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Donnerstag, 26.05.2016 Schnelle Bahnverbindung

Dresden–Berlin kommt noch später

Mit Tempo 200 sollen die Züge auf der Strecke nun erst ab Ende 2020 fahren. Schuld ist diesmal die Sicherheitstechnik.

Von Michael Rothe

Die Signale für eine schnelle Bahnlinie Dresden–Berlin stehen auf rot.
Die Signale für eine schnelle Bahnlinie Dresden–Berlin stehen auf rot.

© dpa

Dresden. Neue Hiobsbotschaft für die überfällige schnelle Bahn von Dresden nach Berlin: Der Ausbau für ein Tempo von 200 Stundenkilometern verzögert sich um weitere zwei Jahre. Ein Bahnsprecher bestätigte entsprechende SZ-Informationen. Demnach wird sich die Fahrzeit auf der Hauptstadttrasse erst im Dezember 2020 von derzeit 116 auf 102 Minuten verkürzen.

Grund sei die Umrüstung auf das neue europäische Zugbeeinflussungssystem ETCS. Das seit 1975 in Deutschland eingesetzte Vorgängersystem lasse sich nicht mehr erweitern. Um den Zwischenschritt von 160 km/h ab Ende nächsten Jahres zu halten, werde dennoch zunächst konventionelle elektronische Stellwerkstechnik eingebaut – und parallel die Entwicklung des für mehr Tempo vorgeschriebenen neuen Standards vorangetrieben, so der Bahnsprecher. Doch das koste Zeit.

Zuvor soll es wie geplant ab August eine 15-monatige Vollsperrung geben, während der auf 73 Kilometern Gleise, technische Anlagen und Stationen modernisiert sowie 18 beschrankte Bahnübergänge durch Straßenbrücken ersetzt werden. Dafür wollen Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU), Bahnchef Rüdiger Grube sowie Vertreter beteiligter Bundesländer und der EU am kommenden Montag den ersten Spatenstich setzen.

Zwar verkürzt ein Ausbau von Tempo 160 auf 200 km/h die Reisezeit nur um weitere fünf Minuten. Dennoch ist der neuerliche Verzug ein Politikum. Schließlich brauchen Schnellzüge auf der Strecke derzeit länger als vor dem Zweiten Weltkrieg mit Dampfloks. Das 1995 beschlossene Ausbauprojekt sollte ursprünglich 2008 beendet sein. Doch immer wieder gab es Verzögerungen, woraufhin Bahnchef Grube das Vorhaben 2012 zur Chefsache erklärte.

Ein Knackpunkt sind die Bahnübergänge in Brandenburg. Die Kommunen in Brandenburg konnten oder wollten ihren Finanzierungsanteil nicht aufbringen. Laut Bahn (DB) ist der Streit vom Tisch. Dafür gibt es neuen Ärger in Sachsen: Großenhain wehrt sich gegen eine veränderte Trassenführung im Stadtpark und die damit verbundene Lärmbelästigung.

Das gesamte Projekt kostet über eine Milliarde Euro. Von veranschlagten 575 Millionen Euro für die erste Baustufe wurden laut DB bis Ende 2015 etwa 165 Millionen ausgegeben. Die Kosten für die zweite Stufe – im neuen Bundesverkehrswegeplan fixiert – werden ähnlich taxiert. Hinzu kommen Kosten für die „Dresdner Bahn“, einen 16 Kilometer langen Abschnitt im Berliner Stadtteil Lichtenrade. Die von Anwohnern bekämpfte Abkürzung brächte noch zehn Minuten Ersparnis und den Stundentakt. Wann, das sagt niemand offiziell. Wohl frühestens in zehn Jahren.