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Montag, 17.09.2018

Ein Museum auf alten Gräbern?

Am „Tag des Friedhofs“ konnten auch stillgelegte Grabstätten besucht werden. Bald wird es in Dresden mehr davon geben.

Von Christoph Springer

Kunstwerke aus natürlichen Materialien wie geflochtene Amphoren prägen den Äußeren Matthäusfriedhof. Er gilt als Beispiel für den Umgang mit stillgelegten Grabflächen.
Kunstwerke aus natürlichen Materialien wie geflochtene Amphoren prägen den Äußeren Matthäusfriedhof. Er gilt als Beispiel für den Umgang mit stillgelegten Grabflächen.

© Marion Doering

Erik Schmidtgen passt nicht in die Gruppe aus einem knappen Dutzend älterer Damen und Herren, die an diesem Sonntag über den Äußeren Matthäusfriedhof läuft. Zum „Tag des Friedhofs“ wollte der 21-Jährige dennoch hören, was Claudia Nikol vom Umweltzentrum Dresden über die aktuelle Nutzung des stillgelegten Gräberfelds an der Bremer Straße zu erzählen hat. Schließlich ist der Friedhof zwischen einem Gewerbegebiet und dem Alberthafen Vorbild für die Zukunft von 30 weiteren Grabstätten der Stadt, auf denen künftig Flächen stillgelegt werden sollen. Erik Schmidtgen hat nach einem persönlichen Schicksalsschlag besonderes Interesse an Grabstätten. Auch deshalb ist er am Sonntag auf den Friedhof in der Friedrichstadt gekommen.

„Wir denken zurzeit über neue Organisationsstrukturen nach“, sagt Claudia Nikol. Denn ein Teil des St.-Pauli-Friedhofs wurde vor etwa zwei Jahren ebenfalls stillgelegt und soll künftig anders genutzt werden. Das Umweltzentrum könnte auch dort aktiv werden, stellt Claudia Nikol in Aussicht. „Es könnte aber bei jeder stillgelegten Friedhofsfläche auch der Stadtteil, in dem sich der Friedhof befindet, zum Beispiel mit Schulprojekten aktiv werden“, meint die Mitarbeiterin des Umweltamtes.

Kunstwerke aus natürlichen Materialien, der Natur- und der Denkmalschutz prägen heute den Umgang mit dem Äußeren Matthäusfriedhof. „Das gefällt mir sehr“, sagt Erik Schmidtgen. Neue Bauwerke auf ehemaligen Gräbern kann er sich dagegen nicht vorstellen, „höchstens ein Museum oder eine Kunstausstellung“. Diese Ansicht teilen auch Ullrich und Bettina Rauch. Ihnen ist die „christliche Friedhofskultur“ besonders wichtig, sie müsse erhalten bleiben. Dazu gehören für das Paar aus Dresden gepflegte Grabstellen auch auf stillgelegten Friedhöfen.

Jürgen Tannenbaum hat selbst Menschen angeleitet, die als Ersatz für eine Vollzeitstelle Friedhöfe gepflegt haben. Dennoch gehört er zu denen, die den Verantwortlichen für die Grabflächen Probleme machen, denn er will später nicht auf einem Friedhof beerdigt werden. „Wir wollen in einem Friedwald beigesetzt werden“, sagt er für sich und seine Frau Jutta. Das ist ein Waldstück, in dem Bestattungen erlaubt sind. „Ich hatte Förster als Vorfahren“, begründet er die Grabwahl.