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Mittwoch, 08.08.2018

Ein bisschen wie im alten Rom

Auf dem Platz hinter der „Alten Post“ stehen seit einiger Zeit auffällige Säulen. Was hat es damit auf sich?

Von Jürgen Müller

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Diese Säulen zieren seit einiger Zeit den Platz hinter der „Alten Post“.
Diese Säulen zieren seit einiger Zeit den Platz hinter der „Alten Post“.

© Matthais Fiebiger

  • Diese Säulen zieren seit einiger Zeit den Platz hinter der „Alten Post“.
    Diese Säulen zieren seit einiger Zeit den Platz hinter der „Alten Post“.
  • Damals war’s: Historische Aufnahme von der „Alten Post“, als diese tatsächlich noch Poststation war. Heute befindet sich in dem Gebäude ein Ärztehaus.
    Damals war’s: Historische Aufnahme von der „Alten Post“, als diese tatsächlich noch Poststation war. Heute befindet sich in dem Gebäude ein Ärztehaus.
  • Im Jahr 2000 wurde der Saal der „Alten Post“ samt der insgesamt zehn Säulen abgerissen. Jetzt wurde ein Teil von ihnen wieder aufgestellt.
    Im Jahr 2000 wurde der Saal der „Alten Post“ samt der insgesamt zehn Säulen abgerissen. Jetzt wurde ein Teil von ihnen wieder aufgestellt.

Stauchitz. Der Umbau des ehemaligen Gasthofes „Alte Post“ zum Ärztehaus ist abgeschlossen, eine Hausärztin, ein Zahnarzt und eine Physiotherapie sind dort untergebracht. Auch die Außenanlagen sind fast fertig. Doch manch einer wundert sich über die Gestaltung. Vor allem sieben Säulen fallen auf, die äußerlich an die Römerzeit erinnern. Was hat es damit auf sich?

Nun, mit den alten Römern haben diese Säulen nichts zu tun, sagt der Stauchitzer Bürgermeister Frank Seifert (parteilos). Sie sind ein Überbleibsel auf dem ehemaligen Saal der „Alten Post“, welcher im Jahr 2000 abgerissen wurde. „Der Fördermittelgeber hat damals darauf bestanden, dass diese Säulen erhalten bleiben müssen. Wir hatten sie deshalb die ganzen Jahre über im Bauhof eingelagert“, sagt der Bürgermeister. Jetzt, bei der Gestaltung der Außenanlagen, erinnert man sich wieder der alten Säulen. Sie wurden dort aufgestellt, wo einmal ein Rastplatz für Radwanderer entstehen soll.

Doch warum nur sieben Säulen, in dem Saal waren es doch einmal deren zehn? Auch dafür gibt es eine Erklärung. Drei der Säulen sind damals beim Abbau und beim Transport so sehr beschädigt worden, dass sie nicht mehr verwendet werden können. Die anderen wurden aufgearbeitet und lackiert, sollen einmal den Rastplatz umrahmen. Dieser soll noch in diesem Jahr fertiggestellt werden, sagt Frank Seifert. Mit dem Aufstellen der alten Säulen schlägt die Gemeinde zwei Fliegen mit einer Klappe: Zum einen wurde der Platz optisch aufgewertet, zum anderen droht nun nicht mehr eine Fördermittelrückzahlung. Immerhin gab es Fördermittel aus dem Programm vitaler Ortskern. Nach Auffassung der Fördermittelbehörde sei der Wiedererkennungswert des Ortskernes ohne die Säulen nicht gegeben.

Die Frage ist nur, wie lange die gusseisernen Säulen der Witterung standhalten. Ursprünglich sind sie ja für den Innenbereich gebaut worden.

Gesichert werden soll nun auch der einstige hintere Schlussstein des ehemaligen Postgebäudes, der aus dem Jahre 1726 stammt. Der Vordere ist rekonstruiert worden. Der ehemalige Bürgermeister Karl Fichte hat diesen am Gebäude in den 1970er-Jahren extra sichern lassen.

Mit dem Umbau der „Alten Post“ zum Ärztehaus verschwanden auch Nebengebäude, in denen sich zuletzt Wohnungen befanden. Einige waren auch für potenzielle Asylbewerber vorbehalten, wurden letztlich aber nicht gebraucht. Die Nebengebäude wurden abgerissen, auf dem dadurch frei gewordenen Gelände entstand ein Parkplatz. Auch der Jahnatalradweg, der bisher teilweise über ein privates Grundstück führte, wurde umverlegt.

Das Haus wurde im 18. Jahrhundert im Stile des Barocks erbaut. Es steht unter Denkmalschutz. Die „Alte Post“ war tatsächlich einmal Poststation, die Seitengebäude waren damals Ställe der Pferdewechselstation. Nachdem die Station 1816 wieder aufgehoben war, richtete man darin einen Gasthof „Zur Alten Post“ ein. Das ehemalige Rittergutshaus wurde 1946/47 abgebrochen und die 1828/29 errichteten Wirtschaftsgebäude gestaltete man zu Wohnungen um. Später wurde das Gebäude als Gaststätte genutzt. Zu DDR-Zeiten wurden in Nebengebäuden Wohnungen eingerichtet. Für den Umbau einer Hausarztpraxis stellte die Gemeinde als Eigentümer 85 000 Euro zur Verfügung, weitere 170 000 Euro für die Zahnarztpraxis, Abriss und Nebenanlagen. Abriss und Umbau wurden mit insgesamt 194 000 Euro gefördert. Die Ausgaben sollen langfristig über Mieteinnahmen wieder hereinkommen.