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Mittwoch, 19.09.2018

Dresdens neuer Fernbusbahnhof

Die Zentralhaltestelle am Wiener Platz könnte ein Hochhaus erhalten. Die Stadt sucht nach Investoren.

Von Sandro Rahrisch

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Blick vom Wiener Platz zur Budapester Brücke: Der Busbahnhof soll zwischen einem Fahrradparkhaus und einem geplanten Hochhaus sein.
Blick vom Wiener Platz zur Budapester Brücke: Der Busbahnhof soll zwischen einem Fahrradparkhaus und einem geplanten Hochhaus sein.

© Visualisierung: Knerer und Lang

Vom Eiffelturm über die Dächer von Paris schauen, schlemmen im berühmten Wiener Café Sacher oder gemütlich durch den Kopenhagener Tivoli-Park bummeln: Europas Metropolen scheinen ein Stück näher an Dresden herangerückt zu sein, seitdem Fernbusse fahren. So richtig eingestellt hat sich die sächsische Landeshauptstadt auf den Bus-Boom aber bis heute nicht. Der Verkehr in der Bayrischen Straße ist mitunter chaotisch. Der Traum von einem richtigen Fernbusbahnhof ist allerdings noch nicht ausgeträumt. In München geht die Stadtverwaltung nun auf die Suche nach einem Investor.

Weshalb sucht die Stadt überhaupt nach einem Geldgeber?

Auf der Westseite des Wiener Platzes, zwischen Hauptbahnhof und Budapester Brücke, soll ein Fernbusbahnhof entstehen. Das hatte der Stadtrat letzten Herbst beschlossen. Jedoch will Dresden die zentrale Haltestelle weder selbst bauen noch betreiben. Deshalb hat sie das Grundstück, den Bau und Betrieb des Busbahnhofs sowie die Bewirtschaftung eines Fahrradparkhauses zum Hauptbahnhof hin in der vergangenen Woche ausgeschrieben. Bei Interesse könne das Fahrradparkhaus, das derzeit noch auf kommunaler Fläche geplant ist, gleich mit gebaut werden. Die Ausschreibung wird im Oktober auf der Immobilienmesse Expo Real in München vorgestellt, auf der man auch schon Investoren für das inzwischen gestopfte Wiener Loch und den Ferdinandplatz gesucht hatte.

Wie soll der neue Fernbusbahnhof am Wiener Platz aussehen?

An das Fahrradparkhaus, schräg gegenüber des Königspavillons, soll sich der Fernbusbahnhof anschließen. In einer Machbarkeitsstudie für das Stadtplanungsamt hat das Dresdner Architekturbüro Knerer und Lang vier Vorschläge erarbeitet, wie dieser gestaltet werden könnte. Variante eins und zwei sehen zehn Parkbuchten vor, die wie ein Kamm angeordnet sind. Auf Säulen könnten darüber zwei Geschosse gesetzt werden, in denen Büros oder Hotelzimmer eingerichtet werden. Auch Variante drei rechnet zu ebener Erde mit zehn Buchten für Busse. Allerdings soll darüber lediglich ein Parkdeck gebaut werden. Büro- oder Hotelräume könnten dagegen in einem separaten, fünfgeschossigen Kopfbau zur Budapester Brücke hin entstehen. Einen Kopfbau sieht ebenfalls der vierte Vorschlag vor, jedoch mit insgesamt 13 Geschossen, während der Fernbushalt davor die Form eines Pavillons mit begrüntem Dach erhalten würde. In jedem Fall müssten die Fahrgäste nicht mehr im Regen stehen, während sie auf ihren Bus warten. Ein Imbiss, Toiletten sowie Ticketschalter sind in allen Varianten inbegriffen.

Ist ein Fernbusbahnhof im Zentrum denn dringend nötig?

Die Haltestellen an der Bayrischen Straße sind keine Lösung auf Dauer. An beiden Fahrbahnrändern parken Busse, in zweiter Reihe halten Laster und beliefern die Bahnhofsgeschäfte mit Waren, dazwischen fädeln sich Autos durch, und Fahrgäste versuchen, auf die andere Straßenseite zu gelangen. Die Situation ist für alle Verkehrsteilnehmer gefährlich. Laut Stadt fahren inzwischen um die 90 Busse täglich vom Dresdner Hauptbahnhof ab. Macht in der Woche 630 Abfahrten mit Tausenden Passagieren, für die es an dieser Stelle weder ein Dach über dem Kopf noch Sitzbänke gibt, während sie auf ihren Bus warten. Alternative Standorte sind zwar untersucht worden, darunter der Flughafen, freie Flächen am Elbepark oder der Platz vorm Neustädter Bahnhof. Doch mal waren diese zu weit ab vom Schuss, mal mangelte es schlichtweg an genügend Platz.

Was genau verlangt die Stadt von Investoren, die Interesse haben?

Zuerst einmal Geld, nämlich für das etwa 4 800 Quadratmeter große Grundstück, das sie selbst vor vielen Jahren gekauft hatte. Als Mindestgebot hat die Stadt eine Million Euro veranschlagt. Außerdem verpflichtet sie den Investor, sowohl das Fahrradparkhaus als auch den Busbahnhof für mindestens 15 Jahre zu betreiben.

Wann könnten die Dresdner erstmals vom Wiener Platz abfahren?

Zunächst einmal haben interessierte Investoren bis Ende Februar Zeit, ihr Angebot einzureichen. Dieses muss ein grobes Betriebskonzept beinhalten. Außerdem sollen die Bieter nachweisen, dass sie genug Geld haben und schon Erfahrungen mit ähnlichen Projekten sammeln konnten. In einer ersten Stufe werden alle geeigneten Bewerber ausgewählt. Anschließend haben sie die Chance, ihr Konzept zu konkretisieren. Erst danach wird das Grundstück verkauft – wenn alles gut läuft, passiert das im kommenden Jahr. Dann wäre es an dem Investor, seine Pläne schnellstmöglich umzusetzen. Eine Bauzeit von etwa zwei Jahren wäre wahrscheinlich, sodass der Dresdner Fernbusbahnhof allerfrühestens 2021 fertig wäre.

Leser-Kommentare

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Insgesamt 10 Kommentare

Alle Kommentare anzeigen

  1. S.T.

    Wie will man ein Busunternehmen wie Flixbus dazu bewegen, in einen Bahnhof zu fahren, der ja sicherlich Gebühren kostet? Der Bus kann doch auch wo anders halten und die Leute ein- und aussteigen lassen.

  2. kf

    @1: Da braucht man niemanden dazu zu bewegen. Wenn ein vernünftiger Busbahnhof da ist wird der auch genutzt, siehe z.B. ZOB Berlin. Warum man aber noch bis 2021 brauchen will verstehe ich nicht. 2 Jahre Bauzeit für einen simplen Busbahnhof? In der Zeit kann man ganze Flughäfen hinstellen(außer in Berlin...).

  3. abc

    @1: Ich gebe zu Bedenken, daß vor garnicht mal allzulanger Zeit BerlinLinienbus nicht mehr am Neustädter Bahnhof halten durfte, weil die Genehmigung dafür ausgelaufen war. Also gibt es eine gesetzliche Regelung. Somit erhalten die Busunternehmen nur noch die Genehmigung für den Busbahnhof.

  4. schulmeister

    Hallo, liebe Freunde des gepflegten Feierabendbieres. Macht Euch doch auch eins auf! Irgendwann kommt schon ein Busbahnhof, nur nichts überstürzen. Wir sind hier in der beschaulichen Provinz, da ist Hektik völlig fehl am Platze. Und immer dieser Sarkasmus, so mit Flughafen und so ......

  5. Kulturbeflissener

    Bezüglich Busbahnhof in Dresden würde ich in der Zeitung gern erst dann wieder etwas lesen, wenn die Überschrift lautet "Gestern wurde der Busbahnhof feierlich eröffnet". Nur so wüsste man mit Gewissheit, dass sich in Sachen Busbahnhof tatsächlich mal etwas getan hat.

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