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Montag, 20.03.2017

Dünne Beine, starke Zeiten

Die deutsche Straßenlaufsaison beginnt wieder in Dresden mit dem Citylauf – diesmal so schnell wie lange nicht.

Von Tino Meyer

Die Schuhmode ändert sich, und mit Lisa Hahner gibt es auch eine neue Siegerin.
Die Schuhmode ändert sich, und mit Lisa Hahner gibt es auch eine neue Siegerin.

© Robert Michael

Was für eine Zeit! Bei 28 Minuten und 36 Sekunden stoppt die Uhr. Nicholas Makau reißt erst die Arme nach oben, dann das Zielband. Dazu lächelt der Kenianer etwas gequält. Es hat ihn offenbar genauso angestrengt wie die vielen Freizeitläufer, die an diesem Sonntagmittag für die amtlich vermessenen zehn Kilometer bei teilweise strömendem Regen natürlich viel länger brauchen.

Außerdem weiß er: Mehr als ein Dutzend seiner Landsleute hat allein in diesem Jahr diese Distanz noch schneller absolviert. Doch gewonnen ist nun mal gewonnen. Und 300 Euro gibt es für den Sieg bei der 27. Auflage des Internationalen Karstadt sports Citylaufs noch dazu. „Das war ein hartes Rennen, aber schön“, sagt Makau, der nach einem packenden Finale mit dem Norweger Sondre Moen das bessere Ende für sich hat. Moen, U-23-Europameister von 2011 und tags zuvor direkt aus dem dreiwöchigem Kenia-Höhentrainingslager in Dresden eingeflogen, läuft in 28:40 Minuten ebenfalls eine starke Zeit und verweist zwei weitere Kenianer auf die Plätze.

Schon seit fast drei Jahrzehnten findet mit dem Citylauf der Start in die deutsche Straßenlaufsaison in Dresden statt. Nach einigen Jahren der Um- und Neuorientierung verdient die Veranstaltung nun aber auch wirklich wieder das Prädikat international – und wird zudem dem Motto gerecht, dass auf den Startnummern der insgesamt fast 3 400 Teilnehmer aufgedruckt ist: traditionell, mitreißend, schnell.

Um lediglich 21 Sekunden verfehlt der Sieger den Streckenrekord, datiert aus dem Jahr 2001. Weitere 300 Euro für eine neue Bestzeit hätten die Organisatoren der Laufszene Events GmbH allerdings zu gerne ausgegeben. Schließlich wird auch andernorts genau verfolgt, welche Zeiten auf dem Zwei-Runden-Kurs durch die Dresdner Innenstadt möglich sind.

Ein Lächeln ist dennoch zu sehen bei Reinhardt Schmidt, dem Rennleiter. „Unser überarbeitetes Konzept ist voll aufgegangen. Der Citylauf hat einmal mehr bewiesen, dass es in Dresden einfach riesig läuft“, meint er und verweist auf den Elitelauf, der bei seiner Premiere auf Anhieb 170 Teilnehmer findet, die jene zehn Kilometer unter 40 Minuten (Männer) sowie 45 Minuten (Frauen) schaffen.

Diese Neuerung beschert den Top-Läufern noch mehr Aufmerksamkeit, nämlich rund 2 000 zusätzliche Zuschauer in Person der Freizeitsportler, die nun erst danach im Hauptlauf auf die Strecke gehen. Vor allem aber erhöht diese Trennung die Chance, ohne die Überholmanöver auf der zweiten Runde auch echte Top-Zeiten zu erzielen. „Das war unser Ansinnen. Ich denke, die gelaufenen Zeiten können sich sehen lassen. Und auch die Einführung der Sonderwertung für die German Elite hat sich gelohnt“, betont Schmidt. Damit wolle man gezielt deutsche Top-Läufer und Talente nach Dresden locken, die dann trotz der internationalen Konkurrenz eine Siegchance haben – wenn auch nur in der Sonderwertung.

Profitiert hat davon der Vogtländer Sebastian Hendel, der in 30:18 Minuten auf Platz fünf gelaufen ist und sich damit als bester Deutscher die Prämie in Höhe von 200 Euro sichert. Ihm folgen der Leipziger Marcus Schöfisch, deutscher Marathonmeister von 2016, sowie Marcel Bräutigam aus Erfurt in jeweils 30:28 Minuten.

Eine Premiere gibt es im Frauenrennen, und das im dritten Anlauf. Nachdem sich Lisa Hahner 2015 auf der Strecke verletzte und im Vorjahr kurzfristig erkrankt absagen musste, ist sie diesmal mit 34:24 Minuten die Schnellste. „In Dresden ist es immer wieder schön, und mit einem Sieg noch besser“, findet die 16 Minuten jüngere der Hahner-Zwillinge. Zufrieden ist auch ihre Schwester Anna mit Platz fünf. Nach dem Sehnenabriss, den sie sich beim Olympia-Marathon in Rio zuzog, war der Citylauf ihr erster Wettkampf überhaupt.