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Samstag, 26.05.2018

Dynamos neue Strategie

Dass Kevin Großkreutz kommt, ist nur ein Spaß, die Analyse der vorigen Saison dagegen ernsthaft – und mit Konsequenzen.

Von Sven Geisler

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Sie geben bei Dynamo weiter die Richtung vor: Trainer Uwe Neuhaus (r.) und sein Assistent Peter Nemeth. Das Team um sie herum soll breiter aufgestellt werden.
Sie geben bei Dynamo weiter die Richtung vor: Trainer Uwe Neuhaus (r.) und sein Assistent Peter Nemeth. Das Team um sie herum soll breiter aufgestellt werden.

© Robert Michael

Schade. Es hätte ein so schönes Thema werden können. Allein seine Eskapaden wären einige Berichte wert gewesen, und die ersten Witze wurden schon gemacht: Da müssen wir aber die Hotel-Lobbys in der Stadt gegen unerwünschtes Pinkeln versichern und die Nachwuchsspieler warnen, auch nicht mit einem bekannten Mann mitzugehen, wenn er ihnen das Nachtleben zeigen will. Pustekuchen! Drei knappe Worte reichen, um ein Gerücht zu zerstören, das so aufregend geklungen hatte: „Nein, kein Thema“, teilt Kristian Walter auf Nachfrage der SZ mit.

Was Dynamos amtierender Sportgeschäftsführer damit sagt: Kevin Großkreutz wechselt nicht nach Dresden, auch wenn er in Darmstadt nicht bleiben soll. Der Weltmeister ohne Einsatz hatte sich im Chat-Portal Instagram zu einem Kommentar hinreißen lassen, der täuschend echt wie aus einer Pressemitteilung der SGD zu einem Neuzugang klang. Nachdem ihn einige Fans, also zwei, bereits willkommen geheißen hatten, antwortete der 29-Jährige: „Vielen Dank, ich freue mich auf die neue Aufgabe und die (geändert, hier stand den /d. A.) positiv ,bekloppten‘ Fans.“

Ein Spaß im Netz. Dagegen wurde im Aufsichtsrat am Donnerstag bis in die Nacht ernsthaft diskutiert – und zwar weniger über als vielmehr mit dem Trainer. Uwe Neuhaus war mehr als drei Stunden dabei, hat die Runde erst nach 21 Uhr verlassen. Mit Walter hat er die Erkenntnisse der Analyse erläutert, wie die Schwächen zu erklären sind und was sich ändern muss. „Es bestand Einstimmigkeit im Aufsichtsrat, dass die daraus abgeleiteten Schlussfolgerungen und Maßnahmen eine überzeugende Perspektive aufzeigen, um konkrete Probleme der vergangenen Saison abzustellen“, wird Hans-Jürgen „Dixie“ Dörner in der am Morgen danach verbreiteten Pressemitteilung des Vereins zitiert.

Konkrete Punkte lassen sich aus dem Papier nicht herauslesen, die öffentliche Erklärung bleibt eher vage. Die grundsätzliche Botschaft ist: Dynamo stellt sich breiter auf, was sich nicht allein auf die Mannschaft bezieht. Es sei sichtbar geworden, „dass wir bestimmte Teilbereiche in der sportlichen Abteilung weiter ausbauen und verstärken müssen“, erklärt Walter. „In einigen Bereichen stoßen wir strukturell einfach an Grenzen.“ Deshalb bestehe die Hauptaufgabe darin, neben dem Kader das Team ums Team weiterzuentwickeln.

Damit gemeint sein dürfte der Ansatz, den Ralf Minge nach dem Abstieg 2014 verfolgt hat, nämlich für alle relevanten Themen Fachleute zu beschäftigen. Damals hatte Dynamo sowohl einen Fitness- als auch einen Mentaltrainer geholt, zudem wurde mit Jacob Wolf ein Sportwissenschaftler für die Leistungsdiagnostik eingestellt. Der damalige Trainer Stefan Böger überwarf sich jedoch mit dem Fitnesscoach und ließ den Teampsychologen außen vor.

Seitdem übernimmt Tobias Lange die Aufgaben als Fitness- und Reha-Coach. Vor allem Spieler, die in Verletzungsphasen mit ihm zusammengearbeitet haben, wie zuletzt Pascal Testroet, schwärmen von seinen Fähigkeiten. Allerdings fehlt Lange dadurch weitgehend als dritter Physiotherapeut für die gesunden Spieler. Das könnte ein Grund für die überdurchschnittlich vielen Muskelverletzungen sein.

Zudem wurde bei Dynamo ein Mentalitätsproblem diagnostiziert, was sich erstens dadurch heilen ließe, indem erfahrene und charakterstarke Spieler verpflichtet werden. Zweitens spricht es dafür, sich wieder einem Psychologen anzuvertrauen. Sascha Lense, der auch die Volleyballerinnen des Dresdner SC betreute, war von Böger weggeschickt und von Peter Nemeth zurückgeholt worden. Seit dem 1. Juli 2015 ist er jedoch bei RB Leipzig angestellt. Und – fast wie bei Großkreutz – ranken sich auch um den früheren Dynamo-Kapitän (Saison 1999/2000) derzeit Gerüchte, er dürfte den Klub verlassen. Lense würde die aber nicht selbst anheizen. In Dresden wird zumindest über eine Rückholaktion nachgedacht.

„Es wird personelle Erweiterungen geben, die aber stimmig sein und mit Überzeugung geschehen müssen“, erklärt Walter. Und Dörner fordert: „Wichtig ist, dass die entsprechenden Maßnahmen umgesetzt und kontrolliert werden.“

Leser-Kommentare

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  1. RWSGD

    Nach dem Lesen dieses Artikels ist man genauso schlau wie vorher. Dann lieber mal einen Tag auf eine Dynamo-Meldung verzichten.

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