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Dienstag, 18.05.2004 Geschichte

DKP-Paramilitärs von der Stasi ausgebildet

Die Deutsche Kommunistische Partei (DKP) hat bis zur Wende unter strengster Geheimhaltung eine paramilitärische Elite für den Nahkampf in westdeutschen Großstädten ausbilden lassen. Das geht aus rekonstruierten Aktenfunden der Stasiunterlagenbehörde hervor.

Berlin. „Die ,Gruppe Ralf Forster‘ war aber kein Projekt der Stasi, sondern war direkt bei der SED-Führung angesiedelt, das Ministerium für Staatssicherheit hat aber die konspirative Infrastruktur gesichert“, sagte gestern Behördenchefin Marianne Birthler. Selbst im SED-Politbüro, dem höchsten Machtgremium, hätten nur wenige von dem militärischen Arm der DKP gewusst.

Die militärischen Führungskader sollten laut Birthler lernen, Gegner lautlos zu beseitigen und dem Feind in westdeutschen Städten Überraschungsschläge zu versetzen. Auch Bau und Einsatz von Spreng- und Brandmitteln seien trainiert worden. Ziel war es, die Taktik von Kleinkampfgruppen in Ballungsgebieten zu beherrschen. Tarnung und Spurenverwischung gehörten ebenfalls zum Training.

Theoretisch wurden die streng abgeschirmten Kämpfer in Ost-Berlin von Stasi-Experten unterrichtet, praktische Übungen folgten in einem geheimen Ausbildungscamp am Springsee (Brandenburg). Laut Birthler fanden jährlich sechs solcher Militärausbildungen mit je zwei bis sechs Kämpfern statt. Sie seien unter falschem Namen in die DDR geschleust worden, die Finanzierung habe die DDR getragen, sagte die Behördenchefin. Ab 1972 habe sich die theoretische und praktische Ausbildung von westdeutschen DKP-Mitgliedern in der DDR konzentriert, sagte Birthler.

Unklar sei, ob die DKP-Militärelite tatsächlich Anschläge verübte. „Über die praktische Seite wissen wir noch sehr wenig“, sagte Birthler. Einen Teil der Akten habe die Stasi zum Schluss gezielt vernichtet.

Dem ZDF bestätigte ein früheres DKP-Mitglied, dass die paramilitärische Truppe Attentate auf feindliche Personen übte, Sprengstoff herstellte und den Umgang mit Handfeuerwaffen und Panzerfäusten lernte. „Der Auftrag, zu dem wir uns verpflichtet hatten, reichte von der Geiselbefreiung bis zur Vernichtung von reaktionären Führungspersönlichkeiten des kapitalistischen Systems“, sagte das ehemalige Führungsmitglied der DKP-Militärorganisation in der Sendung „Frontal 21“, die am heutigen Dienstag ausgestrahlt werden soll. (dpa)