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Samstag, 05.08.2017

Ein galanter Genießer

Casanova reiste seinerzeit oft nach Dresden. Die Damen hier fand er sogar schöner als die Französinnen.

Von Beate Erler

Frauenverführer, Glücksspieler, Übersetzer: Giacomo Girolamo Casanova (1725-1798).
Frauenverführer, Glücksspieler, Übersetzer: Giacomo Girolamo Casanova (1725-1798).

© Quelle: AKG

Einem Abenteurer und Frauenverführer ist sicher einiges zuzutrauen, aber auch der Diebstahl von drei bedeutenden Bildern aus der Dresdner Gemäldegalerie? Giacomo Casanova jedenfalls, der gerade in einer Pferdekutsche die Stadt Dresden verlassen will, passiert folgendes: „Am Schlagbaum der Vorstadt zu Dresden ließ man mich absteigen, und sechs Männer trugen die zwei Koffer meines Wagens ... und durchsuchten alles.“ Eines der gestohlenen Bilder war die Magdalena des berühmten Renaissancemalers Antonio da Correggio. Casanova schreibt später in einem Brief über den Vorfall: „Ich habe viele Magdalenen gekannt, aber keine hat mich so viel fluchen lassen wie die des Correggio.“

Eine lustige Anekdote, die sich in dem Büchlein „Giacomo Casanova in Dresden“ von Ansgar Bach findet. Der Autor und Journalist, der auch literarische Reiseführer über Dresden schreibt, sagt über den umtriebigen Venezianer: „Diese außergewöhnliche Persönlichkeit ist unter Klischeevorstellungen begraben.“ Mit seinem schon zweiten Buch über Casanova will er darauf hinweisen, dass dieser mehr als nur ein Frauenheld war. Nämlich ein Mann mit vielseitigem Charakter und ebenso vielen Interessengebieten. Casanovas Liebe zur Literatur und Bühne nämlich, brachte ihn auch 1752 zum ersten Mal nach Dresden. Unter Kurfürst Friedrich August II. und mit Förderung des Grafen Heinrich von Brühl, stand Dresdens Kunst und Kultur in voller Blüte. Mittendrin die Mutter Casanovas, die als Hofschauspielerin schon 1738 nach Dresden ging. Die „Zanetta“, wie sie genannt wurde, war für ihren Sohn auf der Bühne sicher ein Vorbild. Sie spielte meist die Rolle der ersten Liebhaberin.

Gebildet, eloquent und stilsicher

Außerdem hatten noch zwei Geschwister Casanovas ihren Lebensmittelpunkt in Dresden: Bruder Giovanni Battista und Schwester Maria. „Ich liebe das Haus Sachsen“, schreibt Casanova, „das übrigens meiner Mutter Brot gab, es meiner Schwester gibt und an erster Stelle meinem teuren Bruder.“ Dabei war das Verhältnis zu seinem erfolgreichen Bruder Giovanni von Neid bestimmt. Dieser wird als ähnlich ehrgeizig, begabt, geltungssüchtig und selbstbezogen beschrieben, wie Casanova es gewesen sein soll. Giovanni gelang eine Karriere im bürgerlich-akademischen Leben Dresdens. So wurde er Hofmaler, bekam die Professur für Malerei an der Dresdner Kunstakademie und wurde später sogar ihr Direktor. Giacomo Casanova hingegen liebte die Frauen, das Glücksspiel und gab sorglos sein Geld aus. Er hatte öfter mit Abstürzen und Insolvenzen zu kämpfen.

Bei seinem ersten Dresden-Besuch ist der lebens- und abenteuerlustige Casanova 27 Jahre alt. Er war ein stattlicher Mann mit markanter Nase, gebildet, eloquent und stilsicher. Das machte auch Eindruck auf die Dresdner Damenwelt, mit der er sich ausgiebig befasste: „In den ersten drei Monaten war ich damit beschäftigt, alle käuflichen Schönheiten Dresdens kennenzulernen“, schreibt er. Casanova ist vor allem vom äußeren Erscheinen der Dresdner Damenwelt beeindruckt, wenn er sagt, dass ihre Körper den Italienerinnen und Französinnen überlegen sind. Doch an Anmut und Geist, findet er, kommen sie nicht an diese heran, da sie „im Ruf stehen, kühl zu sein.“ Ähnlich äußert er sich auch über den Rest der Sachsen. Denn obwohl sie den glänzendsten Hof Europas haben, fehlt es ihnen an Galanterie: „Denn König August war nicht galant, und die Sachsen sind nicht zur Galanterie veranlagt, wenn ihnen nicht ihr Herrscher das Beispiel gibt.“

Die umso galanteren Abenteuer Casanovas haben indes auch ihren Preis. So hatte er in Dresden mehrere Liebesangebinde, bei denen er sich die sogenannte „Franzosenkrankheit“ zuzog.

Nicht zum ersten Mal, denn er hatte bereits mehrere sechswöchige Kuren der Enthaltsamkeit hinter sich gebracht. Doch Casanova hinterließ in Dresden auch andere Spuren. So war ihm sein Ruf schon vor seiner ersten Reise vorausgeeilt. Im Auftrag des sächsischen Kurfürsten Friedrich August II. hatte er die französische Oper „Zoroastro“ ins Italienische übersetzt. Das Stück wurde im großen Dresdner Hoftheater aufgeführt, damals eine der größten Bühnen Europas. Sogar Rollen für seine Mutter und die Schwester sprangen dabei heraus. Bis heute existiert noch ein Theaterzettel eines anderen Stückes von Casanova, das in Dresden im Jahr 1753 aufgeführt wurde. Es ist eine Komödie von drei Handlungen, verfertigt von Herrn Jacob Casanova aus Venedig, so steht es auf dem Zettel.

Sein vermutlich letzter Besuch in Dresden war im Jahr 1797. Ein Jahr später starb Casanova im Alter von 73 Jahren in Dux, dem heutigen Duchov in Tschechien. Er war dort als Bibliothekar tätig und ist auf dem Friedhof begraben. Die genaue Grabstelle jedoch ist unbekannt.

Ansgar Bach: „Giacomo Casanova in Dresden“
128 S., Preis 12 Euro, Verlag Kopfundwelt
ISBN 978-3-9816632-1-1