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Samstag, 30.01.2016

Ein ökologisches Wrack

Im Moment bereitet der Mortelbach bei Hochwasser Sorgen und Arbeit. In Waldheim ändert sich das. Kriebstein fehlt dafür das Geld.

Von Heike Heisig

Der Mortelbach soll im Stadtgebiet von Waldheim so in Ordnung gebracht werden, dass er Hochwasser aufnimmt, ökologisch wieder ins Gleichgewicht kommt und von den Waldheimern mehr wahrgenommen wird. Ein erster Abschnitt könnte 2017 in Angriff genommen werden – wenn Genehmigungen und Fördergeld eintroffen sind.
Der Mortelbach soll im Stadtgebiet von Waldheim so in Ordnung gebracht werden, dass er Hochwasser aufnimmt, ökologisch wieder ins Gleichgewicht kommt und von den Waldheimern mehr wahrgenommen wird. Ein erster Abschnitt könnte 2017 in Angriff genommen werden – wenn Genehmigungen und Fördergeld eintroffen sind.

© Dietmar Thomas

Waldheim/Kriebstein. Das waren noch Zeiten: Vor rund 50 Jahren hat Stadtrat Gerd Pfeifer (FDP) mit nackigen Füßen im Mortelbach gestanden und Krebse gefangen. Damals ging es dem Bach offenbar noch gut. Inzwischen hat sich das Bild gewandelt. Experten bescheinigen dem Mittelgebirgsbach eine Gewässerstrukturgüte von 6 bis 7 – schlechter geht nicht. Pfeifer sagt es volkstümlicher: „Der Zustand ist unhaltbar.“

Wenn es nach dem sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie geht, ändert sich das. Es hat bereits Planungen angestrebt. Werden die umgesetzt, kann der Mortelbach bald zwei wichtigen Anforderungen genügen. Und ein positiver Nebeneffekt steht auch noch in Aussicht: Der Bach soll im Ansehen der Bürger steigen. Dazu könnten Sitzgelegenheiten am Ufer und ein Pflegeweg am Rand beitragen, der zum Spazierengehen genutzt werden darf. In erster Linie jedoch soll der Mortelbach aber Hochwasser aufnehmen und bis zu 21 000 Liter pro Sekunde ableiten, ohne Schaden anzurichten. Außerdem soll die Ökologie wieder ins Gleichgewicht kommen. Derzeit wird der Mortelbach stellenweise durch eine Art Rinne gezwängt, was Fischen das Leben schwer bis unmöglich macht. Außerdem sind Teile verlandet. Das Team des Bauhofes kann die aufwendige Pflege kaum noch bewältigen. Auch das soll anders werden.

Planer Andreas Stowasser von der Stowasserplan GmbH aus Radebeul stellte dem Technischen Ausschuss und einigen Anwohnern am Donnerstag ein Handlungskonzept vor. Das betrifft ungefähr 900 Meter des innerstädtischen Bachlaufes zwischen Schlossmauer und Mortelstraße.

Nahezu zwei Millionen Euro notwendig

In vier Abschnitten fallen Baukosten von nahezu zwei Millionen Euro an, wobei die Reparatur von Stützmauern (private Mauern werden nicht angefasst) das teuerste ist. Eine ökologische Sanierung der Gewässersohle ist ebenfalls geplant. Eventuell auf niedrigerem Niveau, damit der Wasserdurchfluss gewährleistet werden kann. Wo es sich anbietet, sollen Böschungen abgeflacht und Mauern zurückgebaut werden, um Zugänge zum Bach bekommen.

Der Technische Ausschuss steht den Vorschlägen und deren Umsetzung offen gegenüber. Letztlich entscheiden die Räte mit der Geldfreigabe. Die Stadt Waldheim müsste sich nur mit zehn Prozent – knapp 200 000 Euro, verteilt auf mehrere Jahre – beteiligen. Möglich machen das die Aufnahme in das Projekt „In_Strömung“ sowie weitere Förderungen. Das Landesamt will die Umsetzung weiter betreuen und, dass dieses Waldheimer Beispiel einer Gewässerrenaturierung Schule macht.

Die Oberlieger haben sich anders entschieden. Auch für Grünlichtenberg sollte es Untersuchungen geben, wo die Schwachstellen am Bach liegen und wo es zum Hochwasserschutz und für die Ökologie Eingriffe geben müsste. Die Planungen dafür waren mit Kosten in Höhe von 15 000 Euro veranschlagt, ein Viertel davon hätte die Kommune tragen müssen. Sowohl die Ortschaftsräte Grünlichtenbergs als auch die Kriebsteiner Gemeinderäte lehnten Planungen für den Mortelbach ab. Darin würden die Bürger keinen Nutzen sehen. „Das Geld können wir woanders einsetzen“, so Gemeinderat Sigert Schlimpert.