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Sonntag, 25.09.2016

Ein Fest mit zwei Jubiläen

Der Njepilahof Rohne hat den 250. Geburtstag Hanzo Njepilas und 70. der Domowina-Ortsgruppe gefeiert. Dabei ging der Blick nicht nur zurück.

Bislang gab es noch kein Njepilahoffest, bei dem die Schalmeienkapelle Rohne nicht zum Frühschoppen aufspielte.
Bislang gab es noch kein Njepilahoffest, bei dem die Schalmeienkapelle Rohne nicht zum Frühschoppen aufspielte.

© Jost Schmidtchen

Rohne. Mit der Festveranstaltung „250. Geburtstag Hanzo Njepila“ und „70 Jahre Domowina-Ortsgruppe Rohne“ hat bereits am Freitag das 17. Njepilahoffest begonnen. Manfred Hermasch, Vorsitzender des Domowina-Regionalverbandes Jakub-Lorenc-Zaleski, konnte zahlreiche Gäste begrüßen, unter ihnen den Schleifer Altbürgermeister Hans Hascha, Vattenfall-Sprecher Peter Fromm, die Ortschaftsräte aus dem Kirchspiel Schleife und vor allem die Vertreter der sorbischen Ortsgruppe aus dem benachbarten Trebendorf, allen voran Bürgermeisterin Kerstin Antonius. Den Abend begleitete musikalisch die Bläsergilde Spremberg.

Fotos vom Fest

Manfred Nickel, Vorsitzender des Njepilahofvereins Rohne, erinnerte an Hanzo Njepila. Als Kind einer armen Bauernfamilie geboren, hat er in der Kindheit nur das ärmliche Leben kennengelernt. Vier Winter besuchte er die Schule, das Schreiben war seine Freude und er hat das Schleifer Sorbisch geprägt. Darüber belächelten ihn später die Rohner ebenso wie der Njepilahofverein, als dieser 1999 erklärte, das heruntergekommene und verfallene Grundstück zu rekonstruieren. Hanzo Njepila steht für das Schleifer Sorbisch. „Seine Sprache lebt und wächst“, sagte in seinem Grußwort der Domowina-Vorsitzende David Statnik. „Damit hat Rohne den Schlüssel für die Zukunft gefunden“.

Die Ortsgruppe Rohne der Domowina hat eine lange Vergangenheit, die weit zurückliegt, aber nicht dokumentiert ist. Erst seit 1946 gibt es verlässliche Angaben. In diesem Nachkriegsjahr waren es 92 Domowina-Mitglieder, heute sind es noch 15. Die noch ältesten, die leben, sind Erika Petrick, Dieter Reddo und Erich Platzk. Sorbische Geschichte geschrieben haben in Rohne Lenka Noack und die Kantorki, Manfred Nickel mit dem Njepilahof, Dieter Reddo mit seinen Verdiensten um den Erhalt der sorbischen Sprache, die Sorbische Wählergemeinschaft und die „Witaj“-Kita „Milenka“. Aus dieser ging mit großem Erfolg der 2+-Unterricht an der Grund- und Oberschule Schleife hervor, der heute die Revitalisierung der sorbischen Sprache in Größenordnungen im Kirchspiel gewährleistet. Großen Anteil hat die Ortsgruppe auch an den Entscheidungen zur Bergbauentwicklung im Kirchspiel.

Das Solidaritätsgefühl unter den sorbischen Dörfern ist sehr ausgeprägt. Das zeigte sich erneut am Sonntag, als das Hoffest in der strahlenden Gemütlichkeit des Spätsommers weiterging. Die Kirchgänger wechselten gleich zum Frühschoppen mit der Schalmeienkapelle und am späten Vormittag war der Hof mit Besuchern gefüllt. Viele kamen aus den Nachbardörfern des Kirchspiels in ihren Trachten, weit mehr aber von außerhalb. Reichhaltige kulinarische Genüsse von Grützwurst über Sorbische Hochzeitssuppe, Pamprani kal, Schwein am Spieß und von großen Kuchenbüfetts sorgten bis zum Abend für gut gefüllte Bäuche. Am Nachmittag startete das große Jubiläumsprogramm mit den Schleifer Ensembles, der „Witaj“-Kita Rohne und den polnischen Gästen vom Volksensemble „Lasowianie“ aus Piensk.