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Sonntag, 08.10.2017

Dresdner Forscher wollen Diabetes heilen

In einem großen Therapiezentrum arbeiten künftig alle unter einem Dach. Im Mittelpunkt steht ein winziger Bioreaktor.

Von Jana Mundus

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Ein Forscher-Team in Dresden will einen Bioreaktor entwickeln, der unter der Haut von Diabetes-Patienten das nötige Insulin produziert.
Ein Forscher-Team in Dresden will einen Bioreaktor entwickeln, der unter der Haut von Diabetes-Patienten das nötige Insulin produziert.

© dpa

Dresden. Diabetes ist zur Volkskrankheit geworden. Acht Millionen Menschen leiden in Deutschland an der Zuckerkrankheit. Dresdner Wissenschaftler haben eine Möglichkeit der Heilung gefunden. Ein winziger Bioreaktor, ein künstliches Organ, wird Patienten dafür unter die Haut implantiert. Er sorgt für die Insulinproduktion, die bei Diabetes gestört ist. Für die Weiterentwicklung des Systems bekommen die Forscher nun ein neues Gebäude.

Bund und Länder investieren dafür über 30 Millionen Euro. Das geplante Therapiezentrum der Medizinischen Fakultät der TU Dresden ist einzigartig in Deutschland. Erstmals sollen Mediziner, Zellbiologen, Ingenieure und Materialwissenschaftler unter einem Dach zusammenarbeiten. Gemeinsam erforschen sie dort neue Technologien für die Behandlung von Diabetes und anderer Stoffwechselerkrankungen wie beispielsweise der Leber und des Herz-Kreislauf-Systems. Auch die Frage, wie die Entstehung solcher Erkrankungen in Zukunft verhindert werden kann, steht bei ihrer Arbeit im Mittelpunkt.

Wichtig dafür ist es, die Risikofaktoren zu kennen. Erstmals sollen deshalb die verschiedensten Informationen von Patienten zusammengetragen werden. Proben aus Gewebe, Blut, Urin und anderen Körperflüssigkeiten werden mit hochmoderner Technik analysiert. Daraus entsteht ein genaues Bild der Stoffwechselerkrankungen. Mit dessen Hilfe soll es bald möglich sein, das Risiko, an ihnen zu erkranken, möglichst frühzeitig zu erkennen.

Sind Patienten bereits krank, müssen sich die insulinproduzierenden Zellen in ihrer Bauchspeicheldrüse erholen. Das Hormon Insulin ist wichtig, denn es senkt den Blutzuckerspiegel. Wie solch ein Erholen gelingt, schauen sich die Forscher ebenfalls an. Es geht um die Rolle, die das Immunsystem und Fettablagerungen an Organen dabei spielen. Oder die Frage, wie die Darmflora ein Erneuern der Zellen beeinflusst, erklärt Medizinprofessor Stefan Bornstein, Sprecher des neuen Zentrums.

Wichtigste Entwicklung ist der Bioreaktor. In die fünf Zentimeter kleine Kammer werden insulinproduzierende Spenderzellen gesperrt und durch Sauerstoff am Leben erhalten. Rundherum ist eine Membran. Ähnlich dem Prinzip einer Regenjacke kommt Insulin nach draußen, die Immunzellen aber nicht von außen an die fremden Zellen heran. „In fünf bis zehn Jahren soll das System für Patienten verfügbar sein“, sagt Bornstein.

Gebaut wird das Gebäude mit dem Namen „Zentrum für metabolisch-immunologische Erkrankungen und Therapietechnologien Sachsen“ an der Fiedlerstraße, also in direkter Nachbarschaft des Medizinisch-Theoretischen Zentrums der TU Dresden.

Leser-Kommentare

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Insgesamt 10 Kommentare

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  1. Karl

    Wir können hier sehen, wie in die Zukunft Sachsens investiert wird. Solche Projekte (finanziert durch EU, Bund, Land) helfen Sachsen und Dresden sehr. So schlecht ist dann die EU wohl nicht, wenn sie Millionen nach Sachsen pummt. Langfristig werden so Arbeitsplätze geschaffen, Innovation hergestellt und eine Anziehungskraft für Firmen und Menschen generiert. Aus diesem Grund gebe ich allen AFD-Wählern zu bedenken, ob es das ist, gegen was sie protestieren? Sachsen bekommt Millionen uach von der EU und eine langfristige positive Zukunftsperspektive. All das sollte man auch mal sehen und nicht immer NUR meckern!

  2. Radebeuler

    So sieht es aus. Nur leider kapieren das die Brüllaff... pardon Wutbürg... pardon Besorgtbürger nicht. Nach deren Logik ist nur gut, was Grenzen, Mauern und Einheitsbrei schafft. Lieber eine homogene Bevölkerung, die von Landwirtschaft lebt, als eine pluralistische internationale Gesellschaft, welche sich durch wissenschaftlichen und kulturellen Austausch, Innovation und wissenschaftlichen Erfolgen kennzeichnen. Die entsprechenden Argumente kann sich heute, wie jeden Montag, jeder bei Lutz Bachmann und Co. abholen. --- Jedenfalls finde ich es gut, dass unabhängig von den 30% Bevölkerung eine progressive Gesellschaft gestaltet wird. Arbeitsplätze mit hohen Qualifizierungsansprüchen locken evtl. geistig patente Leute an und motiviert die hiesige Bevölkerung zu mehr Bildung und Wissen. Ohne gesellschaftliche Fluktuation geht es nicht. Natürlich sollte die sächsische Landespolitik die Bemühung von Bund und EU unterstützen. Hier verweise ich auf die leidige Bildungsmisere in Sachsen.

  3. freeze

    @ Karl: Es ist aussichtslos, den AfD-Wählern, besorgten und Wutbürgern aufzugeben diese Zusammenhänge zu erkennen und Hintergründe zu verstehen. Für diesen Personenkreis ist der Weg des geringsten Widerstands, sich in die Lebenslüge zu flüchten, "die da oben" sind an allem Schuld und arbeiten nur zum eigenen Vorteil, der "Volkswille" wird ignoriert; wir sind die Guten, die Politiker in Berlin und Brüssel die Bösen. Wenn durch Subventionen aus Brüssel Arbeitsplätze entstehen, wird das der eigenen Schaffenskraft zugeschrieben. Für scheinbar nachteilige Entwicklungen sind aber die Eliten schuld. Der Mensch braucht die Illusion, auf der guten Seite zu stehen. Das ist der Lebenssaft für populistische Umtriebe...

  4. L.T.

    @freeze ... Subventionen aus Brüssel ... Schenkelklopfer ... Wer ist einer der größten Nettozahler der EU? Na, dämmerts?

  5. Karl

    @Radebeuler und @freeze: Das wäre traurig, wenn dem so wäre. Evtl. kann auch die SZonline hier in Zukunft deutlicher werden und gezielter kommunizieren, indem es auch die positiven Aspekte der EU-Mitgliedschaft herausstellt und das insbesondere für Sachsen. Wie es eben sehr gut in diesem Artikel dargelegt ist.

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