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Montag, 15.10.2012

Dynamo-Fans wollen Stadionnamen kaufen

Der Namensgeber Glücksgas will sich frühzeitig vom Dresdner Stadion zurückziehen. Bei Fans sorgt die Nachricht für Euphorie. Ein großes Hindernis vor dem Kauf besteht allerdings.

Von Juliane Richter

Dass sich die Wege von Dynamo Dresden und dem Stadion-Namensgeber Glücksgas frühzeitig trennen könnten, hat besonders unter den Fans für Aufregung gesorgt. Robert Pohl, Vizevorsitzender der Fangemeinschaft Dynamo, wurde deshalb mehrmals kontaktiert. „Es gibt Ideen, das Geld, was der Sponsor bisher aufgebracht hat, selbst zu sammeln und somit wieder den Namen Rudolf-Harbig-Stadion zu ermöglichen“, sagt Pohl. Auch Dynamo-Stadion sei als Name wieder im Gespräch.

Präsident Andreas Ritter widersprach gestern auf SZ-Nachfrage jedoch Meldungen, wonach die Mitgliederversammlung am 17. November bereits darüber abstimmen soll. „Fakt ist, dass dieses Thema dort zur Sprache kommen wird. Wir beobachten die Diskussion wohlwollend und werden uns kundig machen, unter welchen Bedingungen so etwas möglich wäre“, sagt Ritter. Erst im Dezember 2010 war die Partnerschaft zwischen Dynamo, dem Vermarkter Sportfive, dem Stadionbetreiber und dem Energieversorger Goldgas geschlossen worden. Goldgas wollte mit dem Erwerb der Namensrechte für das Stadion seine Marke Glücksgas bekannter machen. Im Sommer 2011, nach der Frauen-Fußball-WM, wurde der Schriftzug Rudolf-Harbig-Stadion durch Glücksgas-Stadion ersetzt.

Wirklich glücklich über den bis 2015 geschlossenen Vertrag zeigten sich die Fans allerdings nicht. Auch der Mutterkonzern Goldgas zweifelte schnell an der Partnerschaft. Bereits Ende 2011 gab es von dort Bemühungen, den Vertrag zu lösen. In einem Brief an die Vertragspartner hatte sich Goldgas auf „exzessive Fanausschreitungen“ rund um das DFB-Pokal-Spiel in Dortmund berufen (SZ berichtete).

Damals hatte diese Ankündigung in Dresden noch für Aufregung gesorgt. Immerhin ist die Partnerschaft mit viel Geld verbunden. Allein für das Namensrecht zahlt Goldgas nach SZ-Informationen 500000 Euro jährlich. Hinzu kommt ein weiterer sechsstelliger Betrag, der für eine Exklusivpartnerschaft mit Dynamo direkt an den Verein fließt. Umso entspannter reagiert dieser auf die nun getroffene Einigung. Denn: Goldgas zahlt weiter. Sollte ein anderer Interessent auftreten, kann dieser vorzeitig das Namensrecht erwerben. Auch Vermarkter Sportfive zeigt sich zufrieden: „Durch die Vereinbarung mit Goldgas haben wir hier sogar die Chance, zusätzliche Einnahmen zu generieren“, sagt Abteilungsleiter Felix von Löbbecke. Denn der Energieversorger verzichtet bereits auf Werbung an den Banden, den Mundlöchern und auf seine Loge. Für Werbeflächen und Loge hat Sportfive zahlungskräftige Nachfolger gefunden – über finanzielle Details schweigt von Löbbecke jedoch.

Goldgas-Sprecher Heiko Schultze reagiert auf SZ-Anfrage irritiert. Seines Wissens nach halte das Unternehmen in vollem Umfang am Sponsoring in Dresden fest. „Aber, dass wir von Zeit zu Zeit Verträge überprüfen, ist legitim“, so Schultze. In Branchenkreisen wird die Übernahme von Goldgas durch die Luxemburger Fondsgesellschaft bluo im Februar als Grund vermutet, da bluo eine andere Sponsorenpolitik zu verfolgen scheint. Der Idee der Dynamofans, selbst das Geld für das Stadionnamensrecht aufzubringen, sind weder Stadionmanager Hans-Jörg Otto noch Dynamo-Geschäftsführer Christian Müller abgeneigt. „Es ist immer wieder toll, den Enthusiasmus unserer Fans zu spüren. Wir finden die Idee charmant“, sagt Müller.

Robert Pohl von der Fangemeinschaft gesteht kleine Zweifel ein. „Aber die Euphorie rund um Dynamo hat schon vieles ermöglicht, auch vermeintliche Schnapsideen“, so Pohl. Die Hürde liegt bei mindestens einer halben Million Euro – für ein Jahr.

Zudem ist fraglich, ob Verein, Vermarkter und Stadionbetreiber sich auf eine einjährige Partnerschaft einlassen würden, wenn sie auf einen langfristigen Vertrag aus sind. Sportfive sucht indes nach einem Glücksgas-Nachfolger: Felix von Löbbecke ist aufgrund der sportlichen Erfolge und einem steigenden Interesse an Dynamo zuversichtlich.