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Donnerstag, 17.05.2018

Drei Rocklegenden auf der „kleinen Waldbühne“

Von Frank Oehl

Was ist das Besondere am Ostrock? Es ist die Kollegialität der Akteure. Davon wird man sich am 19. Mai, also am jetzigen Sonnabend, auf der Hutbergbühne Kamenz überzeugen können. Das spürte man, als Toni Krahl, Claudius Dreilich und Dieter „Maschine“ Birr vor Ort zum Pressefrühstück geladen hatten. Die Frontmänner der berühmten DDR-Rockbands City, Karat und Puhdys plauderten bei bester Laune über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Und die Quelle ihrer schier unerschöpflichen Vitalität. Maschine: „Das ist kein Geheimrezept: Leidenschaft hält fit!“

Und sie hält auch die Fans bei Laune. Vor allem in und um Kamenz, wo die Puhdys bis zu ihrer endgültigen Abdankung vor zwei Jahren auf der Hutbergbühne quasi ihr „Wohnzimmer“ hatten. Teilweise mit Doppelkonzerten wurde ein Vierteljahrhundert lang zu Pfingsten der Kamenzer Hausberg zum Beben gebracht. Das mit dem „Puhdys-Wohnzimmer“ gilt nun nicht mehr, aber dafür hat Ralf Hennig, Geschäftsführer der Firma Multiart aus Berlin-Hoppegarten, gleich eine neue Dachmarke mitgebracht: „Die Hutbergbühne ist für uns die «kleine Waldbühne».“ Der Vergleich mit der Bundeshauptstadt würdigt dabei auch die mehr als eine Million Euro, die Kamenz in den letzten Jahren in den Halbrund-Ausbau gesteckt hat. Und Weiteres ist angekündigt. Demnächst wird der Backstagebereich zweckmäßig erneuert und mit einer Containerfläche versehen.

Enthusiastisches Miteinander

Das Konzept der Rocklegenden-Live-Tournee ist jedenfalls nicht sehr alt. Sie ging 2014 erstmals über die Bühne und erlebte 2016 eine noch erfolgreichere Neuauflage. Tournee-Manager Ralf Hennig: „Wir bieten keines der üblichen Festivals, wo eine Band durch die nächste sozusagen von der Bühne geschoben wird. Bei uns geht es um enthusiastisches Miteinander, leidenschaftliches Zusammenwirken, ungeahnte Duette, spannende Konstellationen.“ Bis zu 17 Musiker stünden gleichzeitig auf der Bühne, was auch für Licht und Mischpult eine riesige Herausforderung sei. Damit den Fans in fast drei Stunden Non-Stop-Konzert etwas Unvergessliches geboten werden kann, wie es heißt.

Wobei der gegenseitige Respekt der Musiker, die zusammengerechnet etwa 60 Millionen verkaufter Alben repräsentieren, auch genreübergreifend funktioniert. Das dürfte vor allem am diesjährigen Special-Guest liegen: Matthias Reim („Verdammt, ich lieb dich“) balanciert seit Jahren mit großem Erfolg auf dem schmalen Grat zwischen Rock, Pop und Schlager. Maschine: „Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal Reim-Songs singen werde, aber das funktioniert sehr gut, wenn sie etwas rockiger arrangiert sind.“

Aber natürlich werden zu Pfingsten auf der Hutbergbühne vor allem Ostrock-Titel zu hören sein. In noch nie gehörter Interpretation. Zum Beispiel, wenn Silly-Gitarrist Uwe Hassbecker, der ja mit zur Maschine-Projektband gehört, selbst zur Violine greift, um sich mit Georgi Gogow von City ein beeindruckendes Geigen-Battle zu liefern. Und zu welchem Titel? Natürlich fällt einem da nur „Am Fenster“ ein.

Matze Reim jedenfalls freue sich sehr auf Pfingsten, versicherten die drei Rocklegenden auf den Hutbergbühnen-Traversen. „Eine solche Atmosphäre wie auf unserer Tournee habe er noch nie erlebt, hat er uns mal verraten“, bestätigt Hennig. Vor allem das gemeinsame Musizieren und die besondere Interaktion mit dem Publikum kannte er so nicht. Typisch Ostrock eben ...