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Freitag, 15.06.2018

Drache in Eisenrot und Gold für den Hof

Das berühmte Meissener Dekor „Roter Drache“ hat Vorlagen nicht nur in China, sondern auch im Dresdner Zwinger.

Von Hans Sonntag

Seit 1730 wird das Dekor „Roter Drache“ produziert. Ursprünglich durfte nur am Dresdner Hof davon gegessen werden.
Seit 1730 wird das Dekor „Roter Drache“ produziert. Ursprünglich durfte nur am Dresdner Hof davon gegessen werden.

© Claudia Hübschmann

Meißen. Erstmals 1731 erschien der „Rote Drache“ als Dekor im Preisverzeichnis der Manufaktur. Bis 1918 wurde das Dekor, gemalt in Eisenrot und Gold, nur für den Gebrauch am Dresdner Hof produziert, deshalb lautet seine Bezeichnung auch mitunter „Roter Hofdrache“. Erst um 1858 wurden Farbvarianten des Dekors in Gelb, Purpur, Violett, Grün, Schwarz und Blau für die allgemeine Öffentlichkeit geschaffen.

Sicherlich spielte die fernöstliche Symbolik eine wichtige Rolle bei der Rezeption des Dekors im 18. Jahrhundert, denn der Drache symbolisierte den Kaiser, die Wundervögel wurden später das Wappentier der Kaiserin. Sie symbolisieren den Wunsch nach „Segen und Frieden im Kosmos wie auf der Erde“, wobei die Farbe Rot als dämonenabwehrend, schutzbringend und glückverheißend galt. Die Palastmauern in Peking sind noch heute rot.

Diese fernöstliche Symbolwelt war im Europa des 18. Jahrhunderts partiell bekannt, aber es gibt eben auch eine modifizierte Sichtweise im Kontext mit dem Bau des Dresdner Zwingers (1711 – 1728). August der Starke ließ ihn als ein Ensemble mit Orangeriegebäuden und Pavillons nach römischen Vorbildern errichten, sowohl für die Unterbringung der „allerraresten und kostbarsten Bäume und Gewächse“ als auch für Lustbarkeiten. Seine Anregungen gewann der junge Kronprinz auf seinen Kavalierstouren in Italien, wobei Orangen, Zitronen und Granatäpfel besonders im Mittelpunkt standen. Nach seinem Tode 1733 erfasste das Orangerieinventar circa 2 500 Orangen- und Zitronenbäume. Und mit diesen südlichen Früchten war die Legende vom „Hesperidengarten“ verbunden. In diesem bewachte ein furchterregender Drache die goldenen Äpfel, deren Genuss den Göttern des Olymp die Unsterblichkeit garantierte. Wobei das Wort Äpfel ein weites Früchtespektrum umfasste, etwa Orangen, Zitronen, Quitten, Birnen, Aprikosen, Pfirsiche und Granatäpfel. Dieser besondere Garten steht im Kontext mit der elften Bewährungsprobe des Herakles (römisch Herkules), der diese sagenumwobenen „Äpfel“ holen sollte, die einst Hera bei ihrer Verheiratung mit Zeus von Gaia als Geschenk erhielt und diese dem roten Drachen Ladon zur Bewachung übergeben hatte.“ Permoser schuf für den Zwinger die Skulptur „Hercules Saxonicus“ à la August des Starken, und diese Figur sollte ursprünglich über dem Kronentor aufgestellt werden, fand aber schließlich auf dem Wallpavillon ihren Platz.

„Hesperidengärten“ gab es jedoch auch in der Schlossanlage von Hubertusburg, wo bereits 1727/30 ein halbkreisförmiges Orangerieparterre angelegt worden war. Und erinnert sei auch an die prachtvolle Gartenanlage von Großsedlitz, begonnen wurde die Gestaltung ab 1714. 1723 kaufte August der Starke das Anwesen und es kam zum Neubau der Unteren Orangerie, sodass auch hier die „Herkuleslegende“ blühen konnte.

Der rote Drache lebt somit noch heute auch im Meissener Porzellandekor „Roter Hofdrache“ fort.