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Donnerstag, 14.06.2018

Ein Dorf fährt ins Heu

Auf dem Heidehof in Reinhardtsgrimma steigt ein historisches Heufest. Der Heimatverein macht Lust auf Landwirtschafts-Geschichte.

Von Gabriele Schrul

Traktoren und Handwerk

Jörg Eichler (li.) und Michael Berger laden am Sonntag zum Heufest nach Reinhardtsgrimma. Beide werden historische Technik vorstellen – Jörg Eichler ein Mähwerk, Michael Berger seinen Traktor Eicher von 1954.
Jörg Eichler (li.) und Michael Berger laden am Sonntag zum Heufest nach Reinhardtsgrimma. Beide werden historische Technik vorstellen – Jörg Eichler ein Mähwerk, Michael Berger seinen Traktor Eicher von 1954.

© Egbert Kamprath

Reinhardtsgrimma. Die saftig grün-bunte Wiese von Anke und Jörg Eichler gleich hinterm Heidehof in Reinhardtsgrimma liegt wie eine reich gedeckte Tafel in der vorsommerlichen Osterzgebirgslandschaft. Das liebe Vieh freut’s. „Wir sind bereit für die erste Mahd in diesem Jahr“, sagt Landwirt Eichler. Und dazu soll an diesem Ort zum zweiten Mal das historische Heufest starten.

„Wir zeigen, wie früher Heu geerntet wurde“, sagt Jörg Eichler. Er muss es wissen, schließlich stammt der 48-Jährige aus einer Bauernfamilie. Nach einer Mechanikerlehre in Schlottwitz besann er sich schon bald auf seine Wurzeln, studierte und kam als staatlich geprüfter Landwirt zurück. Jetzt lebt er schon seit fast 25 Jahren mit seiner Frau und den beiden nun schon großen Kindern gleich am Ortseingang von Reinhardtsgrimma.

Projektmanagement im Tourismusverband Erzgebirge ist beruflich das Metier von Anke Eichler, die Landwirtschaft das ihres Mannes. Die Ernte einbringen, das Vieh versorgen, dazu sich ganz privat um ein paar Hühner, Enten, Hasen und Ziegen kümmern und touristisch gesehen noch um die Ferienwohnung – keine Frage, Reinhardtsgrimma ist der Lebensmittelpunkt für die ganze Familie. Und so fügt sich alles auch für das Heufest.

Traktoren und Handwerk

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Das historische Heufest findet am Sonntag, 17. Juni, im Heidehof, Neue Häuser 1 in Reinhardtsgrimma, statt.

Historische Landtechnik wird zwischen 11 und 13 Uhr vorgeführt.

Ein Dumper-Show-Rennen beginnt um 13 Uhr. Ein Line Dance- und das Kinderprogramm starten um 15 Uhr. Außerdem wird altes Handwerk wie das Heuweben vorgestellt.

Wer mit dem Auto kommen möchte, kann auf einer Wiese unterhalb des Festgeländes parken. (SZ)

Gemeinsam mit dem Heimatverein Reinhardtsgrimma, in dem beide Mitglied sind, und vielen anderen im Dorf wird das Fest schon seit Monaten vorbereitet. Mit der Vorführung der historischen Landtechnik beginnt das Heufest. Dafür die nötige Technik zu haben, ist in einem Dorf wie Reinhardtsgrimma nicht schwer. Schließlich schlummert hier überall auf den Höfen alte, zum Großteil aber noch voll funktionstüchtige Technik. Genau das stellen Landwirte im Haupt- und Nebenerwerb wieder für die Schau zur Verfügung.

Auch ein Lauensteiner ist erstmals mit seinem Lanz Bulldog dabei. „Der Einzug der Traktoren ist ein Höhepunkt für die Gäste“, sagt Jörg Eichler. 15 Traktoren, darunter so bekannte Marken wie Lanz und Schlüter, Traktoren aus dem Osten, wie der Dutra D 4 K aus Ungarn oder DDR-Traktoren wie der RS 09 oder auch der RS 30 sowie Mähbalken, Gabelheuwender, eine Rundballenpresse mit Wickelgerät, Schlepprechen, Düngerstreuer und Sensen sind Zeugen alter bäuerlicher Arbeit, vor Ort erklärt und moderiert von Ortsvorsteher Jochen Liebe. Ein Höhepunkt folgt dem anderen, denn mit dem Dumper-Show-Rennen gibt es eine besondere Premiere. Technische Kraft und menschliche Geschicklichkeit, doch vor allem viel Spaß soll diese Demonstration vereinen.

Kommen, schauen und mitmachen, das wünschen sich alle im Heimatverein. Vor allem für die Kinder ist viel los. Dabei bedarf die Heuhüpfburg keiner Extra-Einladung. Das hat schon den Omas und Opas Spaß gemacht, als sie noch Kinder waren. Aber wer weiß schon, wie Heu-Papierschöpfen geht oder wie Heukäse und Heuschnaps schmecken? „Am besten von allem kosten“, macht Anke Eichler den Mund wässrig. Indes zeigt zum Fest Karin Wunderlich aus Clausnitz bei Rechenberg-Bienenmühle noch eine handwerkliche Rarität: die Kunst des Heuwebens.

Es scheint, als wäre in Sachen Heu nichts unmöglich. Landwirtschaftliche Geschichte nahe bringen, dabei Neugierde wecken und Lust auf Sommer machen, darauf freuen sich die Reinhardtsgrimmaer. Sie jedenfalls haben angerichtet. Jetzt darf die Heu-Tafel von allen ganz nach Lust und Laune abgeräumt werden.