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Montag, 17.09.2018

Ein „Er-Lebens-Parcours“

Der Allianz-Kinderhilfsfonds spendete für den Niedrigseilparcours und einen Hartplatz der Wohngruppe der Radebeuler Sozialprojekte.

Von Frank Oehl

Nico Darwich (l.) führt eine Bewohnerin der Wohngruppe behutsam über den Parcours. Er wurde dank einer Spende des Allianz-Kinderhilfsfonds möglich.
Nico Darwich (l.) führt eine Bewohnerin der Wohngruppe behutsam über den Parcours. Er wurde dank einer Spende des Allianz-Kinderhilfsfonds möglich.

© René Plaul

Oberlichtenau/ Radebeul. Vergangene Woche lag der Keulenberg im kühlen Dunst von Nieselregenwolken, was an sich schon etwas sehr Ungewohntes war. Fast durchgängig hatte in den vergangenen Wochen die Sonne geschienen – auch auf dem Keulenberg bei Oberlichtenau. Ausgerechnet zur feierlichen Übergabe eines „Er-Lebens-Parcours“ war es nass und ungemütlich geworden. Aber, das hatte auf der anderen Seite auch seinen Reiz. Wer sich auf das Abenteuer eines Niedrigseilparcours einlässt, ist halt kein Warmduscher. Wobei Erlebnispädagoge Nico Darwich schon klarstellte: „Normalerweise geht man nicht auf nasse und rutschige Bänder. Wir machen das jetzt einfach Mal zur Anschauung.“ Immerhin waren ja auch die Spendengeber gekommen – die wollten schließlich sehen, wofür ihr Geld sinnvoll verwandt wird. Der Allianz-Kinderhilfsfonds hatte der therapeutischen Wohngruppe „Haus Keulenberg“ genau 2 755 Euro zur Verfügung gestellt.

Die großzügige Freifläche des Wohngruppengeländes auf dem Keulenberg konnte mit diesem Projekt für Sport- und Freizeitaktivitäten noch nutzbarer gemacht werden. Wobei die Betreiber um Geschäftsführer Eckhard Mann schon betonten, dass hier auch ganz viel Eigenleistung eingeflossen ist. So entstanden ein Hartplatz, der sich für Lauf- und Ballspiele eignet, sowie eine gemulchte Fläche mit dem mobil nutzbaren Niedrigseilparcours. Nico Darwich: „Auf die Multifunktionalität des Parcours habe ich großen Wert gelegt.“ Dazu gehört auch zusätzliches Kletter-Equipment wie Karabinerhaken oder Statikseile. „Wir können das alles für unsere teambildenden Maßnahmen in der freien Natur sehr gut nutzen.“ So geht es regelmäßig in die Sächsische Schweiz zum Boofen oder auch ins Surfcamp an die Ostsee. „Unsere betreuten Kinder und Jugendlichen haben schon mal Motivationsprobleme, aber wenn sie die Herausforderungen dann bewältigt haben, kommen jene Glücksgefühle hoch, die wir unbedingt wollen“, sagt der 37-Jährige. Geschickt führt er die jungen Frauen und Männer über den Parcours, zeigt ihnen, wie und wo sie Gleichgewichtshilfen in Anspruch nehmen können.

In der pädagogisch-therapeutischen Wohngruppe „Haus Keulenberg“ leben bis zu neun Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren, die vor allem Suchterkrankungen überwinden wollen. Mit der häufig auch eine psychische Auffälligkeit einhergeht. Friederike Hartmann von den Radebeuler Sozialprojekten: „Bewegung gehören für uns zum Therapiekonzept, da sie den jungen Menschen ermöglichen, ihr Körper- und Selbstwertgefühl wieder neu zu erspüren oder weiter zu entwickeln.“ Gruppen- und Gemeinschaftssinn würden gestärkt und es liege auf der Hand, dass mit Spiel und Spaß auch die Begeisterung für eine Sache am besten gelingen kann.

Das Projekt hatte zwei Abschnitte. Den Anfang machte der Hartplatz, für den auch die jugendlichen Bewohner viele Schubkarren voller Erdreich selbst mit abgetragen haben. Neuer Bodengrund wurde aufgebracht, und es entstand ein vielseitig nutzbares Spielfeld. Im zweiten Abschnitt wurde der Untergrund für den Niedrigseilparcours gemulcht. Dann konnte Nico Darwich sein Konzept des mobil nutzbaren Kletterprojektes umsetzen. Der Pädagoge mit sportivem Hintergrund führt wöchentlich Aktionen und Ausflüge mit den Bewohnern der pädagogisch-therapeutischen Wohngruppen der gGmbH  durch.