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Montag, 17.09.2018

Ein Beitrag zum Erhalt des Weltkulturerbes

Von Andreas Kirschke

Zum letzten Mal vor der Sanierung erklang die Orgel am Sonntag in der Evangelischen Kirche Lohsa. Pfarrer Matthias Gnüchtel erhielt im Beisein der Kirchenältesten und der Planerin Katharina Cieslak-Caras (li.) von Ulrike Schüler, Referentin der Regionalstiftung Kunst und Kultur der Ostsächsischen Sparkasse Dresden die Urkunde für die Spende von 2000 Euro.Foto: AK
Zum letzten Mal vor der Sanierung erklang die Orgel am Sonntag in der Evangelischen Kirche Lohsa. Pfarrer Matthias Gnüchtel erhielt im Beisein der Kirchenältesten und der Planerin Katharina Cieslak-Caras (li.) von Ulrike Schüler, Referentin der Regionalstiftung Kunst und Kultur der Ostsächsischen Sparkasse Dresden die Urkunde für die Spende von 2 000 Euro.Foto: AK

Zur Ehre und zum Lobpreis Gottes erklingt sie. In der Zeitepoche der Romantik Ende des 19. Jahrhunderts entstand sie. Verspielt, elegant und weich klingt die Orgel in der Evangelischen Kirche Lohsa. Sie weist 18 Register, zwei Manuale und Pedal sowie 1 242 Pfeifen auf. „Damit passt sie genau in unsere Kirche. Unsere Orgel steht unter Denkmalschutz“, erläutert Günter Wenk vom Gemeindekirchenrat das Instrument von 1872 – gebaut von Wilhelm Rühlmann aus Zörbig in Zusammenarbeit mit der Firma Friedrich Ladegast aus Weißenfels. Seitdem wurde sie drei Mal umgebaut. Immer gemäß dem jeweiligen musikalischen Zeitgeschmack entsprechend. Durch grundhafte Restaurierung soll der Originalzustand bis Ende 2019 wieder hergestellt werden. So will es der Beschluss des Gemeindekirchenrates von Anfang 2017.

Nur noch in Reichenbach besteht in der Oberlausitz eine vergleichbare, bereits sanierte Ladegast-Rühlmann-Orgel. „Die Orgel ist unsere letzte große Baustelle bei der Kirchensanierung in Lohsa seit 2005“, verdeutlicht Günter Wenk und unterstreicht: „Die Sanierung ist nicht nur wichtig für unsere Kirche und unsere Gemeinde. Es geht zugleich um die Aufwertung des Tourismus im Lausitzer Seenland. Dazu gehören einladende Kirchen für die Gottesdienste und die Konzerte sowie einzigartige Instrumente. Die Sanierung ist unser Beitrag zum Erhalt des Weltkulturerbes.“

Orgelbau und Orgelmusik in Deutschland gehören unverzichtbar dazu. Seit Dezember 2017 zählen sie zum Immateriellen Weltkulturerbe. Ungefähr 50 000 Orgeln gibt es bundesweit. 400 handwerkliche Orgelbau-Betriebe mit etwa 2 800 Mitarbeitern, 180 Lehrlingen sowie 3 500 hauptamtlichen und Zehntausenden ehrenamtlichen Organisten prägen das Handwerk und die Kunst des Orgelbaus und der Orgelmusik im Land. Die Orgelbau-Firma Hermann Eule Bautzen gehört dazu. „Seit etwa 1900 betreut sie die Lohsaer Kirchenorgel“, sagt Günter Wenk. Jiri Kocourek, der heutige künstlerische Leiter und Berater bei Orgelbau Eule, und Ulrike Scheytt, Kreiskantorin des Evangelischen Kirchenkreises Schlesische Oberlausitz, inspizierten die Lohsaer Orgel im Juli 2017. Sie empfahlen die grundhafte Sanierung. Der Gutachter und Orgelsachverständige Kirchenmusikdirektor Reinhard Seliger in Görlitz befürwortete im Januar 2018 das Anliegen. Kirchenbau-Amt, Denkmalschutz und weitere Behörden stimmten zu.

„Wir suchten lange nach Finanzierungsmöglichkeiten“, sagt Günter Wenk. „Wir nahmen verschiedene Stiftungen, private Geldgeber, Sponsoren und Spender fest in den Blick.“ Rund 225 000 Euro kostet die gesamte Sanierung einschließlich Maler- und Elektro-Arbeiten. Davon trägt 34 000 Euro die Kirchengemeinde Lohsa. Diesen Eigenanteil erbringt sie dank jahrelang gesparter eigener Rücklagen im Haushalt der Kirchengemeinde, dank zahlreicher privater Spender, der Aktion „99 Funken“ der Ostsächsischen Sparkasse Dresden sowie der Regionalstiftung Kunst und Kultur der Ostsächsischen Sparkasse Dresden. 191 000 Euro kommen aus dem Förderprogramm Leader der Orgelsanierung zugute. Der gesamte innere Teil der Orgel wird ausgebaut, demontiert und nach Bautzen zur Firma Eule gebracht. Staub in und an der Orgel muss entfernt werden. Farbe gilt es, vom Orgelgehäuse abzutragen, um den originalen Anstrich wieder aufzutragen. Die gleich angrenzende Decke im Mauerwerk auf der Südseite des Kirchenschiffes erhält einen neuen Anstrich. Risse gilt es dabei zu schließen. „Der Fußboden der oberen Kirchen-Empore wird gereinigt und geölt. Damit ist der Staub künftig besser gebunden“, sagt Günter Wenk. „Auf der Orgelempore selbst wird ebenfalls der Fußboden gereinigt und geölt. Die Emporen-Wand an der Orgel wird auf Hinweis des Denkmalschutzes farblich erneuert.“ Das Orgelgehäuse selbst wird innen und außen saniert. Repariert wird die Treppe im Orgelgehäuse. Beseitigt wird der Holzwurm.

Eine Fachfirma erneuert die elektrische Anlage. Diese entspricht künftig modernen Bedienungs-, Sicherheits- und Brandschutz-Anforderungen. Erneuert wird auch die Beleuchtung des Spieltisches der Orgel. Danach folgt die farbliche Gestaltung des Orgelgehäuses. Während der gesamten Sanierung werden große Teile im Innenraum der Kirche wie Altar, Taufbecken, Kanzel und Emporen abgedeckt und damit vor Staub geschützt. In Bautzen wird die Firma Eule alle Einzelteile der Orgel sorgfältig reinigen, restaurieren und fehlende Teile neu anfertigen. Die komplette Orgel, so wie sie später wieder in Lohsa steht, wird in Bautzen bei der Firma Eule originalgetreu aufgebaut. „Es fehlen etliche Zinn-Pfeifen. Das ist bedingt durch den dreimaligen Umbau je nach Zeitgeschmack des Organisten und der jeweiligen Kunstepoche. Sie müssen aufwendig neu angefertigt werden“, sagt Günter Wenk. „Unsere Orgel weist ebenfalls viele große Pfeifen aus Holz auf. Auch sie werden gereinigt, saniert und gegebenenfalls mit erneuert.“ Wenn all jene Teile originalgetreu wieder angefertigt und schrittweise ins sanierte Orgelgehäuse in der Lohsaer Kirche eingebaut sind, folgt der schwierigste Teil – die Intonation der Orgel. Sie erhält ihre ursprünglichen Klangfarben, ihren originalen Klangcharakter zurück. „Jede Pfeife wird einzeln gestimmt“, sagt Günter Wenk. „Das braucht Zeit.“

Im Zuge der Sanierung wird der Zimbelstern wieder neu gefertigt und ins Orgel-Gehäuse eingebaut. Heiligabend 2019 soll die sanierte Kirchenorgel im Gottesdienst die Besucher erfreuen. Bereits zuvor am vierten Advent sind am Vormittag die Wiedereinweihung der Orgel und am Nachmittag ein kleines Konzert geplant.

„Tatsache ist: Wir brauchen dringend Organisten für die Zukunft“, unterstreicht Günter Wenk. Mit Charlott Hörenz aus Litschen hat die Kirchengemeinde gelegentlich eine junge Organistin vor Ort. Weitere Organisten sind willkommen. Sie können an der Ausbildung bei Kreiskantorin Ulrike Scheytt teilnehmen.

Gottesdienste im Pfarrsprengel Uhyst-Lohsa sind jetzt am 23. und am 30. 9. um 10.30 Uhr in Uhyst, danach ab 7. 10. stets um 10 Uhr in Uhyst bis Jahresende 2019.