erweiterte Suche
Donnerstag, 09.03.2017

Drei neue Stolpersteine in Görlitz

Erinnert werden soll damit an eine jüdische Familie, die auf der Elisabethstraße ein Fotoatelier hatte, und an einen katholischen Geistlichen.

Von Daniela Pfeiffer

Auf der Jakobstraße 31 in Görlitz hat Stolperstein-Erfinder Gunter Demnig zuletzt gearbeitet. Ende Mai kommt er erneut in die Stadt – mit neuen Steinen.
Auf der Jakobstraße 31 in Görlitz hat Stolperstein-Erfinder Gunter Demnig zuletzt gearbeitet. Ende Mai kommt er erneut in die Stadt – mit neuen Steinen.

© Archivfoto: Pawel Sosnowski

Görlitz. Mutter und Sohn wird Jahrzehnte nach ihrem Tod ein Denkmal gesetzt. Wenn auch nur ein kleines – ein Pflasterstein für jeden. Wilhelm und Elsbeth Ucko sind zwei weitere Juden aus Görlitz, denen posthum ein Stolperstein gesetzt wird. Am 30. Mai wird Stolperstein-Erfinder Gunter Demnig, der mit den kleinen, handgefertigten Messingsteinen europaweit an ermordete oder vertriebene Juden und weitere Opfer des Faschismus erinnert, wieder nach Görlitz kommen. Drei Steine bringt er mit.

Zwei wird er auf der Elisabethstraße 10/11 verlegen, dort, wo einst Elsbeth Ucko und ihr Sohn Wilhelm ein Fotoatelier hatten. Elsbeth starb später im Ghetto, Wilhelm ging nach Schweden. Hier wurde er 1946 Vater von Hans Ucko, der heute in Schweden Professor und Mitglied des Weltkirchenrates ist. Er ist es auch, der nun die späte Erinnerung für Vater und Großmutter in der Heimat initiiert hat. Zur Verlegung der Steine wollen einige Nachkommen der Uckos nach Görlitz kommen – unter anderem aus Singapur, den USA, Schweden und Frankreich.

Der dritte Stein, der Ende Mai in Görlitz verlegt wird, kommt in die Einfahrt zur Heilig-Kreuz-Kirche auf der Struvestraße. Der darauf eingravierte Name: Alfons Maria Wachsmann. „Er war in Görlitz Kaplan, lebte später in Greifswald, wo er der katholischen Kirchgemeinde angehörte“, sagt Bernd Bloß, der zwar seit Langem in Essen lebt, sich aber noch immer um das Stolpersteinprojekt in Görlitz kümmert.

Wachsmann hatte demnach früh gegen den Nationalsozialismus agiert. Im Juni 1943 wurde er verhaftet und im Februar 1944 in Brandenburg hingerichtet. Begraben ist er in Greifswald, wo es auch ein Denkmal für ihn gibt. Sein Stein in Görlitz wird auf Wunsch der Kirchgemeinde verlegt. In der Tradition der Stolpersteine in Görlitz fällt Wachsmann etwas auf – er ist der erste Nicht-Jude, dessen so gedacht werden soll. Sein Schicksal sei aber eindeutig, so Bloß. Verwandte wie Geschwister, Neffen oder Nichten konnten für Wachsmann bislang nicht ermittelt werden.

Für Görlitz werden es die Stolpersteine 19, 20 und 21. Zuletzt war Gunter Demnig 2014 in der Stadt und hatte ebenfalls drei Steine mit: für den jüdischen Unternehmer Martin Ephraim, dessen vor der Zittauer Straße 64 gedacht wurde, sowie für das Kofferfabrikanten-Paar Arnade, an das zwei Steine auf der Jakobstraße 31 erinnern.