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Mittwoch, 09.05.2018

Dynamos Laufwunder

Rico Benatelli geht die weitesten Wege und er weiß aus eigener Erfahrung, worauf es im Abstiegskampf ankommt.

Von Sven Geisler

Für Rico Benatelli war das Spiel in Aue ein besonders emotionales. Dabei war Dynamos Dauerläufer schon außen vor.
Für Rico Benatelli war das Spiel in Aue ein besonders emotionales. Dabei war Dynamos Dauerläufer schon außen vor.

© Robert Michael

Er war draußen, wurde vom Trainer sogar öffentlich kritisiert. Er habe mal gut und mal schlecht trainiert, begründete Uwe Neuhaus, warum er Rico Benatelli fürs Heimspiel gegen Heidenheim nicht berücksichtigt hat. Das ist jetzt acht Wochen her und der Gerüffelte hat inzwischen nicht nur einen festen Platz in der Startelf bei Dynamo, sondern eine zentrale Rolle: als Lückenschließer und Balleroberer im Mittelfeld, also zwischen den Reihen. Dafür spult der 26-Jährige regelmäßig das größte Laufpensum ab, beim 0:0 in Aue waren es 11,75 Kilometer.

Die weiten Wege allein sind jedoch nicht das Kriterium. Benatelli ist schließlich kein Ausdauerläufer, sondern Fußballer. Für ihn kommt es – erst recht in dieser sensiblen Zone – darauf an, im richtigen Moment am richtigen Ort zu sein, um die entscheidenden Zweikämpfe zu gewinnen und den Ball zum Mitspieler zu passen. Erst diese Kombination macht ihn zu einem Schlüsselspieler für die Dresdner. Die Kondition, erzählt er, sei schon in der Jugend seine große Stärke gewesen. „Mein Papa meinte mal: Du hörst ja gar nicht auf zu laufen. Das liegt wahrscheinlich in den Genen.“ Sein Vater Frank spielte in Bochum 192-mal in der Bundesliga, als der VfL noch den Ruf hatte, unabsteigbar zu sein.

„Wichtig, immer cool zu bleiben“

Sein Sohn Rico dagegen ist schon zweimal aus der zweiten Liga abgestiegen: 2015 mit Aue und vorige Saison bei den Würzburger Kickers, mit denen er am vorletzten Spieltag auf den direkten Abstiegsplatz gerutscht ist. „Das war bitter“, sagt er. Jeder Spieler gehe anders damit um, erklärte Benatelli im Kicker. „Mir persönlich hilft es, nicht zum ersten Mal Abstiegskampf zu erleben. Es ist wichtig, immer cool zu bleiben, alle Störfaktoren auszublenden.“

Er weiß auch, wie es sich anfühlt, wenn man es schafft, „fantastisch“ nämlich. „Ich kann mich noch gut erinnern, als wir 2014 mit Aue gegen Dresden gespielt haben und mit dem Rücken zur Wand standen.“ Mit dem 2:0-Sieg haben die Erzgebirger damals drei Spieltage vor Schluss den Klassenerhalt gesichert, während Dynamo in der Saison durch das 2:3 gegen Bielefeld zum Schluss sogar noch vom Relegations- auf den Abstiegsplatz gerutscht ist.

Auf eine ähnliche Dramatik kann Benatelli diesmal gern verzichten, deshalb hadert er etwas nach dem Unentschieden in Aue. „Mit einem Sieg hätten wir uns deutlich absetzen können.“ Von außen sei kein Zeichen gekommen, diesen Punkt abzusichern. „Aber wir hatten unseren Matchplan und waren uns auf dem Platz einig, nicht wieder in einen Konter zu laufen wie gegen Düsseldorf“, erklärt er. „Dafür haben wir unseren Käpt’n Marco Hartmann, und was er sagt, ist Gesetz.“ Doch so gut sie defensiv gestanden haben: „Jetzt müssen wir gegen Union wieder mehr für die Offensive tun“, meint Benatelli.

An ihm soll es nicht scheitern, selbst wenn er dafür noch mehr laufen müsste, weil sich mehr Räume für den Gegner ergeben. „Ich versuche, für den Fußball zu leben, stelle andere Dinge hintenan“, erklärt er seine Laufleistung. „Wenn ich damit dem Team helfen kann, ist das schön. Alles andere entscheidet der Trainer: Ob er mich aufstellt oder nicht, ob er mich lobt oder nicht.“ Der Stachel des Neuhaus-Rüffels sitzt offenbar noch tief. Doch als Profi zeigt er die Reaktion, die der Chefcoach herauskitzeln wollte. Nach fünf Spielen als Zuschauer durfte Benatelli wieder ran, erzielte beim 1:1 gegen Nürnberg ein Tor und ist seitdem eine Stammkraft.

„Ich bin zufrieden, auf dem Platz stehen zu dürfen“, sagt er – wobei er eines auf dem Platz garantiert nicht macht: stehen.

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