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Donnerstag, 28.12.2017

Dynamos Schwierigkeiten mit den Neuzugängen

Nur drei sind Stammspieler, aber mancher wird noch durchstarten – meint der Trainer.

Von Sven Geisler

Sascha Horvath (l.) jubelt mit Aias Aosman nach seinem Tor beim 2:0 in Regensburg.
Sascha Horvath (l.) jubelt mit Aias Aosman nach seinem Tor beim 2:0 in Regensburg.

© Robert Michael

Er ist nur einer von neun – und doch steht Sascha Horvath irgendwie beispielhaft für den Stellenwert der Profis, die im vorigen Sommer zu Dynamo Dresden gekommen sind: Sie werden kritisch gesehen. In der Startelf gesetzt sind bisher nur Haris Duljevic und Paul Seguin. Zudem nimmt Lucas Röser, mit fünf Treffern der beste Torschütze, inzwischen wieder den einzigen Platz im Sturm ein.

Jeder Dritte ist also Stammkraft. Das allein wäre keine schlechte Quote, und diese Rechnung stimmt so nicht mal. Denn Sören Gonther war fest als Führungsspieler eingeplant, fällt aber nach einem Kreuzbandriss aus. Und natürlich ließe sich bei Dynamos Bilanz der Neuverpflichtungen auch Rico Benatelli positiv bewerten, schließlich hat sich der Mittelfeldspieler aus einem zwischenzeitlichen Tief gekämpft, bevor er die letzten beiden Spiele vor der Weihnachtspause wegen einer Zerrung verpasste. Zudem wäre es wohl reichlich vermessen, einen Stürmer, der in elf Einsätzen vier Tore erzielt hat, wie Peniel Mlapa nach zwei, drei schwachen Spielen vorschnell als Fehleinkauf einzustufen.

Eigentlich besteht also überhaupt kein Grund, über die Personalpolitik zu diskutieren. Trotzdem wird sie unterschwellig infrage gestellt, was erstens daran liegt, dass einige bisher eher mitlaufen, zweitens – und das ist entscheidend – dass sie an den Abgängen nach der Vorsaison gemessen werden. Stefan Kutschke, Akaki Gogia und Marvin Stefaniak haben Dynamos Offensivstil geprägt und vollendet. Im Vergleich mit ihnen müssen die Neuen unweigerlich alt aussehen. Doch genau das sind sie eben nicht, sondern jung und teils unerfahren.

Wie Horvath. Den 21 Jahre alten Österreicher, der zuvor bei Sturm Graz gespielt hat, hebt Uwe Neuhaus hervor, nachdem er über die Sommer-Transfers generell sagt: „Ich bin nach wie vor von jedem Einzelnen absolut überzeugt.“ Der Trainer sieht einen wichtigen Grund dafür, dass das noch nicht alle zeigen konnten, in der sportlich kritischen Phase. „Jeder braucht Selbstvertrauen, aber erst recht, wenn man sich in einer neuen Umgebung einfinden muss.“ Durch steigenden Druck und die ständig wechselnde Formation sei das schwierig gewesen, „weil wir auf dem Platz noch nicht diese absolute Einheit waren“.

Um beim Beispiel Horvath zu bleiben: Er hatte sich bereits auf Rechtsaußen durchgesetzt, beim 2:0 in Regensburg sein erstes Tor geschossen. „Ich war in richtig guter Form, als mich die Oberschenkelprobleme gestoppt haben“, sagte er im Interview mit dem Internetportal liga-zwei.de. Er kehrte zwar nach nur einer Woche in den Kader zurück, aber jetzt spielte sein Landsmann. Und Patrick Möschl, der aus Ried nach Dresden gewechselt war, machte seine Sache ordentlich, traf beim 1:1 gegen Braunschweig. Doch restlos überzeugen konnte auch er den Trainer nicht, der nun auf einen zurückgriff, der sich schon in der vorigen Saison als potenzieller Stefaniak-oder-Gogia-Nachfolger empfohlen hatte. Und endlich kann Erich Berko die Hoffnungen erfüllen, die er selber geweckt hatte.

Für Dynamos Österreicher gilt wie für den Finnen Eero Markkanen, dass sie sich an das höhere Niveau gewöhnen müssen. „Es gibt ja Länder, die nicht durchgängig so gut sind wie unsere zweite Liga“, erklärt Neuhaus und meint, dass sie in der Heimat zwar erstklassig gespielt haben, aber nicht jede Woche auf einen etwa gleichstarken Gegner getroffen sind. Das räumt auch Horvath ein: „Hier wird einfach mit viel mehr Tempo gespielt, die Spieler sind auch körperlich robuster.“

Letzteres mag dem 1,65 Meter kleinen Horvath einige Anpassungsschwierigkeiten bereiten „Er ist hochtalentiert, ich bin mir sicher, dass er noch durchstarten wird“, meint Neuhaus trotzdem über ihn und sagt das sicher nicht, um das Umfeld zu beruhigen. Zudem dürfen Einsätze in der Startelf allein kein Kriterium für die Einstufung als Top oder Flop sein. Vielmehr geht es dabei auch um einen internen Konkurrenzkampf, um ein hohes Trainingsniveau, um gleichstarke Alternativen.

Das gilt auch für die Neuzugänge im Winter. Mit Dresden-Rückkehrer Marcel Franke steht einer fest, allerdings muss er für einen Stammplatz erst einmal einen aus dem bisherigen Abwehrduo Jannik Müller/Florian Ballas verdrängen.

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