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Donnerstag, 12.07.2018

Dresdner Zoo hilft Meißen

Von Peter Anderson

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Tierpark Chef Heiko Drechsler bringt fünf junge Präriehunde aus dem Zoo Dresden im Gehege im Tierpark Meißen unter.
Tierpark Chef Heiko Drechsler bringt fünf junge Präriehunde aus dem Zoo Dresden im Gehege im Tierpark Meißen unter.

© Andreas Weihs

  • Tierpark Chef Heiko Drechsler bringt fünf junge Präriehunde aus dem Zoo Dresden im Gehege im Tierpark Meißen unter.
    Tierpark Chef Heiko Drechsler bringt fünf junge Präriehunde aus dem Zoo Dresden im Gehege im Tierpark Meißen unter.
  • Die jungen Präriehunde machten sich zunächst mit der Umgebung vertraut.
    Die jungen Präriehunde machten sich zunächst mit der Umgebung vertraut.

Meißen. Irgendwie wollte es mit Nachwuchs nicht so richtig klappen. Sonst hat Meißens Tierparkchef Heiko Drechsler in dieser Hinsicht eigentlich häufig ein gutes Händchen. Doch bei den Präriehunden blieben Jungtiere aus. In der Folge schmolz das Völkchen in den letzten Jahren immer weiter zusammen.

Besonders die Kinder unter den Besuchern der Anlage in Siebeneichen äußerten sich wiederholt betrübt über diesen Umstand. Die putzigen Nager mit ihrem gedrungenen Körperbau, dem sandbraunen Fell und dem kurzen Schwanz zählten zu ihren Lieblingen. Besonders wenn sie sich aufrichteten, um etwa an einem Stück Gurke oder Möhre zu knabbern.

Gern hätte Drechsler neue Präriehunde beschafft, doch dafür fehlt das Geld. „Normalerweise ist der Juni immer ein guter Monat, in dem ich ein Plus einfahre “, sagt der gelernte Tierpfleger. Dieses Jahr allerdings habe ihm die Hitze einen Strich durch die Rechnung gemacht. Statt in den Tierpark gingen viele Familien lieber ins Freibad. Kindergarten- und Schulgruppen blieben aus. Die Erzieherinnen hätten ihre Schützlinge nicht der prallen Sonne aussetzen wollen, spekuliert Drechsler. Wieder einmal drohte eine gute Idee am leidigen Geld zu scheitern.

Irgendwann habe er sich dann doch ein Herz gefasst und beim Zoologischen Leiter des Dresdner Zoos Wolfgang Ludwig angerufen. Frisch gewagt war in diesem Fall sogar ganz gewonnen. Ohne große Umschweife habe ihm Ludwig Hilfe zugesagt – und dies sogar noch kostenlos. „Da habe ich mich sehr gefreut“, sagt Drechsler. Für ihn sei das eine ähnliche Konstellation, wie wenn ein großer Bruder seinen kleineren Bruder unterstützt.

Tatsächlich ist in Dresden das Gehege der Präriehunde gut gefüllt. Nicht zwei oder drei Jungtiere, sondern gleich 23 kleine Nager sorgten 2017 für reichlichen Zuwachs in der Schwarzschwanz-Präriehund-Kolonie. Die Gruppe bestehend aus vier Weibchen und fünf Männchen lebt seit Ende September 2016 im Zoo Dresden auf der Außenanlage am Terrarium.

Die Jungtiere wurden Anfang April 2017 in den Erdhöhlen geboren und tummelten sich seit Mitte Mai regelmäßig mit den Elterntieren auf der Anlage.

Präriehunde gehören zur Ordnung der Nagetiere und sind mit Murmeltieren verwandt. Jedoch sind die Nager aus Nordamerika nur halb so groß wie ihre Verwandten. Im Gegensatz zu den Murmeltieren halten Schwarzschwanz-Präriehunde zudem keinen Winterschlaf und wagen sich selbst bei Eis und Schnee ins Freie. Den Namen Präriehunde tragen sie nach den Schreien beziehungsweise dem Bellen, welches sie bei drohender Gefahr ausstoßen.

Am Freitagnachmittag hat Heiko Drechsler die neuen Tierparkbewohner nun nach Meißen geholt. Hier werden sie zunächst viel damit zu tun haben, sich ihre Erdhöhlen einzurichten. Diese bestehen aus einem bis zu drei Meter langen Gang und einer Nestkammer. Die klassische Paarungszeit ist übrigens zwischen Januar bis April. In diesem Jahr dürfte also noch nicht mit Nachwuchs zu rechnen sein.

Für Heiko Drechsler sind die Neuankömmlinge ein Lichtblick in einer eher schwierigen Situation. Ohne Zuschüsse der Stadt kann sich der private Tierparkbetreiber derzeit keine Mitarbeiter leisten. Trotzdem hat er sich entschlossen, zumindest während der Sommerferien werktags von 9 Uhr bis 18 Uhr und am Wochenende von 10 Uhr bis 18 Uhr zu öffnen. Wie es dann ab Mitte August weitergeht, kann er derzeit noch nicht absehen.