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Donnerstag, 14.06.2018

Die wohl fleißigste Feuerwehr des Freistaates

Unfälle auf der A 4 bringen die Wilsdruffer Feuerwehr an die Belastungsgrenze. Jetzt wird neue Technik angeschafft.

Von Hauke Heuer

Wehrleiter Falk Arnhold mit einem der hydraulischen Rettungssätze, solche Technik soll neu angeschafft werden.
Wehrleiter Falk Arnhold mit einem der hydraulischen Rettungssätze, solche Technik soll neu angeschafft werden.

© Andreas Weihs

Wilsdruff. Wilsdruffs Stadtwehrleiter Falk Arnhold zückt sein Smartphone und wischt mit dem Finger durch eine Galerie des Grauens. Bis zur Unkenntlichkeit zerquetschte Autos klemmen unter den Anhängern von Sattelschleppern oder liegen kopfüber auf einem Feld. Die Aufnahmen sind die Zeugnisse der letzten schweren Unfälle auf der A 4. Schwer zu glauben, dass da jemand lebend herauskommt, und doch gehen die Zusammenstöße für die Beteiligten meistens glimpflich aus.

Ein Rentnerehepaar wurde am 17. April zwischen einem Lkw und der Leitplanke eingeklemmt. Am 23. Mai fuhren zwei Lkws ineinander. Am 7. Juni krachte ein polnischer Sattelschlepper in ein Stauende. In der Nacht zum 1. Juni brannte ein Wohnmobil komplett aus. Besonders schwer war der Unfall am 31. Mai. Hier wurde ein Kleintransporter von zwei Lkws eingeklemmt. In diesem Jahr musste die Wilsdruffer Wehr alleine bis Ende Mai zu rund 25 Einsätzen auf der Autobahn ausrücken. Im vergangenen Jahr waren es rund 50. Diese Zahl wird wahrscheinlich eingestellt, weil der traditionell unfallreiche Herbst noch vor den Rettern in Rot liegt.

„Unsere Belastung war schon immer hoch. Alleine die Autobahn wird täglich von teils weit über 100 000 Fahrzeugen passiert, und dann gibt es noch die Bundesstraßen. Wir rücken im Jahr insgesamt zu 200 Einsätzen aus. Andere freiwillige Feuerwehren bewältigen ein Dutzend“, berichtet Arnhold. Durch die Baustellen auf der Autobahn seien die Unfallzahlen noch einmal gestiegen. Ein weiteres Problem sei die hohe Zahl an Lkws, die die schweren Zusammenstöße oft verursachen. „Es gibt Tage, an denen müssen wir dreimal rausfahren. Wenn du dann in der Nacht nach Hause kommst und am nächsten Tag arbeiten musst, ist das schwer durchzustehen“, erklärt Wilsdruffs erster Feuerwehrmann.

Die Wachen in Wilsdruff und den Ortsteilen können das hohe Einsatzaufkommen nur bewältigen, weil sie aus einem relativ großen Pool von Feuerwehrleuten schöpfen können. Es gibt rund 260 Aktive. „Die meisten haben nur in den Abendstunden Zeit. Tagsüber können wir die Einsatzbereitsschaft nur aufrechterhalten, weil einige Betriebe ihre Mitarbeiter freistellen und eng mit uns zusammenarbeiten“, erklärt der Inhaber eines Heizung-, Lüftung- und Sanitärbetriebes. Nachwuchsprobleme habe die Wilsdruffer Feuerwehr, ganz im Gegensatz zu anderen Gemeinden, allerdings nicht. Die gute Arbeit in der Jugendfeuerwehr zahle sich aus.

Doch die Mannstärke alleine reicht nicht aus, um dem Auftrag gerecht zu werden. Insbesondere die Fahrzeuge und die dazugehörige Technik würden nicht mehr dem aktuellen Stand entsprechen. Die drei vorhandenen hydraulischen Rettungssätze zum Aufspreizen und Schneiden von Fahrzeugkarossen würden bei Unfällen mit mehreren beteiligten Fahrzeugen im Zweifel nicht mehr ausreichen, so Arnhold.

Doch Abhilfe ist in Sicht. Es scheint sich auch bis nach Dresden herumgesprochen zu haben, dass die Wilsdruffer Feuerwehrmänner die wohl am meisten beschäftigten im gesamten Freistaat sind. Innenminister Roland Wöller (CDU) hat bei seiner letzten Visite zum Tag der offenen Tür der Feuerwehr versprochen, die Anschaffung eines modernen Fahrzeuges mit entsprechender Technik zum Aufschneiden von Fahrzeugen zumindest teilweise zu finanzieren. Die Kosten des Feuerwehrautos werden sich auf rund 400 000 Euro belaufen. Darüber hinaus wird die Wache in Wilsdruff um einen Stellplatz erweitert und bekommt einen zusätzlichen Rettungswagen, der durch das DRK betrieben wird. Die Zahl der Unfälle sinkt durch diese Maßnahmen allerdings nicht.