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Samstag, 14.07.2018

Ebbe in der Elbe

Die Pegel sind durch den Regen nur kurzzeitig gestiegen – aber auf dem Fluss fährt seit Wochen fast nichts mehr.

Von Udo Lemke

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Anfang August 2015 ging es für das Hotelschiff Clara Schumann in Meißen nicht weiter. Der Wasserstand der Elbe war so niedrig, dass das Schiff seine Reise nicht fortsetzten konnte.
Anfang August 2015 ging es für das Hotelschiff Clara Schumann in Meißen nicht weiter. Der Wasserstand der Elbe war so niedrig, dass das Schiff seine Reise nicht fortsetzten konnte.

© Claudia Hübschmann/Archiv

  • Anfang August 2015 ging es für das Hotelschiff Clara Schumann in Meißen nicht weiter. Der Wasserstand der Elbe war so niedrig, dass das Schiff seine Reise nicht fortsetzten konnte.
    Anfang August 2015 ging es für das Hotelschiff Clara Schumann in Meißen nicht weiter. Der Wasserstand der Elbe war so niedrig, dass das Schiff seine Reise nicht fortsetzten konnte.
  • Niedrigwasser in der Elbe ist kein Sommer-Phänomen, wie diese Aufnahme zeigt. Sie entstand am 23. November 2011.
    Niedrigwasser in der Elbe ist kein Sommer-Phänomen, wie diese Aufnahme zeigt. Sie entstand am 23. November 2011.
  • Sommer an der Elbe 1904. Bislang waren solche Aufnahmen nur aus Dresden bekannt. Steffen Förster vom Stadtmuseum Meißen entdeckte diese Postkarte.
    Sommer an der Elbe 1904. Bislang waren solche Aufnahmen nur aus Dresden bekannt. Steffen Förster vom Stadtmuseum Meißen entdeckte diese Postkarte.

Meißen. Lutz Wagner erinnert sich: „Als ich 1991 hier angefangen habe, kam jede Stunde ein Schiff vorbei. Jetzt sind es nur noch ein oder zwei am Tag und das auch nur, wenn die Elbe Wasser hat.“ Der ehemalige Chef der Gaststätte Elbklause in Niederlommatzsch ist der Elbe verbunden. Das sieht man in der Gaststätte. Der Saal im ersten Geschoss ist mit Elbeschiffsmodellen – vom Frachtkahn über den Kettenschlepper bis hin zum Raddampfer – geschmückt. Und Lutz Wagner ist mit dem zum Angebot der Elbklause gehörenden Ausflugsschiff „Clara von Assisi“ als Gästeführer und Matrose unterwegs auf dem Fluss.

Der Grund für die Ebbe in der Frachtschifffahrt liegt an der Ebbe in der Elbe. Seit Himmelfahrt, im Prinzip schon seit April führt der Fluss so wenig Wasser, dass Frachter nur noch halb beladen fahren konnten und die Transporte schließlich ganz eingestellt werden mussten.

Damit setzt sich eine Niedrigwasserphase in der Elbe fort, für die es wohl lange kein Beispiel geben dürfte. Denn seit dem nach 2002 zweiten Jahrhunderthochwasser 2013 hat die Elbe nur noch ein einziges Mal so viel Wasser geführt, dass eine Hochwasserstufe ausgerufen werden musste: Am 12. Januar wurde bei einem Wasserstand von 4,50 Metern am Pegel Dresden Hochwasseralarm gegeben.

Die Ursachen für die Wasserknappheit in der Elbe sind vielfältig. So fällt weniger Schnee im Riesengebirge, wodurch es weniger Schmelzwasser gibt. Die jahrhundertlang üblichen Frühjahrshochwasser an der Elbe sind jetzt schon mehrfach ausgefallen. Trockener werdende Frühjahre im Zuge des Klimawandels bringen weniger Regen. Eine wesentliche Ursache ist auch die Schließung vieler Braunkohletagebaue in der Lausitz und in Mitteldeutschland. „Das Grundwasser in den Braunkohlegruben wird nicht mehr in die Nebenflüsse der Elbe abgepumpt. Deswegen führt der Fluss seit 1990 bei Niedrigwasser um zehn Prozent weniger Wasser“ heißt es in der Broschüre „Die Elbe: Lebendiger Fluss oder Wasserstraße“, die die Landtagsfraktion der Grünen 2013 herausgab.

Die Elbe als Bundeswasserstraße liegt in der Zuständigkeit des Bundesverkehrsministeriums. Dieses musste eingestehen, dass im langjährigen Schnitt in der Elbe nur eine Tiefe von 1,20 bis 1,30 Meter 345 Tagen im Jahr gewährleistet werden kann. „Das reicht gerade mal für Personenschifffahrt und für den Transport leichter Güter. Für das Rückgrat der Binnenschifffahrt, den Massenguttransport, genügt das nicht“, schreiben die Grünen. Sie beziehen sich auf Angaben des Bundesamtes für Güterverkehr, wonach Frachtschifffahrt auf der Elbe erst bei Containerschiffen, die dreilagig beladen sind, gegeben wäre. Diese brauchten allerdings eine Tiefe der Fahrrinne von zwei Metern, was nur zur Hälfte des Jahres gegeben wäre. „Doch auch der voll beladene zweilagige Containerverkehr beansprucht eine Fahrtiefe von 1,60 Meter.“

Lutz Wagner wünscht sich, dass die Elbe wieder mehr für den Frachtverkehr genutzt wird. Nicht durch ihren exzessiven Ausbau, sondern durch die Entwicklung völlig neuer Schiffstypen. Dazu müsse der Bund aber Geld in die Hand nehmen, um die dafür notwendige Forschung und Entwicklung zu fördern.

Der maßgebliche Elbpegel für die Region zwischen Pirna und Riesa ist der in Dresden. Derzeit beträgt er 67 Zentimeter, normal wären im Durchschnitt 1,75 Meter. Noch am Montag waren nur 54 Zentimeter gemessen worden, er war aber durch die Regenfälle der letzten Tage gestiegen. Allerdings ist der Wasserstand nun schon wieder um einen Zentimeter gefallen –  das heißt, der Pegel sinkt. Und wenn für das Wochenende 30 Grad angekündigt sind, wird sich dieser Trend fortsetzen. Dass Pegel und Wassertiefe nicht dasselbe sind, erklärt Elke Kühne vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Dresden. „Die flachste Stelle in der Elbe ist die Höhe des Pegels plus 40 bis 50 Zentimeter, sodass wir die Tiefe der Fahrrinne derzeit mit rund 1,10 Metern angeben. Es kann aber auch Bereiche geben, die zwei Meter tiefer sind.“

Derzeit fährt die Fähre von unterhalb der Elbklause in Niederlommatzsch rüber ans andere Ufer von Diera-Zehren. Allerdings hatte sie am vergangenen Sonntag wegen des Niedrigwassers eingestellt werden müssen. Und auch die „Clara von Assisi“ konnte keine Längsfahrten mehr unternehmen. Am vergangenen Wochenende wurden auch die Fahrten der Sächsischen Dampfschiffahrt entlang der Weinstraße eingestellt, die historischen Raddampfer können Diesbar-Seußlitz nicht mehr anlaufen – zu wenig Wasser unterm Kiel. Für Lutz Wagner steht dennoch fest: „Die Elbe muss mit dem erhalten bleiben, was sie kann.“ Dazu gehört in Zukunft wohl immer häufiger und immer länger Ebbe.