits gelernt, zwei weitere, die sie für die Einzelkonkurrenz braucht, sollen bis September dazukommen. „Wenn das klappen sollte, gehört sie zu den wenigen, die sich ein Turmprogramm innerhalb so kurzer Zeit erarbeitet haben“, sagt ihr Trainer Boris Rozenberg. Sie selbst hadert noch ein wenig mit der Umschulungsmaßnahme: „So weit oben zu stehen, ist immer noch ein komisches Gefühl.“

Timo Barthel hat damit keine Probleme. er tritt in Edinburgh vom Turm im Einzel- und Synchronwettbewerb an – und mit seinem Partner Florian Fandler (Halle/Saale) ein großes Erbe. Die beiden sind die Nachfolger des Erfolgsduos Sascha Klein und Patrick Hausding, die neunmal in Folge EM-Gold geholt hatten. Klein hat die Karriere beendet, Hausding will nicht mehr vom Turm springen. „In diese Fußstapfen zu treten, ist schwierig. Sie haben Maßstäbe gesetzt, die keiner so schnell erreichen wird“, so Barthel.

Der 22-Jährige hadert mit seiner Saison, ein richtig guter Wettkampf sei ihm bisher noch nicht gelungen. Trainer Rozenberg begründet das mit der langen Zwangspause aufgrund einer Keuchhusten-Erkrankung: „Sein Körper war noch nicht bereit.“ In Edinburgh soll sich das ändern.