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Dienstag, 22.03.2016

Dresdner empört über Geländerposse

Kaum ist der Haltepunkt Bischofsplatz fertig, schon muss wieder abgerissen werden. Dem Prüfer waren die Geländer auf einem Sockel zu gefährlich.

Von Peter Hilbert und Patrice Fischer

21 Die Geländerpossen von Dresden

Kinder vertreiben sich die Wartezeit auf dem neuen Haltepunkt Bischofsplatz. Der Sockel unterm Geländer lädt zum Besteigen ein. Deshalb muss jetzt ein höheres Geländer angebaut werden.
Kinder vertreiben sich die Wartezeit auf dem neuen Haltepunkt Bischofsplatz. Der Sockel unterm Geländer lädt zum Besteigen ein. Deshalb muss jetzt ein höheres Geländer angebaut werden.

© Anja Schneider

Für ungläubiges Kopfschütteln sorgt derzeit das neue Geländer am Haltepunkt Bischofsplatz. Der ist seit Sonntagnachmittag freigegeben. Rings um die Treppe zum Bahnsteig steht nicht nur das neue Metallgeländer, sondern ein weiteres, noch höheres aus dicken Bohlen. Das ist fest an den Stahlstreben verzurrt. Diese Notkonstruktion wurde schnell montiert, da das neue Geländer zu niedrig sein soll.

Die Geländerpossen von Dresden

„Schon wieder wird hier Geld sinnlos rausgeschleudert“, empört sich Carolin Neumann, die auf die S-Bahn wartet. Im Blick hat sie dabei auch die neuen Doppel-Geländer an der Albertbrücke. „Hier würde ich meine Kinder nicht herumtollen lassen“, sagt die 31-Jährige. Neben ihr wartet Rentner Hans Prützmann, der ungläubig auf die Geländer schaut. „Kaum fertig, schon Mängel. Da wird so viel Geld in den Sand gesetzt“, schimpft der 79-Jährige.

Ein mulmiges Gefühl hat auch Caroline Graf. Ihre Töchter fahren zwar von der Schule mit der Straßenbahn nach Hause. „Wenn sie jedoch bei einem Schulausflug den Zug nehmen müssten, hätte ich Angst um meine Mädchen“, sagt die 37-Jährige. „Der Sockel lädt doch regelrecht ein, darauf herumzuturnen.“

Wie konnte es so weit kommen? In der vergangenen Woche ist die Station Bischofsplatz von Experten abgenommen worden. „Im Zuge dieser Abnahmen wurde die Geländerhöhe bemängelt und die Auflage erteilt, das Geländer zu erhöhen“, erklärt eine Bahnsprecherin. Die Auflage habe die Deutsche Bahn nun zu erfüllen. So schnell wie möglich wird das alte Geländer abgerissen und ein höheres angebracht.

Laut der Richtlinie muss das Geländer eine Mindesthöhe von einem Meter haben. Das am Bischofsplatz ragt auf seinem Betonsockel mit 1,10 Metern sogar höher empor. Das Stahlgeländer misst aber nur 80 Zentimeter. Nach Auskunft eines Bauexperten, der oft solche Geländer plant, ist das an vielen deutschen Haltepunkten so gelöst. „Hier geht es um einen Grenzfall“, sagt die Bahnsprecherin. „Das Geländer wurde von der Bahnsteigoberfläche aus in der erforderlichen Höhe geplant und ausgeführt.“ Bei der Abnahme sei festgestellt worden, dass ein Risiko besteht. So könnten Kinder auf den Sockel steigen. „Aus diesem Grund haben wir uns entschlossen, das Geländer noch einmal umzubauen.“

Leser-Kommentare

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Insgesamt 21 Kommentare

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  1. HUGO

    Ja, Mutti Caroline Graf, die Bahnanlagen sind auch kein Spielplatz. Das muss mna auch den Kindern erklären. Auch auf die Wagen darf man nicht klettern, denn dort lauert der Stromschlag. PS: Spielplätze mit Klettergerüsten sind übrigens auch nicht ungefährlich.

  2. Aleister Crowley

    @HUGO: Finn-Torben und Anna-Magdalena dürfen doch nicht in ihrer freien Entfaltung eingeschränkt werden, elterliche Erziehung wäre da ein Hindernis.

  3. JulesWDD

    Na immerhin bleiben die Haltestellen entlang der Wilsdruffer Straße (am Ende zum Postplatz) völlig ohne Absperrung oder Geländer zur Fahrbahn ... :-) ... Im Übrigen: Nicht jedes nicht so tolles, nicht so schönes und nicht so idiotensicheres Geländer ist gleich ein Skandal. Und nein: Nicht die "Dresdner" sind "empört" über dieses Geländer - sonst wäre ich es ja auch, das sind gemäß des Artikels einmal eine Rentnerin (die wird wohl nicht darüber klettern und eine "Mutti", deren Kind diese Haltestelle angabegemäß gar nicht nutzt ... wow ... :-)

  4. Horst

    Gottseidank! Ich bin in der DDR groß geworden. Heute greif ich mir nur noch an den Kopf....

  5. Docci

    Wie wärs, auchgleich die Elbe einzuzäunen, mindestens 2m hoch (Kinder werden ja immer größer). Beim Dresdner Schiffl zum gucken dachte ich mich trifft der Schlag: die lieben Kleinen spielen bei reißender Strömung (ja, kann sogar ein Schiff in Bedrängniss bringen) 10cm vom Wasser entfernt oder laufen mit Anlauf auf die Elbe zu usw. Das Problem sind nicht die Geländer oder die Kinder. NEIN es sind die Eltern, die ihren Kindern keinerlei Bewußtsein für Gefahr mehr vermitteln. Da wird auch kein Geländer hoch genug sein. Nur gut, dass nicht alle Eltern so sind.

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