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Samstag, 15.09.2018

Ein seltener Anblick

Viele Störche tummelten sich kürzlich im Wittichenauer Ortsteil Hoske. Doch insgesamt geht der Bestand im Altkreis Hoyerswerda leicht zurück.

Von Hagen Linke

Anfang August beobachteten Anwohner im Wittichenauer Ortsteil Hoske besonders viele Störche im Nest. Vermutlich sammelten sie sich vor dem Abflug in den Süden.
Anfang August beobachteten Anwohner im Wittichenauer Ortsteil Hoske besonders viele Störche im Nest. Vermutlich sammelten sie sich vor dem Abflug in den Süden.

© S. Metasch

Nicht zwei schwarz-weiß gefiederte Stelzenvögel waren es, die sich auf dem Nest tummelten, auch nicht sechs oder acht. Gleich zwölf Weißstörche haben Anwohner Anfang August am Mast im Wittichenauer Ortsteil Hoske gezählt. Ein seltener Anblick. Vermutlich haben sie sich gesammelt, um geschlossen den Weg ins Winterquartier in Angriff zu nehmen. So viele Vögel auf einmal zu sehen, ist natürlich schön. Insgesamt sieht die Situation im Altkreis Hoyerswerda aber nicht gut aus, sagt Marko Zischewski, hauptberuflich Mitarbeiter der Vogelschutzwarte Neschwitz und seit Herbst 2006 im Ehrenamt Weißstorch-Regionalbetreuer für das Gebiet des Altkreises Hoyerswerda. „Vom Bestand her war es das schlechteste Jahr in diesem Zeitraum. Wenn es weiter runtergeht, wäre es dramatisch.“ Lediglich neun Paare haben sich in diesem Jahr niedergelassen, eins weniger als im Vorjahr. Der Bruterfolg blieb mit 19 Jungtieren, die flügge geworden sind, konstant (siehe Kasten). Dass die Zahlen immer mal wieder schwanken, ist nichts Neues. Nach einem regenreichen Sommer 2013 hatten nur acht Jungstörche in der Region überlebt, ein Jahr später sind 34 groß geworden.

Nester werden hergerichtet

Vielerorts gelten die Störche als Glücksbringer, die Menschen identifizieren sich mit den Tieren. Also gibt es schon mal besorgte Anrufe aus Orten wie Sollschwitz oder Liebegast, wenn die Nester nicht besetzt sind. An den Horsten liegt es nicht. Es stehen ausreichend zur Verfügung und sie werden in Schuss gehalten, etwa in Eigeninitiative der Anwohner, wie im Frühjahr in Dörgenhausen oder durch Förderprogramme. Die Naturschutzstation Östliche Oberlausitz in Mücka hat in diesem Jahr im Frühjahr einige Nester abgetragen (TAGEBLATT berichtete).

Wichtig für eine gesunde Adebar-Population ist darüber hinaus die Nahrungsgrundlage. Störche brauchen Weideflächen, frisch gemähte Wiesen. Mit der lange anhaltenden Hitze, wie sie in diesem Jahr herrschte, haben sie offenbar kein Problem. Dadurch ging die Vegetation zurück. „Der positive Effekt war, dass die Störche an die Nahrung kamen“, vermutet Marko Zischewski, wie zum Beispiel an die Mäuse. Die Störche sind auch nicht zwangsläufig auf Regenwürmer angewiesen, die sich bei Trockenheit tief in den Boden verziehen, und auch nicht auf Frösche, wie oft angenommen.

Dass das Engagement um den Storcheschutz Früchte trägt, zeigte in diesem Jahr das Beispiel Dörgenhausen. Dort gab es wieder Bruterfolg. Nicht ganz so gut liefe es in Keula, berichtet Herbert Schnabel, der dort wohnt, viele Jahre die Wittichenauer Ortsgruppe des Naturschutzbundes geführt hat und wichtiger Helfer von Marko Zischewski ist. Nach dem schweren lokalen Unwetter kurz vor Pfingsten lagen drei frisch geschlüpfte Jungtiere am Boden unter dem Nest. Sie konnten nicht mehr gerettet werden. Und das Baumnest in der Linde in der Dorfmitte, 2014 gebaut, kam im Januar bei einem Sturm in Schräglage, im Frühjahr ist es dann in der Mitte durchgebrochen. Schnabel freut sich, dass viele Anwohner mit Hinweisen auf die Situation der Störche aufmerksam machen. So führt zum Beispiel eine Nachbarin in Hoske eifrig Buch über das Treiben der Tiere. Das Nest auf dem stillgelegten Brauereischornstein wird jedes Jahr gefilmt. Per Web-Cam kann man das Geschehen auf dem Computer verfolgen. Und in Saalau, wo das Nest mitten im Dorf steht, sieht man Meister Adebar auch mal in den Gehöften spazieren. „Die Saalauer haben also eine besondere Nähe zu ihren Störchen“, sagt Herbert Schnabel.