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Donnerstag, 01.03.2018

Doch kein Abriss an der Fährmannstraße?

Ehemalige und aktuelle Stadträte fordern vom Oberbürgermeister, die Abrisspläne aufzugeben.

Von Marcus Herrmann und Udo Lemke

Der imposante Bau Fährmannstraße 1 soll ebenso wie weitere Häuser fallen – der Widerstand gegen dieses Vorhaben wächst. Stadträte der Fraktion Freie Bürger/SPD/Grüne fordern schon länger einen Ortstermin, um sich selbst ein Bild vom Zustand der Gebäude machen zu können.
Der imposante Bau Fährmannstraße 1 soll ebenso wie weitere Häuser fallen – der Widerstand gegen dieses Vorhaben wächst. Stadträte der Fraktion Freie Bürger/SPD/Grüne fordern schon länger einen Ortstermin, um sich selbst ein Bild vom Zustand der Gebäude machen zu können.

© Claudia Hübschmann

Meißen. Warum will die Stadt denkmalgeschützte Häuser an der Fährmannstraße 1 bis 3 allem Anschein nach lieber abreißen, statt die Bausubstanz zu erhalten (SZ berichtete)? Diese Frage stand auch bei einem Pressegespräch im Meißner Rathaus in dieser Woche im Raum. Zuvor hatte es Forderungen an Meißens Oberbürgermeister Olaf Raschke (parteilos) gegeben, sich zu den Abrissplänen zu positionieren.

So hatte der Vorsitzende der Stadtratsfraktion Freie Bürger/SPD/Grüne, Heiko Schulze, einen offenen Brief an Raschke geschrieben, der der SZ vorliegt. „Der Abrissantrag bei der Unteren Denkmalschutzbehörde des Landkreises für die Häuser in der Fährmannstraße stellt eine bewusste Brüskierung des Bauausschusses dar und muss für die Denkmalschutzbehörde provozierend wirken“, heißt es darin. Schließlich habe die Behörde der Stadt Meißen bereits im Sommer 2016 ihre ablehnende Haltung zu den Abrissplänen mitgeteilt. „Offensichtlich möchten Sie mit Ihrem jetzigen Vorgehen vollendete Tatsachen schaffen, um das von Ihnen favorisierte städtebauliche Projekt durchzusetzen.“

Schulze erklärte, dass dem Bauausschuss bislang nur Ideen vorgestellt worden seien, eine abschließende Diskussion habe noch nicht stattgefunden. Auch sei noch kein Beschluss darüber gefasst worden, was mit den der Stadt gehörenden Häusern Fährmannstraße 1 bis 4 geschehen soll. „Im Nachgang der Sitzung des Bauausschusses im November 2017 stellte sich heraus, dass die vorgestellte überarbeitete Projektidee nicht mit der Denkmalschutzbehörde abgestimmt war.“

Helge Landmann, bis Ende 2015 Vorgänger als Fraktionschef von Heiko Schulze, erklärte in einem Schreiben an die SZ und an Stadträte, dass er den Eindruck habe, „die Verwaltung findet sich mit der Fährmannstraße nicht aus der selbst aufgemachten Sackgasse raus“. Wie so oft könne sie sich darin verkämpfen, „wir können aber auch loslegen und die Häuser mit privaten Kapitalgebern sanieren“. Wenn das eine oder andere Haus an der Triebischseite nicht mehr reparabel sei, dann gäbe es die Möglichkeit, Abbruch und eventuellen Neuaufbau über die Baulücke an der Gerbergasse zu organisieren. „Wenn Sie sich überzeugen wollen, wie wichtig der Giebel des Kopfbaus beim Blick über die Altstadt aus Richtung Burgkeller ist, dann machen Sie einen Sonntagsspaziergang.“

Landmann lässt in seinem Schreiben die Entwicklung um die Fährmannstraße – neben den städtischen Häusern 1 bis 4 gehören die 5 und die 10 der Seeg und damit indirekt auch der Stadt – Revue passieren. So habe der Oberbürgermeister den Stadträten die genaue Prüfung, was mit der Rückseite der Zeile an der Triebisch, die das romantische Flair Meißens mit ausmachte und als „Kleinvenedig“ bezeichnet wurde, zugesagt, um sie zu besänftigen. Gleiches treffe auf die Vorderhäuser zu. „Konkret aber passierte nichts, eine Veränderungssperre für das Gebiet folgte der anderen. Und da niemand bauen konnte, geriet die Bausubstanz immer mehr unter Druck. Kraft Veränderungssperre verkauften die damaligen privaten Eigentümer schließlich an die Stadtverwaltung.“

Die Stadt aber habe die Gebäudeerhaltung unterlassen und die ihren Plänen entgegenstehende Denkmalgesetzgebung missachtet. Der kürzlich verstorbene Baudezernent Wackwitz habe, veranlasst durch den Oberbürgermeister, jahrelang im Zwiespalt zwischen Gesetz und Handhabung des Gesetzes gestanden. Erst als es keine Möglichkeit mehr gegeben habe, die Veränderungssperre weiter zu verlängern, sei ein Büro für Garten- und Landschaftsarchitektur aus Dresden eingeschaltet worden, um Planung und Modell für die zukünftige Gestaltung des Areals zu fertigen.

Das sah anfangs den Abriss des großen, fünftstöckigen Kopfbaus an der Triebisch vor, außerdem sollten auch die Fährmannstraße 2, 3, 4, 5 und 10 fallen. „Wieder war es der Baudezernent, der ins Feuer geschickt wurde, um den Stadträten begreiflich zu machen, was an der Verwaltungsspitze beschlossen worden war.“

Vor der Presse im Rathaus machte Raschke nun deutlich, dass vor einem möglichen Abriss in jedem Fall noch einmal der Stadtrat eingebunden würde. „Das wird aber nur dann nötig, wenn die momentane Prüfung zu dem Schluss kommt, dass ein Abriss überhaupt durchsetzbar ist“, so das Stadtoberhaupt. „Auch über die Umsetzung des Konzeptes des aktuellen Architektenentwurfes für die Fährmannstraße und über mögliche Mittel hierfür entscheidet der Stadtrat“, sagte Raschke.