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Montag, 08.06.2015

Ein neues Narrenhäusel an der Augustusbrücke

Die Neumarkt-Gesellschaft schlägt ein Pendant zum Blockhaus vor.

Von Bettina Klemm

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So sah das Narrenhäusel auf einer Postkarte von 1935 aus. Gut erkennbar sind die turmartigen Vorbauten.
So sah das Narrenhäusel auf einer Postkarte von 1935 aus. Gut erkennbar sind die turmartigen Vorbauten.

© Sammlung Holger Naumann

Der Hofnarr Joseph Fröhlich war am Hofe von August dem Starken eine schillernde Figur. Heutzutage schlüpft Matthias Christian Schanzenbach gern in diese Rolle. Nun schlägt er vor, das einstige Wohnhaus von Fröhlich wieder zu errichten. Die Gesellschaft historischer Neumarkt Dresden greift die Idee auf. Zu ihrer Jahreshauptversammlung haben die Mitglieder jetzt einstimmig beschlossen, sich für den Wiederaufbau des Narrenhäusels am Neustädter Elbufer einzusetzen.

„Zur architektonischen Gestaltung könnte die Stadt einen Wettbewerb ausloben. Es ist aber ausdrücklich nicht die Rede von einem Wiedererrichten nach historischem Vorbild“, sagt Torsten Kulke. Wichtiger sei, so der Vorstand der Neumarkt-Gesellschaft, die Kubatur. Das Blockhaus auf der anderen Seite der Brücke sollte wieder ein Pendant erhalten.

Das Grundstück, auf dem sich heute ein Biergarten befindet, ist in städtischem Besitz. Kulke geht davon aus, dass sich private Bauherren für den Wiederaufbau des Narrenhäusels finden lassen. Die Investitionskosten schätzt er auf zwei bis drei Millionen Euro. Die Bebauung an dieser Stelle hätte eine enorme Bedeutung für die Blickbeziehungen von der Brühlschen Terrasse zum Neustädter Markt. „Der Wiederaufbau des Narrenhäusels würde zu ersten Korrekturen im Bereich des Neustädter Marktes führen“, erklärt Kulke. Erstmals seit Kriegsende sei dann das Wechselspiel zwischen Enge und Weite wieder erlebbar.

Ende der 1970er-Jahre hatte die Stadt eine kleine Bronzestatur an der Augustusbrücke aufgestellt. Das von Heinrich Apel geschaffene Kunstwerk soll an den Hofnarren und sein einstiges Wohnhaus erinnern. Schon damals, so Schanzenbach, habe er die Idee gehabt, das Haus wieder zu errichten. Nach der Wende wurde darüber auch schon einmal diskutiert. Damals aber gab es in der Stadt Vorstellungen, an dieser Stelle einen neuen Konzertsaal zu schaffen.

Joseph Fröhlich stammte aus bescheidenen Verhältnissen. Er kam mit seinen Taschenspielertricks an den sächsischen Hof. August der Starke fand einen Narren an dem Narren. Nachdem er 1733 gestorben war, beschäftigte sein Sohn Fröhlich weiter. So konnte der auch sein imposantes Gebäude mit den zwei angedeuteten Rundtürmen 1755 errichten lassen. Im Volksmund hatte es bald die Bezeichnung „Klein-Moritzburg“. Andere nannten das Gebäude auch „Brille“, wahrscheinlich wegen der achteckigen Vorbauten und dem dunklen Balkon. Fröhlich konnte sein Haus nur kurze Zeit genießen. 1756 begann der Siebenjährige Krieg. Als die Preußen Sachsen besetzten, floh der Hofnarr mit seiner Familie nach Marienmont in der Nähe von Warschau. Dort starb er am 24. Juni 1757.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde das Gebäude unter Leitung von Stadtbaurat Hans Jakob Erlwein zu einer Gaststätte umgebaut. Legendär war die große Freiterrasse mit dem Blick auf die gegenüberliegende Elbseite mit dem Schloss. Im ersten Obergeschoss gab es ein Kaffeehaus, an dessen Zimmerdecken das höfische Leben dargestellt war. In den Etagen darüber waren Gaststätte und Bierstube.

Beim Bombenangriff im Februar 1945 wurde das Narrenhäusel zerstört. Der Name lebte zu DDR-Zeiten weiter, als sich dort in einem Flachbau eine Gaststätte befand. An den Wiederaufbau zu denken, sei ein günstiger Zeitpunkt, findet Torsten Kulke. Die Stadt will die Augustusbrücke sanieren. Die Arbeiten sollen im Sommer nächsten Jahres beginnen und 2018 beendet sein. Derzeit wird an der Neustädter Brückenrampe gearbeitet.

Unter der Bogengalerie befindet sich ein zehn Meter langes Keramik-Sgraffito. Das Kunstwerk zeigt die Geschichte der Elbe-Schifffahrt. Nach der Sanierung soll die Augustusbrücke verkehrsberuhigt werden. Da das Narrenhäusel halb auf dem Gehsteig stand, müssten die Entscheidungen zum Wiederaufbau vor Sanierungsbeginn der Brücke fallen.

Leser-Kommentare

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Insgesamt 17 Kommentare

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  1. Dresdner Gewissen

    Man will also in einem eindeutigen Überflutungsgebiet der Elbe ein Gebäude wieder errichten dass es so schon lange nicht mehr gibt. Marina Garden wurde gerade wegen dem Flutschutz verhindert und hier? oder wird nun wieder mal mit zweierlei Maß gemessen? Was passt den politisch momentan herrschenden in den Kram und was nicht.

  2. zz

    Bauen im Überflutungsgebiet?! Das muss doch zu verhindern sein - Nicht wahr Herr Korndörfer und Herr Schollbach?! Oder gelten dort andere Regeln??

  3. Torsten

    Ist doch eine schöne Idee! Und drinn wohnen darf dann Herr Bachmann... :)

  4. karl

    @1 Dresdner Gewissen: Die Initiative geht wie bei Marina Gardens von irgendeinem Projektbüro aus. Im Gegensatz zu Marina Gardens gibt es aber noch nichtmal Baupläne. Es ist nur eine Idee eines Projektbüro. Nicht mehr nicht weniger. Von der Stadt gibt es bisher keinerlei Kommentar dazu. Wahrscheinlich wissen die noch gar nichts davon, da dass die allererste Veröffentlichung des Projektbüros dazu ist. Wie kommen sie also darauf, dass mit zweierlei Maß gemessen würde? Wo steht im Artikel irgendetwas davon, dass es gemacht wird? Wo steht, dass die Stadt alles genehmigt hätte?

  5. Stadt mit Fluss

    das Gerede vom Überflutungsgebiet kann man schon nicht mehr hören. Irgendeiner hats aufgebracht (manchmal glaub ich, in einer Bierlaune) und alles redet es nach. Leute!! Halb Dresden ist Überflutungsgebiet! Hat man 2002 gesehen. Wenn man das alles Ernst nähme müßte man ganze Städte abreisen. Meine Güte, Köln z.B. säuft fast jedes Jahr ab... und die haben damit leben gelernt. Viele Städte sind nun mal historisch an Flüssen entstanden. Sicher hat das Kanalisieren der Flüsse nicht nur Vorteile geschaffen aber Überflutungsräume in der Stadt offen halten ist aber auch das Verkehrteste. Kennt einer eine Stadt, in der Rückhalteflächen geschaffen werden um das Wasser solange es geht in der Stadt zu halten? Nur Dresden will das (s. Marina Garden).... So nu hackt drauf ein. Eine sachliche Diskussion kommt hier eh nicht auf

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