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Samstag, 13.01.2018

„Dresden ist ein Kraftakt“

Zu wenig regional? Zu wenig international? Kulturmanager Hans-Joachim Frey erklärt, was der Semperopernball aus seiner Sicht leisten muss.

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Vertraute von ihm sagen: Hans-Joachim Frey sei gedanklich immer einen Schritt weiter als andere.
Vertraute von ihm sagen: Hans-Joachim Frey sei gedanklich immer einen Schritt weiter als andere.

© Sven Ellger

Hans Joachim Frey fliegt durch die Welt, wie andere Leute Straßenbahn fahren. Derzeit liegen seine meist benutzten Haltestellen in Deutschland und Russland: Dresden, weil der nächste Semperopernball kurz bevorsteht. Sotschi, weil der Kulturmanager und ehemalige Direktor der Semperoper am Schwarzen Meer ein riesiges Kultur-, Festival- und Bildungszentrum aufbaut. Was hier wie da schön, schwer, spannend und überraschend ist, darüber spricht der 52-Jährige mit der Sächsischen Zeitung.

Herr Frey, seit Anfang des Jahres sind Sie dafür zuständig, aus dem Olympiapark der Winterspiele 2014 ein Kulturzentrum zu machen. Bleibt da noch
Zeit für den Semperopernball?

Hans-Joachim Frey: Mir liegt der Semperopernball so am Herzen, dass Zeit kein Problem sein kann. Natürlich ist in Sotschi viel zu tun, wir entwickeln dort ein riesiges Zentrum für die Nachwuchsförderung in Kunst und Wissenschaft. Dorthin sollen zum Beispiel monatlich 1 000 Kinder kommen und eine erstklassige Ausbildung in Mathematik, Schach, Eislauf, Instrumentalunterricht, Komposition, Bildender Kunst und Ballett erhalten. Es entstehen Laboratorien, Ateliers, Ausstellungshallen, Seminar- und Konferenzräume. Wir haben schon begonnen, mit 20 Konzerten Leben in den Kultur-Park zu bringen. Dieses Jahr sind 40 Konzerte geplant.

Wie steht es um die Planung
des 13. Semperopernballes?

Wir haben gerade mit Lufthansa-Chef Carsten Spohr den dritten Preisträger des
St. Georgs Ordens verkündet. Weitere folgen. Auf dem Open-Air-Ball wird in diesem Jahr mehr denn je los sein. Dazu zählt das Konzert von Max Giesinger, und auch der Kreuzchor tritt wieder auf.

Die Dresdner erwarten prominente
Gäste. Verraten Sie ein paar Namen?

Ich kann sagen, dass sich Roland Kaiser mit seiner Tochter als Ballgast angekündigt hat, auch Roberto Blanco und Patrick Lindner. Außerdem kommt der Nationaltrainer der russischen Fußballmannschaft. Stanislaw Tschertschessow hat seine Karriere bei Dynamo Dresden begonnen und war von 1993 bis 1995 ein sehr beliebter Torhüter. Nun findet die nächste Fußball-Weltmeisterschaft in seiner Heimat statt. Aus diesem Anlass inszeniere ich am 14. Juli im Moskauer Bolschoi Theater eine große Eröffnungsgala.

Ist es schwer, große Prominenz
nach Dresden zu holen?

Um es drastisch auszudrücken: Ich muss jeden prominenten Gast mit der Schubkarre nach Dresden bringen. Iris Berben hat mir vor drei Jahren gesagt, sie komme nicht dorthin, wo Pegida marschiert. Inzwischen mag die Bewegung abgeebbt sein, dafür gibt es eine starke AfD. Dresden ist ein Kraftakt. Die Anstrengung, bedeutende Besucher in die Stadt zu bringen, ist hier deutlich größer als woanders. Trotzdem kämpfen wir um den Spagat zwischen nationalem und internationalem Anspruch. Der Semperopernball ist in Dresden zu Hause, aber er soll weit darüber hinaus wirken und tut es auch. Nur zum Vergleich: Die Bambi-Veranstalter zahlen bis zu siebenstellig an internationale VIPs. Wir als kleiner Verein müssen bis zu fünfstellige Beträge aufbringen. Die Eintrittspreise des Semperopernballes sind höher als beispielsweise die des Leipziger Opernballes, aber wir tragen auch höhere Kosten. Wir zahlen Miete an die Semperoper und der Freistaat und die Stadt Dresden kaufen jeweils einen Tisch – das ist die ganze Zuwendung. Als Veranstalter hat man immer die Wahl, Prominenten entweder ein tolles Angebot machen zu können oder Geld zu zahlen.

Der St. Georgs Orden ist
Ihr tolles Angebot?

Ja. Wir haben mit ihm einen künstlichen Anreiz geschaffen, der inzwischen sehr gut funktioniert. Die Verleihung des St. Georgs Ordens trägt die Idee, Menschen zu ehren, die gegen Schweres, Böses und Vernichtendes ankämpfen und gegen den Strom schwimmen. Dafür ist er zu Recht beliebt.

Trotzdem gibt es auch Kritik, weil
vermeintlich zu wenige Persönlichkeiten aus der Region geehrt werden.

Das sagt mir: Der Orden wird ernst genommen. Wir zeichnen jedes Jahr mindestens eine Person aus, die Dresden und Sachsen besonders verbunden ist. Dazu gehören Kurt Biedenkopf, Gunther Emmerlich, Wolfgang Stumph, Ludwig Güttler, Roland Kaiser, Michael Ballack und in diesem Jahr die Paralympics-Siegerin Christiane Reppe. Doch wir müssen auch nationale und internationale Preisträger haben. Sie bringen die weitreichende Aufmerksamkeit, die der Semperopernball braucht und die Dresden nötig hat: positive Bilder, die es am 26. Januar wieder geben wird.

Das Gespräch führte Nadja Laske.

Die Sächsische Zeitung verlost einmal zwei Freikarten für den 13. Semperopernball am 26. Januar 2018. Die beiden Sitzplätze im vierten Rang haben einen Gesamtwert von 1 100 Euro. Dafür bitten wir um eine kleine Mühe: Schreiben Sie uns entsprechend des diesjährigen Ball-Mottos „Magisches Dresden – Der Ball bringt Glück“: Was war für Sie der glücklichste Moment des letzten Jahres. Ihre Antwort senden Sie bitte mit dem Betreff „Glück“ an [email protected] Einsendeschluss ist Sonntag, 18 Uhr. Viel – Glück!

www.semperopernball.de

Leser-Kommentare

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Insgesamt 21 Kommentare

Alle Kommentare anzeigen

  1. Roba

    Frey, der eingebildet omnipotente Parvenue Dresdens, mit dem sich trefflich inhaltsleer ("künstlichen Anreiz") werben lässt ?

  2. kein Fan

    Bleibt zu erwähnen das auch Herr Putin den St.Georgs-Orden empfangen hat. Insofern sollte man sich überlegen ob es tatsächlich eine Auszeichnung ist.

  3. Berg

    Erstens: den St.-Georgs-Orden vergab man auch an VW-Winterkorn (2013), der danach ordentlich ins Abseits geriet. - Im übrigen fehlen beim Dresdner Semperopernball Dresdner Gesichter. Doch welchen Dresdner vermissen wir da aus Wirtschaft, Medien, Kunst, Musik, Politik, Sport, Wissenschaft eigentlich? Mir fällt gar keiner ein......

  4. Carsten

    Wenn ich das schon wieder lese, Semperopernball. Wer, ausser die Selbstverliebten Promis die zum schaulaufen dort aufschlagen, braucht so etwas nur.

  5. Martin Schmidt

    Mir ist dieser Semperoperball sowas von egal. Aber dass man Geld an sogenannte "Promis" bezahlen muss, damit die herkommen... schon richtig, dass es keine oder fast keine Steuergelder dafür gibt!

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