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Mittwoch, 28.06.2017

Ein Staudamm zum Mitnehmen

Dank mobiler Sperren verfügen Feuerwehren schnell über ein kleines Wasserreservoir. Nicht alle sind begeistert.

Von Tina Soltysiak

Die mobile Staustelle der Feuerwehr Ostrau ist bei einem Brand in Wutzschwitz zum Einsatz gekommen. Der Aufbau geht schnell. Sie lässt sich V-förmig unterschiedlich weit aufklappen und somit an die verschiedenen Bachbreiten anpassen.
Die mobile Staustelle der Feuerwehr Ostrau ist bei einem Brand in Wutzschwitz zum Einsatz gekommen. Der Aufbau geht schnell. Sie lässt sich V-förmig unterschiedlich weit aufklappen und somit an die verschiedenen Bachbreiten anpassen.

© André Braun

Region Döbeln. Im Brandfall schnell ausreichend Löschwasser zur Verfügung zu haben, ist für Feuerwehren – gerade im ländlichen Raum – mitunter ein Problem. Deshalb nutzen die Kameraden auch Teiche, Flüsse und Bäche als Reserve. Doch nach andauernden Trockenperioden wie zuletzt war bisher eine Wasserentnahme schwierig. Ausgerechnet ein Biber kann Abhilfe schaffen. Dabei handelt es sich um eine Art Staudamm zum Mitnehmen.

Die Ostrauer Kameraden bauten ihre mobile Staustelle kürzlich beim Brand in Wutzschwitz auf. Das dauerte keine zwei Minuten. Sie sieht aus und funktioniert wie eine Art Tapeziertisch: Die Staustelle besteht aus zwei Aluminiumriffelblechen, die über nicht rostende Scharniere verbunden sind, und einem Boden aus strapazierfähigem Kunststoff. Die mobile Staustufe lässt sich V-förmig unterschiedlich weit aufklappen und somit an die verschiedenen Bachbreiten anpassen. Der Wasserdruck sorgt dafür, dass sich die Plane an den Boden schmiegt. Das sorgt für Stabilität, dichtet ab, hält Schlamm und Kieselsteine fern und staut so das Wasser an.

Die vier Ostrauer Wehren sind bereits seit 2014 mit dem Biber ausgestattet, führen ihn ständig auf dem Fahrzeug mit, so Bürgermeister Dirk Schilling (CDU). Die Kosten lagen zwischen 800 und 1 200 Euro pro Staustelle. „Wir haben drei Ortswehren mit den kleineren ausgerüstet, die für unsere kleineren Bäche als Gewässer 2. Ordnung ausreichen. Die Ostrauer Wehr hat eine größere bekommen, um die Große Jahna als Gewässer 1. Ordnung nutzen zu können“, ergänzt er.

Die Gemeinde ist im Altkreis Vorreiter, was die Anschaffung der Technik betrifft. Die Harthaer besitzen die „Biber“ ebenfalls. Dass sich die mobilen Staustufen bewähren und die Arbeit der Kameraden wesentlich erleichtern, hat sich rumgesprochen. Die Einsatzkräfte aus Zschaitz-Ottewig haben den Ostrauern Ende des vergangenen Jahres über die Schulter geschaut.

„Die Finanzmittel zur Anschaffung einer mobilen Staustelle – Typ Biber – wurden für die Ortsfeuerwehr Ottewig im Haushaltsjahr 2017 eingestellt“, erklärt Mandy Härtner von der Gemeindeverwaltung. Innerhalb der nächsten zwei Jahre sollen die Zschaitzer ebenfalls eine erhalten. „Die mobilen Staustellen sollen zur Löschwassergewinnung insbesondere im Bachbett der Jahna in den Ortsteilen Baderitz, Zschaitz und Goselitz zum Einsatz kommen“, so Härtner.

Geld im Haushalt eingeplant

Die Leisniger Ortswehren sind laut Ordnungsamtschef Uwe Dietrich von der Sinnhaftigkeit überzeugt, besitzen aber noch keine. „Die Sinnhaftigkeit besteht zum einen in der einfachen, effektiven und flexiblen Nutzbarkeit einer mobilen Staustelle und zum anderen in der Kostenersparnis im Gegensatz zum Neubau zusätzlicher massiver Stauanlagen“, so Dietrich. Im Entwurf zum Haushaltplan 2017 ist die Anschaffung von zwei Stück eingeordnet. Die Kosten würden sich auf etwa 7 500 Euro belaufen, so Uwe Dietrich.

In Waldheim denkt die Stadtverwaltung über einen Kauf nach. Das hat Bauamtsleiter Michael Wittig nach einem entsprechenden Hinweis des Gebersbacher Ortswehrleiters Pierre Jelinek gesagt.

Es gibt jedoch auch Wehren, die diese Technik nicht benötigen. An Bächen in Technitz, Keuern und Ebersbach werden Auffahrbohlen zum Anstauen des Wassers verwendet. „Der Effekt ist derselbe, wie bei den mobilen Staustellen“, so Döbelns Stadtsprecher Thomas Mettcher. Die Kameraden nutzen zur Löschwassergewinnung Hydranten, stehende Gewässer, die Freiberger Mulde, die Zschopau oder kleinere Fließgewässer. Das sei ausreichend.

Ähnlich sieht das der Striegistaler Gemeindewehrleiter Norbert Fiedler: „In der letzten Zeit sind neue unterirdische Löschwasserentnahmebrunnen und Zisternen angelegt worden. Damit sind wir gut ausgestattet.“

Bei den Katastrophenschutzeinheiten des Landkreises suche man die „Biber“ ebenfalls vergeblich, so Sprecherin Cornelia Kluge. Allerdings gebe es für Kommunen, die einen Antrag für die Beschaffung stellen, Fördergeld.