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Dienstag, 15.05.2018

„Ein Stück heile Welt quasi vor der Haustür“

Der Lugturm war lange Heidenaus Balkon. Dann wuchs das Areal zu. Seit einem Jahr wird es zu neuem Leben erweckt.

Von Heike Sabel

Die nächsten Termine

Die ersten Blumen: Vor einem Jahr begann Jens Genschmar mit Familie und Freunden den Lugturm wiederzubeleben. Die Gaststätte wird er nicht wieder aufbauen, aber den Turm begehbar machen.
Die ersten Blumen: Vor einem Jahr begann Jens Genschmar mit Familie und Freunden den Lugturm wiederzubeleben. Die Gaststätte wird er nicht wieder aufbauen, aber den Turm begehbar machen.

© Archiv: Marko Förster

Heidenau. Am Lugturm passiert was: Spaziergänger wunderten sich vor einem reichlichen Jahr über die Arbeiten am einstigen Balkon Heidenaus. Jens Genschmar aus Dresden hatte das Areal gepachtet. Seither bringt er es mit seiner Familie und Freunden in Ordnung, lädt immer wieder zu Festen ein und will mit dem Niedersedlitzer Heimatverein auch den Turm wieder begehbar machen. Was treibt Genschmar an?

Herr Genschmar, seit einem Jahr sind Sie fast jedes Wochenende auf dem Lugturm. Hatten Sie sich das so vorgestellt?

Vielleicht nicht ganz, aber gewünscht und gehofft …

Werden Sie die Verantwortung und die Arbeit ein Stück abgeben bzw. teilen?

Wir kümmern uns weiterhin um die Bewirtschaftung der Fläche und das Organisieren der Wochenenden und Veranstaltungen. Die Turmsanierung wird mit Partnern angegangen: Denkmalamt, Heimatverein Niedersedlitz, Sponsoren, Firmen.

In dem einen Jahr ist sehr viel geworden. Mit diesem Tempo kann es schlecht weitergehen, oder?

Unsere Philosophie lautet: Stück für Stück je nach Zeit und Finanzen. Wir wollen uns nicht von der allgemeinen hektischen Zeit anstecken lassen. Der Lugturm soll ein Ort der Ruhe und Entschleunigung bleiben. Dabei hoffen wir weiterhin auf die Toleranz der Gäste bezüglich unserer Improvisationen. Die positiven Reaktionen und Hilfsangebote der Gäste motivieren uns dabei immer wieder neu.

Die nächsten Termine

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Trödelmarkt: 25. bis 27. Mai

Kindertag: 1. Juni

Biergarten: 2./3. Juni

Sonnenwendfeier: 22. bis 24. Juni

Sommerfest: 30. Juni/1. Juli

Quelle: Jens Genschmar/Auswahl

Hat Sie die Anteilnahme der Leute überrascht?

Ja, in dem Umfang schon. Wir freuen uns total und sind jedes Mal aufs Neue begeistert von den Geschichten und Emotionen, die uns die Gäste vermitteln.

Viele haben Ihnen ja auch immer wieder Fotos und Ansichtskarten gebracht. Sind diese irgendwann mal in einer Ausstellung zu sehen?

Ja, auf jeden Fall. Wir machen uns schon Gedanken zur Umsetzung, aber das wird wahrscheinlich erst nächstes Jahr, wie gesagt, Schritt für Schritt. Bis dahin sammeln wir weiter. Wir freuen uns nach wie vor über Bilder, Erinnerungen und Gegenstände zum Lugturm und der Gaststätte.

Wann wird denn der Turm wieder besteigbar sein?

Sanierungsbeginn ist, hoffen wir, dieses Jahr. Ein Ziel für die Fertigstellung wäre das 140-jährige Jubiläum des Turms 2020.

Wenn Sie sich an Ihren ersten Schritt auf dem Gelände erinnern, was ging da in Ihnen vor?

Was für ein schönes Fleckchen, idyllisch und erholsam. Jammerschade, dass es verkommt. Es muss unbedingt wachgeküsst werden, nicht nur für uns Freunde und Bekannte, sondern für die Allgemeinheit.

Was begeistert sie denn so an dem Areal?

Ich begeistere mich an diesem Stückchen „heile Welt“ quasi vor der Haustür, raus aus dem Stadtgetümmel und dem täglichen Alltagsstress, rein in eine Idylle zum Erholen, Abschalten, Entspannen, Freunde treffen und Kraft tanken. Umgeben von Rapsfeldern, Wiesen, Obstbäumen, Pferden, Kühen, Vogelgezwitscher, der traumhaften Aussicht auf das Elbtal von Dresden bis zur Sächsischen Schweiz und naturbelassener Stille – Harmonie für Augen, Ohren und Seele. Alles soll naturbelassen bleiben. Es wird keine von Architekten und Landschaftsgärtnern durchgestylte Anlage werden. Wir freuen uns über jedes Pflänzchen statt Dornen, Brennnesseln, Disteln, Gestrüpp. Gäste bringen Pflanzen und Behälter. Jeder soll sich unbeschwert und wohlfühlen, ungezwungen und authentisch sein können, ohne Etikette, bei gegenseitigem Respekt und Rücksichtnahme. Alle sollen eine schöne, lebensfrohe Zeit am Lugturm haben, damit dieser auch künftig wieder Geschichten erzählen kann.