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Mittwoch, 18.09.2013

Ein Mann von stiller Größe

Wolfgang Hänsch ist im Alter von 84 Jahren gestorben. Er hat Dresden geprägt wie kaum ein anderer Architekt.

Von Bettina Klemm

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Gekämpft und doch verloren. Der Architekt Wolfgang Hänsch.
Gekämpft und doch verloren. Der Architekt Wolfgang Hänsch.

© dpa

  • Gekämpft und doch verloren. Der Architekt Wolfgang Hänsch.
    Gekämpft und doch verloren. Der Architekt Wolfgang Hänsch.
  • Hänsch hat es nie verkraftet, dass der Saal im Dresdner Kulturpalast umgebaut wird. Der Bund der Architekten hat im März seine jahrzehntelangen Verdienste an der Entwicklung Dresdens gewürdigt.
    Hänsch hat es nie verkraftet, dass der Saal im Dresdner Kulturpalast umgebaut wird. Der Bund der Architekten hat im März seine jahrzehntelangen Verdienste an der Entwicklung Dresdens gewürdigt.
  • Rund um das SZ-Hochhaus entwickelte Wolfgang Hänsch ein gesamtes Ensemble mit Druckerei und Verlagsgebäude. Die Druckerei ist heute abgerissen, das Verlagsgebäude wird von der Morgenpost genutzt.
    Rund um das SZ-Hochhaus entwickelte Wolfgang Hänsch ein gesamtes Ensemble mit Druckerei und Verlagsgebäude. Die Druckerei ist heute abgerissen, das Verlagsgebäude wird von der Morgenpost genutzt.
  • Probesitzen im Rang. Als Chefarchitekt war Wolfgang Hänsch von 1974 bis 1985 für den Wiederaufbau der Semperoper zuständig. Dabei mussten viele alte Gewerke neu erlernt werden.
    Probesitzen im Rang. Als Chefarchitekt war Wolfgang Hänsch von 1974 bis 1985 für den Wiederaufbau der Semperoper zuständig. Dabei mussten viele alte Gewerke neu erlernt werden.
  • Einfach und zweckmäßig war die Webergasse als Einkaufsstraße. 1960 hatte er das Ensemble entworfen. Er hätte dort gern mehr gebaut, musste sich aber dem Kostendruck beugen. Die Webergasse ist abgerissen.
    Einfach und zweckmäßig war die Webergasse als Einkaufsstraße. 1960 hatte er das Ensemble entworfen. Er hätte dort gern mehr gebaut, musste sich aber dem Kostendruck beugen. Die Webergasse ist abgerissen.

Bis zuletzt hat Wolfgang Hänsch gehofft, dass der Saal im Kulturpalast erhalten bleiben kann. Dafür hat der Architekt Entwürfe erarbeitet, um die Akustik zu verbessern. Und er hat in mehreren Instanzen vor Gericht für die Anerkennung seines Urheberrechts gestritten. Es sei wie ein kleiner stiller Infarkt, wenn die eigenen Bauten abgerissen oder völlig verändert werden, hatte Wolfgang Hänsch einmal gesagt.

Dabei ging es ihm nicht nur um sein Werk, sondern um einen respektvollen Umgang mit der Nachkriegsmoderne in der Stadt überhaupt.

Am späten Montagabend ist Wolfgang Hänsch unerwartet gestorben. Im Januar wäre er 85 Jahre alt geworden. Nur Stunden vor seinem Tod hat er noch mit seinem Architektenkollegen Werner Bauer über die Entwicklung des Neumarkts gesprochen. „Am liebsten hätte er hinter dem Kulturpalast einen Kammermusiksaal gebaut. Er hielt es nicht für vorteilhaft, dass nun barocke Bauten bis unmittelbar an den Kulturpalast herangebaut werden“, sagt Bauer. Er hat gemeinsam mit Wolfgang Hänsch an Plänen für den Kulturpalast und den Altmarkt gearbeitet.

Wolfgang Hänsch habe wie kaum ein anderer Architekt das Dresdner Stadtbild geprägt“, sagt Rolf Klinkenbusch. Der Vorsitzende der Dresdner Gruppe der Architektenkammer schätzt die hohe Qualität seiner Arbeiten. „Das betrifft profane und repräsentative Bauten gleichermaßen. Das ist auf seinem langen Schaffensweg ein Alleinstellungsmerkmal.“

Viele verbinden mit dem Namen Hänsch zuerst den Bau des Kulturpalastes. 1969 wurde das Haus mit seinem vielseitig nutzbaren Saal eröffnet. Es ist ein Saal von hoher Qualität, bescheinigten selbst die Richter des Oberlandesgerichts. Dennoch gaben sie der Stadt und deren Umbauplänen recht. Nun wird zwar der Kulturpalast denkmalgerecht saniert, aber in seinem Inneren baut die Stadt einen modernen Konzertsaal für die Dresdner Philharmonie ein. Das konnte Hänsch nie akzeptieren. Er wurde 1929 in Königsbrück geboren, studierte in Dresden Bauwesen und arbeitete von 1951 bis 1973 in einem Planungsbüro in der Stadt. In jener Zeit hat er Wohnhäuser wie an der Blochmannstraße entwickelt. Zu seinen Erfolgen gehört die Borsbergstraße. Beim Bau jener Geschäftsstraße nutzte er erstmals Platten, die so groß wie ein ganzes Geschoss waren. Auch das Hochhaus der Sächsischen Zeitung mit einer Druckerei war sein Werk.

Sein Herzensprojekt wurde der Wiederaufbau der Semperoper. Als Chefarchitekt leitete er ihn von 1974 bis 1985. Nach der Wende wagte er 62-jährig den Sprung in die Selbstständigkeit. Sein Wissen und Können waren gefragt, beispielsweise bei der Rekonstruktion des Schauspielhauses und dem Umbau von Zuschauerraum und Foyer 1995.

Hänsch war ein Mann von stiller Größe. Zurückhaltend, nie laut, aber dennoch bestimmt, wenn es um die Bauqualität ging. Er bedauerte, dass in Dresden in den vergangenen Jahrzehnten viel Investorenarchitektur, wie er es nannte, entstanden ist. Die Stadt sei oft zu schwach gewesen, habe nur Trauf- und Simshöhe vorgegeben und alles andere den privaten Bauherren überlassen, kritisierte er.

Wolfgang Hänsch war lange herzkrank, rang um Atemnot. Vor 24 Jahren hatte er die ersten Bypässe erhalten. Nun ist er, wie seine Familie sagt, friedlich eingeschlafen. Auf eine feierliche Beerdigung soll er keinen Wert gelegt haben, lieber solle seine Asche auf hoher See verweht wird.

Auswahl von Hänsch-Werken

1956 Wohnbauten Blochmannstraße

1957 Wohn- und Geschäftsbauten an der Borsbergstraße

1959/60 Geschäftshaus an der Wilsdruffer Straße 3

1960 Einkaufszentrum Webergasse

1961 Haus der Presse und Druckerei-Neubau der Sächsischen Zeitung

1969 Kulturpalast

1985 Wiederaufbau der Semperoper

1993 Umbau und Rekonstruktion des Rathauses Pirna

1995 Sanierung des Schauspielhauses

Leser-Kommentare

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Insgesamt 8 Kommentare

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  1. vincent

    Dresden sollte sich schämen!

  2. Schwabe

    Ein schöner Artikel über einen wunderbaren Menschen. Und Dresden sollte sich schämen, wie die Stadt ihn behandelt hat. Ihm gebührt eher ein Denkmal und nicht dieser Pfeife Helmut Kohl.

  3. Tom

    Nicht Dresden, sondern unsere minderbemittelte Stadtverwaltung sollte sich schämen. Allen voran unser tolles Bauamt, dass so ein Ungeheuer wie den Postplatz erst ermöglichte.

  4. Dresdner

    Wir alle sind sehr erschüttert über den plötzlichen Tod von Herrn Hänsch. Unsere aufrichtige Anteilnahme sowie viel Kraft für die schweren Stunden der Trauer und des Abschieds. Das schönste Denkmal, das ein Mensch bekommen kann, steht in den Herzen seiner Mitmenschen. "Albert Schweizer" Meinen 2 Vorschreibern! Es geht um die Person Herr Hänsch und nicht um die Stadt Dresden.

  5. PS

    Ich finde es jedenfalls sehr gut, dass das Oberlandesgericht wenigstens die große architektonische Leistung von Wolfgang Hänsch auch für Saal des Kulturpalastes gewürdigt hat. Die Stadtverwaltung und die knappe "bürgerliche" Mehrheit im Stadtrat sollten sich schämen, dass sie diesen großen Architekten nicht gebührend geehrt haben für sein Gesamtwerk. Ein gewisser Trost - in den Herzen vieler Dresdner geniesst er seit langem diese Ehrung. Und auch die TU hat ihn geehrt.

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