erweiterte Suche
Montag, 13.08.2018

Dutzende Lehrerstellen sind nicht besetzt

In den Schulen der Region ist die Lage am schwierigsten. Viele starten schon mit Ausfall.

Von Jana Ulbrich

Die Brüder Joel (links) und Collin waren am Sonnabend unter den vielen Schulanfängern in der Stadtregion. Die Zwillinge gehören nun offiziell zur Klasse 1b der Grundschule „Am Park“ in Hoyerswerdas Altstadt. Nach der von den Viertklässlern gestalteten Begüßungs-Zeremonie in der Schulturnhalle ging es für Joel, Collin und ihre Familie zum Feiern ins Restaurant „Olympia“. TAGEBLATT wird in den kommenden Tagen wieder Fotos von nahezu alle Grundschulklassen im Verbreitungsgebiet drucken. Foto: Kolodziej
Die Brüder Joel (links) und Collin waren am Sonnabend unter den vielen Schulanfängern in der Stadtregion. Die Zwillinge gehören nun offiziell zur Klasse 1b der Grundschule „Am Park“ in Hoyerswerdas Altstadt. Nach der von den Viertklässlern gestalteten Begüßungs-Zeremonie in der Schulturnhalle ging es für Joel, Collin und ihre Familie zum Feiern ins Restaurant „Olympia“. TAGEBLATT wird in den kommenden Tagen wieder Fotos von nahezu alle Grundschulklassen im Verbreitungsgebiet drucken. Foto: Kolodziej

Die Situation sei „schwierigst“, so umschreibt es der Leiter des Schulamt-Standorts Bautzen, ohne sich mit konkreten Zahlen zu weit aus dem Fenster zu lehnen. Matthias Peter weiß, dass zum heutigen Schuljahresbeginn nicht alle offenen Lehrerstellen besetzt sein werden: Von den 137 geplanten Neueinstellungen für die Landkreise Bautzen und Görlitz konnte die Schulbehörde bis jetzt nur reichlich die Hälfte realisieren.

Es fehlen unter anderem noch 27 Lehrer an Grundschulen, acht an Förderschulen und 27 an Oberschulen. Und es liegt keine einzige Bewerbung mehr vor. „Wir haben hier überhaupt niemanden mehr, den wir noch ansprechen können“, sagt der Standort-Leiter, nicht einmal mehr Seiteneinsteiger. Seine Mitarbeiter würden derzeit sogar alle diejenigen Bewerber noch einmal abtelefonieren, die angebotene Stellen anderswo in Sachsen abgelehnt hätten. „Und wenn es nur ein Einziger ist, der auf diese Weise doch noch gewonnen werden könnte“, erhofft sich Matthias Peter. An einem Großteil der Schulen kann der Unterricht heute daher nicht in vollem Umfang starten. An Förder- und Oberschulen gibt es von vornherein keinen Ergänzungsbereich mehr. In allen Schularten muss außerdem die Stundentafel im Grundbereich gekürzt werden. Die meisten Abstriche müssen sorbische Schulen hinnehmen, weil der spezielle sorbischsprachige Unterricht nicht mehr wie bisher gehalten werden kann.

Erst im Laufe der vergangenen Woche konnte organisiert werden, dass wenigstens vor jeder Grundschulklasse ein Klassenlehrer stehen wird – gesetzt den Fall, es kommen keine kurzfristigen Absagen oder Krankmeldungen mehr. Auch der Unterricht in den Abschlussklassen und der Abiturstufe soll vorrangig abgesichert werden. Die Situation würde sich aber mit Krankmeldungen täglich weiter verschärfen, sagt Peter. „Wir haben keinerlei Puffer, um in dieser angespannten Lage auch noch Krankheitsfälle ersetzen zu können“, sagt er. Und noch ein Fakt erschwert die Personalsituation an den Schulen der Oberlausitz zusätzlich. Den größten Anteil der Neueinstellungen machen hier Seiteneinsteiger aus, die noch keine grundständige pädagogische Ausbildung haben. Dieses Rüstzeug müssen sie sich erst in einer dreimonatigen Qualifizierung holen, in der sie an den Schulen noch nicht zur Verfügung stehen. Bewerbungen von Lehrern, Lehramtsabsolventen und Referendaren würden auch jetzt noch angenommen und berücksichtigt.