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Freitag, 04.12.2015

Ein Jahrhundert unter Strom

Schon im Jahr 1915 gab es erste Überlegungen für ein Kraftwerk Leuba. Bei Hagenwerder wurde es gebaut – und schrieb Geschichte.

Von Ralph Schermann

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Zur Einweihung 1958 wurde getrickst. Weil ein Rohr geplatzt war, bekamen die Festgäste zum Kraftwerksstart zwar Rauch zu sehen, es war allerdings heimlich verbrannte Dachpappe.
Zur Einweihung 1958 wurde getrickst. Weil ein Rohr geplatzt war, bekamen die Festgäste zum Kraftwerksstart zwar Rauch zu sehen, es war allerdings heimlich verbrannte Dachpappe.

© Sammlung Haufe

  • Zur Einweihung 1958 wurde getrickst. Weil ein Rohr geplatzt war, bekamen die Festgäste zum Kraftwerksstart zwar Rauch zu sehen, es war allerdings heimlich verbrannte Dachpappe.
    Zur Einweihung 1958 wurde getrickst. Weil ein Rohr geplatzt war, bekamen die Festgäste zum Kraftwerksstart zwar Rauch zu sehen, es war allerdings heimlich verbrannte Dachpappe.
  • Einer der Leitstände 1976. Von hier aus wurde auch der Wasserverbrauch kontrolliert: 5000 Kubikmeter je Stunde.
    Einer der Leitstände 1976. Von hier aus wurde auch der Wasserverbrauch kontrolliert: 5 000 Kubikmeter je Stunde.
  • Mitte der 90er Jahre waren Demonstrationen zur Zukunft des Standortes längst vergeblich. Rund 3000 Kraftwerker verloren damals ihre Arbeit.
    Mitte der 90er Jahre waren Demonstrationen zur Zukunft des Standortes längst vergeblich. Rund 3 000 Kraftwerker verloren damals ihre Arbeit.
  • Es gehörten vier Kühltürme zum Werk III. Sie fielen 1999 wie ein Domino. Zuvor war schon der 250 m hohe Schornstein gekappt worden.
    Es gehörten vier Kühltürme zum Werk III. Sie fielen 1999 wie ein Domino. Zuvor war schon der 250 m hohe Schornstein gekappt worden.
  • Und das steht an diesem Sonnabend zum Abriss: Bunkerschwerbau und Maschinenhaus sind die letzten Kraftwerksbauten.
    Und das steht an diesem Sonnabend zum Abriss: Bunkerschwerbau und Maschinenhaus sind die letzten Kraftwerksbauten.

Ein besonderes Jubiläum geht in diesen Tagen fast unter: Hundert Jahre sind vergangen, seit nahe von Hagenwerder ein Kraftwerk gebaut werden sollte, dicht an der preußischen Grenze auf sächsischem Gebiet. Erste Untersuchungen für so einen Bau wurden daher in Dresden geschmiedet – und wieder verworfen.

1924 überlegte die Deutsche Petroleum AG, so ein Werk zu bauen. Das lag nahe, war sie doch Besitzer der Braunkohlengrube Berzdorf. Der dritte Versuch eines Kraftwerksbaus nahm 1938 Gestalt an. Grund war ein erhöhter Energiebedarf, und Reichsminister Albrecht Speer ordnete einen schnellen Baubeginn als kriegswichtig an. Am 12. April 1943 begann mit über tausend Kriegsgefangenen der Bau des Berzdorfer Kraftwerkes. Fertig wurde es nicht, das Kriegsende 1945 bedeutete das Bauende. Als Reparation brachten 36 Güterzüge die Kraftwerksausrüstungen in die UdSSR.

Es dauerte bis 1951, ehe erneut ein Kraftwerk angestrebt wurde. Ein „Großkraftwerk Berzdorf“ war als „Bau der Jugend“ gewollt. 1956 kamen die ersten Erbauer, in Hagenwerder und Görlitz-Weinhübel entstanden Unterkünfte. 1957 waren schon 700 Bauleute unterzubringen. Noch vor Inbetriebnahme des Kraftwerks wurden in Hagenwerder eine Ladenstraße und ein Ambulatorium eingeweiht. Am 28. Juni 1958 traf der erste Kohlezug im neuen Kraftwerk ein, 16 Tage später brannten durch eine Havarie 20 000 Liter Öl. Trotz des Großbrandes wurde die Einweihung gehalten: Am 15. August 1958 war offizielle Inbetriebnahme des ersten Kraftwerksblocks, dessen 50 MW später bis 300 MW gesteigert wurden. Als 1963 ein weiteres Werk fertig war, wurde der Name geändert in Kraftwerk Hagenwerder I und II. 1974 folgte Werk III. Alle hießen ab 1960 „Kraftwerk Völkerfreundschaft“.

Die Geschichte der 39 Kraftwerksjahre füllt Bände, hat auch Superlative. Werk III war das erste 500-MW-Block-Werk auf Braunkohlebasis. Es war das einzige Kohlekraftwerk der DDR, das auch bei widrigstem Wetter immer die volle Leistung ins Netz einspeiste. Nach der politischen Wende wurde anders entschieden. Dem 1991 abgeschalteten Werk I weinte keiner nach, dafür war es zu veraltet und zu umweltfeindlich. Ähnliches trifft auf die Schließung von Werk II 1996 zu. Doch der Frust war groß, als 1997 auch das Werk III schloss. Wie es hieß, weil die regional vorhandene Kohle nicht mehr ausreichte, um das Kraftwerk für weitere Jahrzehnte modern und umweltfreundlich aufzurüsten.

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