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Samstag, 28.04.2018

Dynamo verliert einen wichtigen Punkt

Die Dresdner liegen zur Pause gegen Fortuna Düsseldorf mit 0:1 hinten. Doch Moussa Koné kommt rein und erzielt den Ausgleich. Was dann passiert, ist unglaublich - am Ende feiern doch die Gäste.

Fortunas Rouwen Hennings (M) jubelt nach seinem Tor zum 1:2 neben Dynamos Sascha Horvath (l).
Fortunas Rouwen Hennings (M) jubelt nach seinem Tor zum 1:2 neben Dynamos Sascha Horvath (l).

© dpa

Dresden. Was für eine Dramatik: Dynamo verpasst einen großen Schritt in Richtung Klassenerhalt in der 2. Fußball-Bundesliga. In der 89. Minute kassieren die Dresdner gegen Fortuna Düsseldorf den Treffer zum 1:2 durch Rouwen Hennings. Ein Schuss aus der Distanz, sodass sich die Frage stellt, ob ihn Marvin Schwäbe hätte halten können. Doch selbst wenn es ein Torwartfehler war, ist es zwar letztlich ein entscheidender, das Spiel verloren hat Dynamo aber vorn. Denn kurz vorher gibt es die Riesenchance, diese intensive Partie für sich zu entscheiden. Den Schuss von Pascal Testroet hält Fortuna-Schlussmann Raphael Wolf jedoch großartig (88.). „Ich weiß nicht, wie er an den rankommt, er sieht ihn doch gar nicht“, rätselt Testroet über die Parade.

Fotos vom Spiel

So kann die Aufstiegsparty der Gäste doch noch steigen. Sie waren durch Florian Neuhaus früh in Führung gegangen. Doch der andere Neuhaus, also Dynamos Trainer, reagiert und bringt Moussa Koné. Der schnelle Senegalese erzielt nach einem Konter den Ausgleich - es hätte so schön sein können...

Nun bleiben Fragen nach diesem Spiel. Hier sind die Antworten:

Was war mit Dynamo in der ersten Halbzeit los?

„Fortuna wird uns deutlich mehr abverlangen als Kaiserslautern, da bin ich mir sicher“, hatte Neuhaus gesagt – und sollte Recht behalten. Dynamo hat zwar die erste Chance – ein Kopfball von Florian Ballas geht drüber (6.) –, aber Fortuna lauert auf die Dresdner Fehler. Plötzlich ist Florian Neuhaus an der Strafraumkante frei, weder Marcel Franke noch Niklas Kreuzer können eingreifen – sein Schuss schlägt ein zum 1:0 für die Gäste. Die verdienen sich die Führung danach, sind spielerisch überlegen, allerdings gnändig im Abschluss. Die Schwarz-Gelben sind hinten anfällig und vorn fehlen entweder die Präzision beim letzten Pass oder das Durchsetzungsvermögen im Zweikampf. Sie kommen zu Möglichkeiten, aber zu keinem wirklich gefährlichen Abschluss. Die Schwächen werden durch die Stärke des Gegners offenbar. Nur das knappe Ergebnis lässt hoffen.

Was hat der Tausch der Stürmer gebracht?

Der K-Block begrüßt den „Fußball-Gott“: Nach 272 für ihn endlos langen Tagen ist es endlich soweit: Pascal Testroet steht wieder in der Startelf. Sein Comeback nach dem Kreuzbandriss, den er sich am ersten Spieltag der Saison am 30. Juli vorigen Jahres zugezogen hat, konnte er zwar bereits beim 1:1 gegen Nürnberg geben. Aber seitdem war er zweimal nur eingewechselt worden. Mit „einer richtig starken Leistung“ in Kaiserslautern, so Trainer Uwe Neuhaus, hatte er sich nun den Einsatz von Anfang an verdient. Testroet läuft viel, sein Kopfball in Rücklage geht drüber (15.), zwei Schussversuche werden geblockt. Wirklich auffällig wird auch er erst in Hälfte zwei.

Das sagen die Trainer

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Uwe Neuhaus, Dynamo Dresden: „Es war eine mäßige erste Halbzeit von uns, wir haben keinen Zugriff auf Düsseldorf bekommen. Da konnte man schon sehen, dass sie sehr viel Selbstvertrauen haben und natürlich eine sehr hohe individuelle Qualität. In der zweiten Halbzeit war es eine tolle Reaktion von uns, wir haben Stück für Stück den Druck erhöht, ohne zu viel Räume zu öffnen und dem Gegner die Chancen zu ermöglichen. Vor dem 1:1 schon ein Pfostenschuss, danach drei riesige Torchancen - davon mussten wir einen machen. Wir haben nach Kiel (0:4/d. R.) gezeigt, dass wir aufstehen können, wenn wir hingefallen sind, und das werden wir diesmal auch zeigen und uns auf Aue vorbereiten. Schwerpunkt Torabschluss: Darüber können wir jede Woche reden, es jede Woche trainieren. Wir müssen das Ding über die Linie bugsieren.“

Friedhelm Funkel, Fortuna Düsseldorf: „Wir haben ein sehr abwechslungsreiches Spiel gesehen mit Vorteilen für uns in der ersten Halbzeit, aber in der zweiten Hälfte war Dynamo die klar bessere Mannschaft. Sie haben unglaublich viel Druck gemacht, hatten in der einen oder anderen Situation nicht das Quäntchen Glück, das wir dann zwei Minuten vor Schluss hatten. Ich kenne solche Situationen, habe oft genug im Abstiegskampf gehangen. Ich weiß, dass die Mannschaft, die oben steht, das Glück oft hat. Als Mannschaft die unten steht, hat man das - obwohl man gut gespielt hat - eben nicht. Trotzdem möchte ich meiner Mannschaft zum Aufstieg gratulieren. Was sie in den 32 Spielen geleistet hat, davor kann ich nur den Hut ziehen. Das ist eine geile Truppe. Für Dynamo haben zwei Minuten gefehlt, einen verdienten Punkt hier zu behalten, der wichtig gewesen wäre für sie. So ist der Fußball. Aber Uwe weiß, dass ich Dynamo die Daumen drücke, dass sie in der Liga bleiben. Und ich bin auch fest davon überzeugt, dass sie es schaffen.“

Wie reagiert Neuhaus auf den Pausenrückstand?

Koné, der zuletzt glücklos agiert hatte, läuft sich schon nach knapp einer halben Stunde warm. Wenig später kommt Philip Heise dazu, weil Paul Seguin einen Fehlpass nach dem anderen spielt. Trotzdem bleiben sie zunächst draußen. Das Problem: Neuhaus hätte fünf, sechs Spieler wechseln können. Er nimmt zur Pause Aias Aosman raus, bringt Koné als zweite Spitze.

Das Zusammenspiel der beiden Stürmer klappt zum ersten Mal nach gut fünf Minuten, aber nach Testroets Pass wird Koné von Fortuna-Verteidiger Robin Bormuth abgelaufen. Dann steckt Koné für Testroet durch – und der trifft den Pfosten (54.). Dynamo ist jetzt – auch mit Heise im Spiel – mutiger und entschlossener. Und schließlich trifft Koné nach einem Konter und Pass von Haris Duljevic.

Was passierte nach dem Ausgleich?

Dynamo zieht sich nicht zurück, auch Düsseldorf will den Sieg. Es bleibt spannend – und kreuzgefährlich wie beim Kopfball von Kaan Ayan, der nach einem Freistoß völlig frei vor Schwäbe auftaucht – drüber (74.). Genauso knapp ist es auf der anderen Seite, als Koné im Strafraum zum Abschluss kommt (77.). Während Koné nach einem Konter ausrutscht, kommt Havard Nielsen im Gegenzug frei zum Schuss, aber Schwäbe pariert (84.). Florian Ballas, der den gesperrten Marco Hartmann als Kapitän vertritt, moniert diese Überzahlsituationen für die Gäste hinterher. Die Mannschaft hätte, sagt er, nach dem Ausgleich defensiver agieren müssen. So aber riskiert Dynamo - angefeuert und angetrieben von der großartigen Stimmung im mit 30 953 Zuschauern ausverkauften DDV-Stadion - zu viel. Bis zum K.-o.-Treffer durch Hennings.

Was bedeutet die Niederlage für Dynamo?

Der Punkt wäre wichtig gewesen, denn nun wird der Kampf um den Klassenerhalt zu einem Nervenspiel. Weil Darmstadt (3:1 gegen Union Berlin) und der FC St. Pauli (3:0 gegen Fürth) gewannen, beträgt der Abstand zum Relegationsrang nur zwei und zum Abstiegsplatz nur drei Punkte. Die Ost-Duelle am nächsten Sonntag in Aue und eine Woche später zu Hause gegen Union können so doch noch mal zu Zitterpartien werden. „Die Rechnerei mit den Spielen, die noch ausstehen, das könnte ich in- und auswendig, vorwärts und rückwärts runter rasseln“, hatte Neuhaus vorher gesagt – nun muss er schon wieder neu rechnen. Und leichter wird die Aufgabe auf keinen Fall. Testroet aber verspricht: „Wir nehmen den Kopf hoch und gewinnen in Aue!“

Wie feiert die Fortuna den Aufstieg in Dresden?

Der Gästeblock ist gut gefüllt, rund 3000 Fortuna-Fans wollen die Rückkehr in die Bundesliga nach fünf Jahren miterleben. Einige zünden Bengalos, nach dem Siegtreffer feiern sie: „Nie mehr zweite Liga!“ Die Pressekonferenz läuft, Düsseldorfs Trainer Friedhelm Funkel spricht gerade, als es eher zaghaft an die Tür klopft. Dann stürmen die Bundesliga-Aufsteiger das Podium, spritzen mit Bier. Neuhaus nimmt Reißaus, spricht hinterher mit den Dresdner Journalisten in der Mixed-Zone. Die Düsseldorfer hatten die Party bereits geplant, für 17.30 Uhr den Rückflug angesetzt. Sponsoren bezahlen den Charter. Die Feier steigt in einer ehemaligen Seifenfabrik in Düsseldorf. Abwehrspieler Kaan Ayhan: „Das nächste Spiel interessiert mich frühestens am Mittwoch.“

Leser-Kommentare

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Insgesamt 23 Kommentare

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  1. Frank

    Dummheit kostet Punkte, das war schon bei Dynamo zu DDR Zeiten leider so. Besonders bitter im Europapokal was wurde da alles vergeigt.

  2. mäxle

    was heisst hier unglücklich, die hatten es doch selbst in der hand und wo war schwäbe beim 2. tor? wenn du vorn deine chancen nicht nutzt......und warum macht neuhaus hinten nicht zu? mann, mann, mann nun nach aue klar mit leichtigkeit wird dynamo gewinnen...wie immer werden unter der woche wieder leere sprüche vom trainer und den spielern kommen....bla bla bla schönes we noch

  3. WRueger

    "Unglücklich verloren" würde ich das nicht nennen. Beim Fußball gibt es nun mal ZWEI Halbzeiten. Und die erste war wie so oft, schlecht, einfallslos, viel zu oft rückwärts statt vorwärts gespielt und dazu jede Menge Fehlpässe. Neidlos muss man eingestehen, dass Düsseldorf die bessere Mannschaft war.

  4. P. Berg

    Vielleicht sollt man die Stadionuhr kurz nach dem Beginn der 2. HZ heimlich 5 Minuten zurückstellen... dann wär in der 85. Minute Schluss (weils ja die 90. ist) und man kassiert nicht wie immer in den letzten 3 Minuten ein Tor... nur mal so als Gedanke..

  5. uldra

    ..... Abstieg - dank Schierieleistungen und einem Fliegenfänger im Tor ....

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