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Freitag, 18.05.2018

„Digitalisierung? Bei uns kein Thema!“

Seit 40 Jahren schrauben die Feldbahner an kleinen Loks und Waggons. Das fasziniert auch junge Menschen.

Von Nancy Riegel

Pfingsten in der Herrenleite

Michael Lenk ist schon fast von Beginn an Mitglied im Feldbahn-Verein, der dieses Jahr Jubiläum feiert. Auf dem Gelände in der Herrenleite in Lohmen steht unter anderem diese Feldbahn-Lok vom Typ ZL 105 aus dem Jahr 1941.
Michael Lenk ist schon fast von Beginn an Mitglied im Feldbahn-Verein, der dieses Jahr Jubiläum feiert. Auf dem Gelände in der Herrenleite in Lohmen steht unter anderem diese Feldbahn-Lok vom Typ ZL 105 aus dem Jahr 1941.

© Daniel Schäfer

Lohmen. Eisenbahnen ziehen Männer magisch an. An diesem Phänomen hat sich in der Herrenleite in Lohmen in den vergangenen Jahren wenig geändert. Zum Vorteil des dort ansässigen Vereins der Feldbahner. 40 Jahre gibt es diesen nun schon. Einer, der fast seit Beginn an mit dabei ist, ist Michael Lenk vom Vereinsvorstand. Und der sagt: „Wir sind noch längst nicht am Ende mit unseren Ideen.“

Als Student kam der heute 55-Jährige zu den Fans der kleinen Loks und Waggons. Damals hatte der Verein sein Domizil noch in Dresden-Klotzsche. „Alles andere als ideal war das.“ Das Gelände befand sich mitten in einem Wohngebiet. Es war deshalb nur eine Frage der Zeit, dass sich Anwohner beschwerten. Denn die Feldbahn-Tüftler machen schon mal Lärm – mit dem Winkelschleifer oder beim Verladen der Loks und Waggons. Außerdem gab es wenig Platz. Als die Stadt Dresden den Feldbahnern kündigte, zogen sie um in die Herrenleite auf ein stillgelegtes Militärgelände – ein Grundstück, auf das sie schon lange ein Auge geworfen hatten.

Pfingsten in der Herrenleite

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Das Feldbahnmuseum hat an allen drei Tagen von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

15 Uhr ist eine Fahrzeugparade geplant, Besucher können mit dem Feldbahnzug und Loks mitfahren.

Führungen sind 11 Uhr, 13.30 Uhr und 16 Uhr geplant.

Pendelbus: So. und Mo. ab 10 Uhr halbstündlich vom Kaufland in Copitz.

Eintrittspreise: Erwachsene 4, Kinder 1, Familien 8, ermäßigt 2 Euro.

Mittlerweile summiert sich der Fahrzeugbestand auf 115 Loks und mehr als 450 Wagen. Einige sind im Privateigentum, der Großteil gehört den Feldbahnern gemeinschaftlich. Das Hobby kann teuer werden. Denn Feldbahnen sind heute nur noch vereinzelt zum Beispiel im Bergbau und der Torfindustrie im Einsatz. Alle anderen wurden ausgemustert und haben dementsprechend Seltenheitswert. Das gilt auch für Ersatzteile. Die Dampflok, die dem Verein lange Zeit treue Dienste erwies, bräuchte einen neuen Kessel, um wieder fahren zu können. Kostenpunkt: mindestens 40 000 Euro. So viel Geld hat der Verein nicht einfach so locker sitzen.

Immerhin: Trotz der Konkurrenz durch Smartphone, Computer und andere moderner Technik kann sich der Verein auch heute noch über Zulauf von jungen Menschen freuen. Alles nur Männer allerdings, berichtet Michael Lenk. „Wir haben unter anderem Studenten oder Azubis aus technischen Berufen dabei.“ Fragt man das Vorstandsmitglied nach Gründen, warum man sich für Feldbahnen begeistern kann – der Verein zählt rund 40 Mitglieder – fällt dem Oberschullehrer einiges ein. Zunächst einmal mache das Bauen und Reparieren an den Fahrzeugen Spaß. Denn deren einfache Technik sei auch für Laien leicht zu verstehen. „Digitalisierung ist bei uns kein Thema“, fasst es Michael Lenk zusammen. Ein besonderer Glücksmoment stelle sich ein, wenn eine Lok wieder zum Leben erweckt wird, die ihren Geist schon lange aufgegeben hatte. Und natürlich herrsche ein großer Gemeinschaftssinn.

Für die Mitglieder sei es deshalb auch verständlich, außerhalb der Werkstatt mit anzupacken. Grünschnitt, Streichen, Putzen, was eben so anfällt. Lenk ist deshalb mehr as zuversichtlich, dass der Verein auch künftig Bestand haben wird. In den kommenden Jahren wolle man das Museum weiter ausbauen. Geplant sind unter anderem ein Bagger, der Nachbau eines Schrägaufzugs wie früher im Sandsteinwerk sowie die Restaurierung der kaputten Dampflok. Jetzt am Wochenende wird erst einmal das Vereinsjubiläum gefeiert.