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Freitag, 07.09.2018

„Dynamo schauen und Weiterkommen“

Von Jens Jahn

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Vor acht Jahren gehörte Offensivspieler Willi Richter zum Aufgebot der Dynamo-Reserve. Foto: Thomas Eisenhuth
Vor acht Jahren gehörte Offensivspieler Willi Richter zum Aufgebot der Dynamo-Reserve. Foto: Thomas Eisenhuth

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  • Vor acht Jahren gehörte Offensivspieler Willi Richter zum Aufgebot der Dynamo-Reserve. Foto: Thomas Eisenhuth
    Vor acht Jahren gehörte Offensivspieler Willi Richter zum Aufgebot der Dynamo-Reserve. Foto: Thomas Eisenhuth
  • Motors Angreifer Willi Richter (rotes Trikot) im Duell mit dem Bannewitzer Kai Mittag. Die Partie endete 1:1. Zum Punktspielstart hatte Richter getroffen und damit für den 1:0-Erfolg der Wilsdruffer beim SV Wesenitztal gesorgt. Foto: Karl-Ludwig Oberthuer
    Motors Angreifer Willi Richter (rotes Trikot) im Duell mit dem Bannewitzer Kai Mittag. Die Partie endete 1:1. Zum Punktspielstart hatte Richter getroffen und damit für den 1:0-Erfolg der Wilsdruffer beim SV Wesenitztal gesorgt. Foto: Karl-Ludwig Oberthuer

Für Willi Richter war es ein Auftakt nach Maß. Im ersten Saisonpunktspiel erzielte der 32 Jahre alte Vollblutstürmer für seinen neuen Verein Motor Wilsdruff beim SV Wesenitztal das Siegtor zum 1:0. Wer ihn kennt weiß, dass Richter solche Höhepunkte in seiner fußballerischen Karriere einfach benötigt. Denn Höhen und Tiefen kennt der gebürtige Dresdner mehr als genug.

Immerhin gehörte Richter einst zum Kader der zweiten Mannschaft von Dynamo Dresden. Er absolvierte 13 Oberligaspiele und war zweimal als Torschütze erfolgreich. „Es war eine Super-Zeit. Wenn ich die Uhr noch einmal zurückdrehen könnte, wäre sicher einiges in meiner Fußballlaufbahn anders verlaufen“, gibt er unumwunden zu. Dynamo-Fan ist er trotzdem bis heute geblieben. Somit wird er auch das Testspiel der Gelb-Schwarzen gegen den tschechischen Erstligisten Bohemians Prag am Freitagabend (18 Uhr) am Wilsdruffer Landbergweg verfolgen. „Dynamo schauen und am Samstag Weiterkommen.“ In Gedanken ist er auch schon bei seiner Motor-Elf und dem Landespokalfight gegen Landesliga-Aufsteiger FSV Neusalza-Spremberg einen Tag später:

„Hauptsache, die Dynamos machen den Platz nicht so kaputt.“ Grund für Richters Befürchtungen ist das vergangene Wochenende. Beim 1:1 der SG Motor gegen den SV Bannewitz war der Platz in schlechtem Zustand, da zuvor die zweite Wilsdruffer Garnitur ihr Punktspiel ausgetragen hatte. „Wir sind am Donnerstag extra auf den Kunstrasen zum Training ausgewichen. Aber ansonsten ist es hier in Wilsdruff eine feine Anlage, mit einem normalerweise wirklich geilen Rasen“, erläutert Richter auch gleich den Hauptgrund für seinen sommerlichen Wechsel vom idyllisch gelegenen Radebeuler Weinbergstadion ins Wilsdruffer Parkstadion.

Einen Wermutstropfen gibt es allerdings für Richter mit dem Weggang aus Radebeul. Seine Oma Christine kann nun nicht mehr zu jedem Spiel ihres Enkels kommen. Und die 83-Jährige ist wahrlich Richters größter Fan. Selbst in Radebeul beheimatet, war sie bei jedem Heimspiel der Karl-May-Städter dabei. „Nun reden wir aber oft über meine Spiele. Es ist halt eine fußballverrückte Familie. Der Enkel von Omas Cousine ist übrigens der Wolfsburger Bundesliga-Profi Maximilian Arnold“, erzählt Richter.

Gastspiele in Sebnitz und Heidenau

Der ganz große Karrieresprung blieb ihm verwehrt. An so manchem Tiefgang war der nicht immer einfache Zeitgenosse sicher selbst schuld: „Ich habe manchmal auch die falsche Entscheidung getroffen.“ Dabei loben ihn noch immer Trainer, unter deren Fittichen Richter stand, in höchsten Tönen. „Ein Riesenfußballer. Nur eben nicht so leicht zu händeln“, erklärt der heutige Bannewitz-Coach Jens Hieckmann. Unter ihm spielte Richter bei Dynamo Dresden III und schaffte damals den sensationell anmutenden Aufstieg in die Landesliga. In diese Zeit fiel aber auch ein dunkles Kapitel seiner Lebensgeschichte. Seine Mutter verstarb im jungen Alter von 42 Jahren. „Ich war nicht immer einverstanden damit, was Mutti machte. Aber es war eine sehr traurige Erfahrung und hat mich doch mächtig von den Beinen geholt“, erinnert sich Richter, der als Kind mit seinem Onkel auf den Wäscheplätzen der Micktener Hinterhöfe bolzte. Richters fußballerischer Werdegang verlief nach dem dramatischen Verlust holprig. In Bischofswerda sowie in Sebnitz fasste er nie richtig Fuß. „Ich habe nie eine Sportschule besucht, hatte nie irgendeinen Berater. Ich musste mir alles durch Training und Fleiß selbst erarbeiten, mich selbst bei den Vereinen anbieten“, sagt Richter. Das funktionierte nicht immer. Verletzungen warfen ihn zurück. Beim Heidenauer SV landete er nach einer Blessur in der zweiten Mannschaft und wurde trotz vieler Tore nicht mehr in der Ersten berücksichtigt. Trotz eines Muskelfaserrisses wurde er vom BSC Freiberg aufgenommen. Er kämpfte sich heran, saß aber meist nur auf der Bank.

Frustriert wechselte er noch in der Winterpause zum FSV Lohmen, damals noch in der Kreisoberliga zu Hause. Doch beim Skifahren in Oberwiesenthal stürzte Richter schwer und musste mit Rettungsschlitten und Blaulicht von der Piste abtransportiert werden. Die Schultereckgelenkssprengung wurde sofort im Krankenhaus operiert. Wieder musste er eine fußballerische Zwangspause einlegen, wieder kämpfte sich das „Steh-Auf-Männchen“ heran. Vier Spiele absolvierte er noch für Lohmen, erzielte dabei vier Treffer. Den Abstieg konnte er indes nicht mehr verhindern. Über den Radebeuler BC ist er nun in Wilsdruff. Und er fühlt sich wohl. Am Elbepark wohnhaft, ist der Weg über die Autobahn nicht weit. Besonders wenn man mit seiner fast nagelneuen 690er KTM Duke auf zwei Rädern über den Asphalt heizen kann. Halt typisch Willi Richter.