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Freitag, 13.07.2018

Ein Riesenvogel für das Cottbuser Flugplatzmuseum

Von Beowulf Kayser

Die TU 134A soll im Flugplatzmuseum Cottbus schon bald wieder mit ihrem Fahrwerk auf eigenen Füßen stehen.Foto: Beowulf Kayser
Die TU 134A soll im Flugplatzmuseum Cottbus schon bald wieder mit ihrem Fahrwerk auf eigenen Füßen stehen. Foto: Beowulf Kayser

Cottbus. Sie ist jetzt schon unter den 51 historischen Luftfahrzeugen ein bewunderter Star auf dem knapp 60 000 Quadratmeter großen Areal des Flugplatzmuseums in Cottbus. Obwohl sie noch wie eine lange Zigarre ohne Tragflächen und Leitwerk aufgebockt am Boden steht, wird sie bereits täglich zum Hingucker für die Museumsbesucher. „Die Rede ist von unserer Tupolew TU 134 A“, sagte Projektleiter Enrico Peiler.

Buchstäblich in einer Nacht- und Nebelaktion wurde der Riesenvogel mit einer Länge von 37 Metern und einer Spannweite von 29 Metern im vorigen Herbst im 70 Seelen zählenden Dorf Grünz (Mecklenburg-Vorpommern) demontiert und nach Cottbus geholt. Der einheimische Gastwirt des „Deutschen Hauses“, Ernst Baumann, wollte eigentlich aus der 1984 von der sowjetischen Fluggesellschaft Aeroflot in Dienst gestellten Passagiermaschine ein attraktives Café machen. Doch sein Plan auf der grünen Wiese scheiterte an bürokratischen Hürden und schließlich an seinem Alter. So entschloss sich der fast 80-jährige Kneiper zum Verkauf des zuvor längere Zeit von der Stasi zu Anti-Terror-Übungen genutzten Fliegers. „Das war für uns ein besonderer Glücksfall“, erzählte Enrico Peiler. „Wir hatten uns schon immer einen großen Flieger für unsere historische Flugzeugschau gewünscht“, so der Cottbuser Projektleiter. Zu ihr gehören unter anderem eine Antonow AN-2, eine MiG-15, eine Jak-11 und ein Kampfhubschrauber Mi-24D. Rund 10 000 Euro musste der Museumsverein beim Ankauf hinblättern. Weitere etwa 33 000 Euro waren für die Demontage der bereits „in die Jahre“ gekommenen TU 134A sowie deren Transport in die Lausitzmetropole zu berappen. Ein etwa fünfstelliger Betrag wird jetzt noch für die weitere Instandsetzung und Montage vor allem aus Spendenmitteln gebraucht.

Für die äußerst schwierige Überführung des 14 Tonnen schweren Rumpfes mit einem Tieflader über die rund 270 Kilometer lange Strecke mussten eine Behelfsstraße gebaut, mehrere Bäume gefällt und sogar ein Storchennest evakuiert werden. „Der Transport verlief mithilfe der Polizei jedoch völlig problemlos“, berichtete Peiler. Nach sechseinhalb Stunden erreichte der Konvoi den Eingang des Museumsgeländes in der Dahlitzer Straße in Cottbus. Jetzt steht das gegenwärtig größte Ausstellungsstück auf dem östlichen Außengelände. Hier wird die TU 134A von vielen ehrenamtlichen Helfern in mühseliger Kleinarbeit wieder zu einem Flugzeug zusammengebaut und restauriert. „Das wird allerdings noch eine sehr lange Zeit dauern“, berichtete der Projektleiter. Für 2019 ist zunächst die Montage der Tragflächen und des Fahrwerkes geplant, damit der Riesenvogel wieder auf eigenen Füßen steht.

Auch der Innenausbau geht weiter, und ein neuer Farbanstrich soll folgen. In sechs bis acht Jahren soll dann das größte Schaustück des Museums endgültig fertiggestellt und vorführreif sein. Zu Ostern durften die ersten Besucher schon mal einen Blick in das Innere der Maschine werfen.

„Da haben die Leute gesehen, wie der Rost bereits gewütet hat und was alles noch zu tun ist“, sagte Museums-Urgestein Egbert Lubitz beim Blick in die Pilotenkanzel. Trotzdem sind alle Vereinsmitglieder stolz, mit der TU 134A dieses einzigartige Exponat mit einem direkten Bezug zu Cottbus erworben zu haben.

Dieser Flugzeugtyp war damals im Bestand des Transportfliegergeschwaders TG-44. Von Cottbus aus sind die Piloten der NVA-Luftstreitkräfte mit diesen Maschinen unter anderen zum Raketenschießen in die damalige UdSSR gebracht worden. Zur Museumsnacht des Spree-Neiße-Kreises am 9. September gibt es eine erneute Möglichkeit für die Besucher, den nicht mehr flugtauglichen Oldtimer auf dem Cottbuser Museumsareal nicht nur von außen, sondern auch innen zu besichtigen.